Warten auf die Lichtgestalt

12. Februar 2011, 20:08
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Maria Furtwängler im ZDF: "Schicksalsjahre" - Der Zweiteiler erzählt die Geschichte einer Empanzipation - Am Sonntag und Montag, 20.15 Uhr

Privates Glück zu wahren, wenn rundherum alles zusammenbricht. Das muss misslingen, weil letztlich kein unpolitisches Leben im Politischen möglich ist. Die Kriegswitwe Ursula Heye (Maria Furtwängler) wird von der Erinnerung an die Unmöglichkeit ihrer Privatheit eingeholt, als sie erfährt, dass ihr seit 1943 vermisster Mann noch lebt, aber nicht zu ihr zurückgekehrt ist.

Der Zweiteiler Schicksalsjahre (So und Mo, ZDF, 20.15) erzählt die Geschichte einer Emanzipation. Während des Krieges kämpft sich Heye als Alleinerzieherin im polnischen Danzig durch. Auf die Nazis folgt die Drangsalierung durch die Sowjets, beides verbunden mit dem sehnsüchtigen Warten auf den Mann, der durch die Abwesenheit zur Lichtgestalt idealisiert wurde.

Triefender Kitsch lauert

Uwe-Karsten Heye, Pressereferent bei Willy Brandt und Gerhard Schröders Regierungssprecher, schilderte die Geschichte seiner Mutter als romantisierte Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Nazi-Terrors im Buch Vom Glück nur ein Schatten. Furtwängler hält sich tapfer von den Gräben fern, in denen der triefende Kitsch lauert. Sie stolpert, fällt aber nie ganz hinein.

Vor dem Hintergrund gigantomanischer Parallelprogramme wie zuletzt Hindenburg wirkt Schicksalsjahre wohltuend zurückhaltend und entwickelt eine Dichte, wie sie im Fernsehen nicht jeden Tag zu sehen ist. Nach Teil eins zeigt das ZDF eine Doku zum Film. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 12./13.2.2011)

  • Maria Furtwängler als Kriegswitwe Ursula Heye im ZDF-Zweiteiler "Schicksalsjahre", Sonntag, 20.15 Uhr
    foto: zdf

    Maria Furtwängler als Kriegswitwe Ursula Heye im ZDF-Zweiteiler "Schicksalsjahre", Sonntag, 20.15 Uhr

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