Nokias Kapitulation

11. Februar 2011, 21:36
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Damit ist das Kapitel der finnischen Handyherrschaft geschlossen

Vor vier Jahren hat Apple sein iPhone vorgestellt: _ein Handyneuling, über den der unbestrittene Marktführer im hohen Norden nur lachen konnte. Aber Apple definierte, wie das jetzt „Smartphone“ genannte Handy im mobilen Internet-Zeitalter zu funktionieren hat. Vier Jahre später kapitulieren die Finnen, opfern ihr hauseigenes Betriebssystem, das der Konkurrenz zuerst von Apple und dann von Google nicht standhalten konnte, und flüchten in die Arme von Microsoft.

Es ist ein Akt schierer Verzweiflung, in Anbetracht einer „brennenden Plattform“, wie dies Nokias neuer Chef Stephen Elop selbst formulierte. Nokias Versuche, den Anschluss zu finden, scheiterten samt und sonders und kosteten Elops Vorgänger den Job. Und man muss schon sehr verzweifelt sein, um bei Microsoft Rettung zu erhoffen: Denn Windows am Handy ging es noch schlechter als Symbian. Der im PC-Bereich weiterhin so mächtige (und überaus profitable) Softwarekonzern ist bei Handys nur eine Randerscheinung.

Damit ist das Kapitel der finnischen Handyherrschaft geschlossen, Google der dominante Lieferant einer Schar von US- und asiatischen Herstellern und Apple ein Reich für sich, das allen anderen die Richtung vorgibt. Nokia und Microsoft werden sich sehr anstrengen müssen, um hier mitspielen zu können – Wiedergeburten wie jene von Apple sind in dieser Branche selten. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Printausgabe, 12.2.2011)

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