Hintergründe zu Schusswechsel in Hirtenberg mit zwei Toten

12. Februar 2011, 14:28
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Treffer in Leber war für Polizisten (26) tödlich - 34-Jähriger schoss sich letztlich in Kopf - Zahlreiche Projektile sichergestellt

Baden - Zwei Tote und ein Schwerverletzter sind die Bilanz des Schusswechsels in Hirtenberg (Bezirk Baden) vom Freitagnachmittag. Ein 26-jähriger Beamter der Polizeiinspektion Bad Vöslau starb im Landesklinikum Wiener Neustadt. Noch am Tatort war der 34-jährige Thomas P. ums Leben gekommen, nach dem wegen Selbstmordabsichten gesucht worden war. Zwischen dem Mann, der eine zweimonatige Haftstrafe nicht angetreten hatte, und zwei Polizisten waren bei einer Anhaltung zahlreiche Schüsse gefallen.

Treffer in Leber war tödlich

Die Ärzte im Landesklinikum Wiener Neustadt kämpften vergeblich um das Leben des ledigen jungen Beamten. Der 26-Jährige starb am Samstag um 12.40 Uhr, nachdem am Vormittag eine Verschlechterung seines Zustandes eingetreten war, wie Ernst Schuch vom Landeskriminalamt NÖ zu diesem Zeitpunkt in einer Pressekonferenz berichtete. Der Polizist war nach seiner per "Christophorus"-Notarzthubschrauber erfolgten Einlieferung ins Krankenhaus noch am Freitag operiert worden. Tödlich war letztlich ein Treffer in die Leber. Die Leiche des Beamten wird auch noch obduziert, sagte Schuch.

Thomas P. starb letztlich durch einen Schuss in den Kopf, den er selbst gesetzt hatte. Das ergab die am Samstag durchgeführte Obduktion. Ebenfalls tödlich gewesen wären demnach zwei Treffer aus den Dienstwaffen der Polizisten. Die Leiche des 34-Jährigen wies insgesamt fünf Schussverletzungen auf. Am Vormittag hatten die Ermittler erklärt, dass für sie im Zusammenhang mit dem Tod des Mannes "Suicide by Cop" im Raum stehe.

34-Jähriger hatte Selbstmordabsichten geäußert

Der 34-jährige Kindesvater aus Enzesfeld sollte mit 1. Februar eine zweimonatige Haftstrafe in Wiener Neustadt wegen eines Betrugsdeliktes antreten. Die Aufforderung dazu hatte er im Jänner erhalten. Thomas P. habe jedoch nicht ins Gefängnis gehen wollen. Er habe vielmehr Selbstmordabsichten geäußert, von denen die Ehefrau am Freitag gegen 14.00 Uhr die Polizei in Kenntnis setzte. Der 34-Jährige habe plötzlich das Haus verlassen. Eine Nachschau ergab laut Schuch, dass aus dem Tresor eine von zwei Glock 19 fehlte. Der Mann war im Besitz einer waffenrechtlichen Urkunde.

Insgesamt zehn Polizeistreifen suchten nach dem 34-Jährigen. Beim Zusammentreffen zwischen dem Mann und zwei Beamten aus Bad Vöslau kam es gegen 15.15 Uhr zu dem Blutbad. Der 34-Jährige dürfte sofort geschossen haben, als ihn die Streife zur Überprüfung auf eine Dienststelle mitnehmen wollte. Die Beamten erwiderten das Feuer. Thomas P. starb an Ort und Stelle, die Polizisten - einer wurde am Samstag 39, der andere war 26 Jahre alt - wurden "mehrfach" im Brust- und Bauchbereich getroffen.

Funkgerät womöglich lebensrettend

Dem älteren Beamten dürfte ein Funkgerät das Leben gerettet haben. Der verheiratete zweifache Familienvater hatte es Schuch zufolge in der linken Brusttasche getragen. Es wurde von einem Projektil durchbohrt. Der Beamte wurde von einem "Christophorus"-Notarzthubschrauber ins UKH Wien-Meidling eingeliefert. Er war am Samstag außer Lebensgefahr. Die Ermittler gingen davon aus, den 39-Jährigen in den kommenden Tagen befragen zu können.

Die beiden mehrfach getroffenen Beamten hatte andere, ebenfalls auf der Suche nach Thomas P. befindliche Kollegen durch Signalschüsse auf sich aufmerksam gemacht. Der 34-Jährige war bereits tot, als weitere Streifen am Ort des Blutbades eintrafen, berichtete Schuch.

Es sei davon auszugehen, dass der Schusswechsel "aus Gesprächsdistanz" - zwei bis vier Meter - erfolgt sei. Wie viele Schüsse letztlich in dem Waldgebiet zwischen Hirtenberg und Enzesfeld gefallen waren, wollte Schuch nicht sagen. Bei der Samstagmittag abgeschlossenen Arbeit der Tatortgruppe kamen auch Metallsuchgeräte zum Einsatz.

Kein Grund für Abnahme des Waffenscheins

Thomas P. sei nicht als Gewalttäter bekanntgewesen, sagte der niederösterreichische Sicherheitsdirektor Franz Prucher. Es habe keinen Grund gegeben, dem Mann die Waffenbesitzkarte abzunehmen. Der 34-Jährige sei zuletzt arbeitslos gewesen.

"Wir vermuten, dass die Kollegen überrascht wurden", sagte Landespolizeikommandant Arthur Reis zur Situation am Tatort. Werde auf Polizisten gefeuert, bestehe das Recht, ebenfalls von der Schusswaffe Gebrauch zu machen, merkte Prucher an. In die laufenden Ermittlungen sei auch die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt eingebunden. Der Schusswaffengebrauch durch die niederösterreichischen Polizisten wird vom Landeskriminalamt Burgenland untersucht. (APA)

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