Russische Börsengänge unter keinem guten Stern

12. Februar 2011, 21:44
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Der VTB-Börsengang soll zwei Milliarden Euro bringen. Hohe Einnahmen wünscht sich auch Gasprom

Russland erhofft sich einen guten Start seines neuen Privatisierungsprogramms. Der VTB-Börsengang soll zwei Milliarden Euro bringen. Hohe Einnahmen wünscht sich auch Gasprom - der Gaspreis für Europa soll steigen.

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Unter keinem guten Stern steht der Börsengang der zweitgrößten russischen Bank VTB. Am Freitag musste mangels Investoreninteresse bereits der dritte von vier angekündigten IPOs russischer Unternehmen abgeblasen werden.

Das Goldförderunternehmen Nord Gold, das zum Firmenreich des Stahlmagnaten Alexej Mordaschow gehört, sollte eigentlich an der Londoner Börse LSE debütieren und 1,5 Milliarden US-Dollar (rund 1,1 Milliarden Euro) einbringen. Der Börsengang wurde aufgrund des schlechten Marktumfeldes abgesagt. Ebenfalls gescheitert sind das IPO des Pipelineherstellers Chelpipe und des Kohleproduzenten Koks.

Nun schauen alle Investoren auf den Börsengang der Staatsbank VTB, der der Regierung rund 3,1 Milliarden US-Dollar (rund 2,2 Milliarden Euro) in die Kassen spülen soll. "Für das 30-Milliarden-US-Dollar-Privatisierungsprogramm der Regierung ist es wichtig, dass der Börsengang durchgezogen wird", sagt Chris Weafer, Chef-Stratege der Investmentbank Uralsib.

Privatisierungsprogramm

Um das wachsende Loch im russischen Haushalt zu stopfen, hat die russische Regierung ein umfassendes Privatisierungsprogramm beschlossen. Sie will sich in den nächsten drei Jahren von Aktienanteilen an Unternehmen wie dem Ölkonzern Rosneft, der größten russischen Bank Sberbank und der Werft Sovkomflot trennen.

Doch bereits jetzt musste die Regierung Abstriche machen. Eigentlich sollten dem zehnprozentigen Aktienpaket der VTB, das jetzt zum Verkauf steht, bis Jahresende weitere zehn Prozent folgen. Finanzminister Alexej Kudrin hat dies nun jedoch abgesagt. Seit dem Bekanntwerden der Verkaufspläne hat die VTB-Aktie rund 13 Prozent verloren.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters ist das Orderbuch der VTB, das am Freitagabend geschlossen werden soll, überzeichnet. Allerdings soll der Preis unter den Erwartungen der Regierung liegen. Interesse an einer VTB-Beteiligung zeigte unter anderem der italienische Finanzkonzern Generali.

Gasprom will Preis erhöhen

Sorgen um seine Einnahmen hat offenbar auch der russische Staatskonzern Gasprom. Der Exportmonopolist will den Durchschnittspreis für Gaslieferungen nach Europa heuer um 14 Prozent anheben, berichtet Reuters, sich auf anonyme Quellen beziehend.

Zwischen Gasprom und den europäischen Abnehmern schwelt bereits seit längerem ein Streit. Während Gasprom auf die Erfüllung der Langzeitkontrakte, die den Gas- an den Ölpreis koppeln, pocht, verlangen Unternehmen wie etwa Eon Ruhrgas die Berücksichtigung der günstigeren Preise an den Spotmärkten. (Verena Diethelm aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13.2.2011)

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    Regierungschef Wladimir Putin und VTB-Chef Alexej Kostin besprechen den Börsengang der Staatsbank.

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