"Er sieht sich als Vaterfigur"

11. Februar 2011, 19:20
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Mubarak-Expertin Strohmayer über den Ex-Staatschef

Einen "geordneten Übergang" dem sofortigen Rücktritt vorzuziehen, wie Ex-Präsident Hosni Mubarak es noch am Donnerstag angekündigte hatte, passte gut in das bekannte Muster seines Führungsstils.

Politischen Wandel hat Mubarak auch in der Vergangenheit nur in kleinen Dosen zugelassen: "Für Reformen und Veränderungen wandte er immer einen Step-by-Step Ansatz an", erklärt Edda Strohmayer, Autorin des Buches Stabilität, Friede und Demokratie im Nahen Osten? 25 Jahre Ägypten unter Hosni Mubarak.

Bis jetzt ist die Politik der kleinen Schritte immer gutgegangen. Dass es dafür zu spät war, habe er lange nicht erkannt, analysiert die Mubarak-Kennerin. "Er dachte vielleicht, er könne den Volkszorn ebenso steuern und

kanalisieren, wie ihm das in der Vergangenheit oftmals gelungen ist" - etwa bei Großdemonstrationen gegen politische Entscheidungen der USA oder Israels.

Seine Aussagen, er verwehre sich gegen Einmischungen aus dem Ausland, kamen bisher in der patriotisch gesinnten Bevölkerung gut an und gehörten zu Mubaraks Standardrhetorik. Dass sich der Unmut des Volkes so symbolhaft an ihm als Person festgemacht hat, irritiere den Langzeitpräsidenten, meint Strohmayer. Er sehe sich selbst als "Vaterfigur" Ägyptens, überzeugt davon, viel Gutes für das Land getan zu haben: zuvorderst die Sicherung des Friedens oder auch die Abwehr des islamistischen Terrors in den 90er-Jahren.

In seinen Fernsehansprachen betonte Mubarak immer zu seine Liebe zu Ägypten - wo er auch begraben werden wolle. (juh/DER STANDARD, Printausgabe, 12.2.2011)

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