Der Homo-Test

11. Februar 2011, 18:52
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Asylwerber kriegen in Norwegen ein Video mit homosexuellen Szenen zu sehen

Österreichs Fremdenrecht ist bestimmt eines der strengsten (der Österreicher hat es gern, wenn man streng zu anderen ist, das eigene Unrechtsbewusstsein ist eher schlampert). Allerdings muss man sagen, dass andere europäische Staaten in ihren fremdenrechtlichen Verrenkungen durchaus kreativer werden. Sozusagen auf der liberalen Seite hat sich jetzt Norwegen etwas Besonderes einfallen lassen: Asylwerber kriegen ein Video mit homosexuellen Szenen zu sehen, damit sie gleich einmal wissen, woran sie sich, meist aus etwas unaufgeklärteren Gesellschaften kommend, gewöhnen müssen: "Wer in Norwegen leben und Teil der Gesellschaft werden will, hat das zu akzeptieren", wird von der norwegischen Nachrichtenagentur NTB eine Flüchtlingsinstruktorin zitiert.

Diese vorsorglich-staatsgläubige Haltung findet ihre autoritäre Variante in Tschechien, wo man männlichen Asylwerbern Homo-Pornos vorgespielt hat, um an ihren Erektionen oder Nichterektionen feststellen zu können, ob sie echt homosexuell sind. Nicht weil der tschechische Staat sexuelle Diskriminierung betreiben will, sondern weil man so Schwindler herausfinden wollte, die ihre sexuelle Orientierung als Verfolgungs- und somit als Asylgrund angeben.

Die Norweger setzen also auf eine Erziehungsdiktatur light, die Tschechen auf pseudowissenschaftlichen Humbug. Mal sehen, was uns noch einfällt. (rau/DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.2.2011)

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