Alt werden wir später

11. Februar 2011, 17:55
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Wir alle werden länger arbeiten müssen - und sei es für den Anfang "nur" bis zum "Regelpensionsalter"

Sie werden "zurückgeholt". Klingt nach herausgerissen aus ihrer trauten Welt - irgendwie übel. Ist es aber nicht: "Sie" sind in ganz Österreich nur an die zehn bereits in Pension befindliche Lehrerinnen und Lehrer, die retour in die Schule gehen und wieder unterrichten. Und "sie" tun es freiwillig: in den Beruf zurückkehren, den sie einmal gewählt haben, weil sie ihn machen wollten - und vielleicht oder hoffentlich sogar gemocht haben.

Wo ist also das Problem beim "Problem" der reaktivierten Lehrerinnen und Lehrer? Der viel beschworene Lehrermangel ist es - noch - nicht. Dem wird durch politische Maßnahmen, von einer neuen Pädagogenausbildung über ein modernes Karrierebild für Lehrer bis zu einem adäquaten Dienst- und Besoldungsrecht, entgegenzuwirken sein.

Die Oldie-Pädagogen können auch anders als ein Krisensymptom interpretiert werden: nämlich als Vorgriff auf etwas, das schon bald Normalität und Selbstverständlichkeit sein wird und muss. Wir alle werden länger arbeiten müssen - und sei es für den Anfang "nur" bis zum "Regelpensionsalter". Weil wir länger arbeiten können. Weil wir zwar älter werden - das wollen ja alle -, Älterwerden aber nicht automatisch arbeitsunfähig zu werden bedeutet. Wir werden mehr Jahre haben, die gute Jahre sein werden. Nicht alle davon werden wir als Pensionisten alimentiert auskosten können - auch, weil es nicht finanzierbar ist. Ein Trost bleibt: Es gibt auch ein Leben vor der Pension. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.2.2011)

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