Kraftprobe in Algier

11. Februar 2011, 18:56
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Regime will angekündigte Massenproteste verhindern

Algerien steht vor einer Kraftprobe. Die Nationale Koordination für den Wandel und die Demokratie (CNCD), ein Bündnis aus unabhängigen Gewerkschaften, Oppositionsparteien, Men-schenrechts- und Jugendorganisationen, ruft für den heutigen Samstag - trotz Verbots - zu Großdemonstrationen in der Hauptstadt Algier, der zweitgrößten Stadt Oran sowie mehreren anderen Provinzhauptstädten auf.

Das Ziel der CNCD, die nach den Protesten gegen die hohen Lebensmittelpreise im Jänner ins Leben gerufen wurde, ist die Aufhebung des seit 19 Jahren geltenden Ausnahmezustandes. Dieser ist noch immer in Kraft, obwohl Präsident Abdelaziz Bouteflika vor wenigen Tagen die "baldige Aufhebung" versprach. Außerdem fordern die Organisatoren demokratische Reformen, die in echte freie Wahlen münden sollen.

Seit zwei Wochen kommt es in Algerien zu massiven Streiks. "Wir werden alles dafür tun, dass die Protestmärsche friedlich bleiben" , so Mustafa Bouchachi, Chef der Algerischen Menschenrechtsliga und ein CNCD-Sprecher.

20.000 Polizisten werden laut Innenministerium am Wochenende in Algier "mit allen Mitteln" versuchen, den Protestmarsch zu unterbinden. Die Zufahrtsstraßen sollen gesperrt, Züge und Busverbindungen ausgesetzt werden. Alle 50 Meter wird eine Anti-Selbstverbrennungsbrigade stehen: Feuerwehrleute mit Brandschutzdecken und Feuerlöschern. Sie sollen Selbstmordaktionen verhindern. Seit Jahresbeginn gab es laut Presse rund 40 Versuche von Selbstverbrennungen. (Reiner Wandler/DER STANDARD, Printausgabe, 12.2.2011)

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