Rücktritt nach vier Protest-Wochen

11. Februar 2011, 17:44
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Selbstverbrennungen lösten Massenproteste gegen ägyptisches Regime aus

Kairo - Seit Mitte Jänner hat sich die Lage in Ägypten immer weiter zugespitzt. Ein Rückblick auf die Ereignisse bis zum Rücktritt von Staatschef Hosni Mubarak am Freitag:

17./18. Jänner: Vor dem Parlament in Kairo versucht ein Ägypter, sich selbst zu verbrennen, und wird schwer verletzt. In Alexandria verbrennt sich ein Arbeitsloser.

25. Jänner: Landesweit demonstrieren Zehntausende. Mindestens vier Menschen werden getötet, Hunderte verletzt.

26. Jänner: Wieder versammeln sich Hunderte Oppositionelle. Die Staatsmacht geht hart gegen sie vor, mindestens zwei weitere Menschen sterben. Die US-Regierung mahnt Mubarak zu Besonnenheit. Ägyptens Behörden blockieren den Zugang zu Twitter und Facebook. Inzwischen wurden rund 500 Demonstranten festgenommen.

27. Jänner: Die Proteste lassen die Kurse an der Börse in Kairo abstürzen, der Handel wird vorübergehend ausgesetzt. Friedensnobelpreisträger Ex-IAEO-Chef Mohamed ElBaradei trifft in Kairo ein, um sich an die Spitze der Demonstranten zu stellen.

28. Jänner: Die Regierung kappt das Internet und die meisten Mobiltelefon-Verbindungen. Mehr als 100.000 Demonstranten fordern nun die Staatsmacht heraus. ElBaradei wird unter Hausarrest gestellt. Am Abend rückt das Militär in die Städte ein, Mubarak verhängt eine nächtliche Ausgangssperre. In einer Fernsehansprache kündigt er die Bildung einer neuen Regierung an.

29. Jänner: Zehntausende gehen auf die Straße. Mubarak bildet eine neue Führungsriege, in der Geheimdienst und Militär dominieren. Geheimdienstchef General Omar Suleiman wird Vizepräsident. Das Amt war seit 30 Jahren unbesetzt.

30. Jänner: Bei den Unruhen sind inzwischen mindestens 150 Menschen gestorben, Plünderer, Brandstifter und Räuber terrorisieren die Bevölkerung. Die ägyptischen Muslimbrüder fordern Mubaraks Rücktritt und rufen die Opposition zur Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit auf. ElBaradei schließt sich trotz Hausarrests den Demonstranten an.

31. Jänner: Mubarak fordert den neu ernannten Ministerpräsidenten Ahmad Shafiq auf, Reformen einzuleiten. US-Präsident Barack Obama ruft zu einem friedlichen Wandel in Ägypten auf.

1. Februar: Mit einem Aufruf zum "Marsch der Millionen" steuert der Machtkampf auf einen neuen Höhepunkt zu. Am Abend kündigt Mubarak den Verzicht auf eine weitere Amtszeit und damit seinen Abgang für September an. Gegen Mitternacht kommt es zu Straßenschlachten. Die UNO geht inzwischen von 300 Toten und 3000 Verletzten aus.

2. Februar: US-Präsident Obama fordert Mubarak in einem Telefonat auf, den geordneten Übergang seines Landes zur Demokratie nicht zu verzögern. Auf Kamelen und Pferden reiten Anhänger Mubaraks auf den Kairoer Tahrir-Platz und schlagen auf Demonstranten ein. Auch ausländische Journalisten werden attackiert. ElBaradei fordert die Armee auf, einzugreifen.

3. Februar: In den frühen Morgenstunden spitzt sich die Lage auf dem Tahrir-Platz dramatisch zu. Demonstranten werfen Molotow-Cocktails und Steine, es sind Maschinengewehr-Salven zu hören, Autos brennen. Weitere Menschen sterben.

4. Februar: Nach einem Bericht der "New York Times" diskutiert die US-Regierung mit ägyptischen Regierungsbeamten über einen sofortigen Rücktritt Mubaraks. In Brüssel fordern die EU-Staats- und Regierungschefs einen umgehenden Regierungswechsel.

5. Februar: Die "New York Times" berichtet, Mubarak könnte zur medizinischen Untersuchung nach Deutschland ausgeflogen werden, um ihm einen würdigen Weg aus der Krise zu ermöglichen. Hohe Funktionäre der regierenden Nationaldemokratischen Partei (NDP) geben ihre Ämter auf. Machthaber und Opposition suchen den Dialog.

8. Februar: Die USA verstärken den Druck: Gemeinsam mit der Opposition müsse Ägyptens Regierung eine Strategie für einen geordneten demokratischen Wandel entwickeln. Der Wandel müsse kommen, "je früher, desto besser", sagt UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon.

10. Februar: In Ägypten verdichten sich Hinweise auf einen baldigen Rücktritt Mubaraks. Für den Abend kündigte der Präsident eine Erklärung an. Zur Enttäuschung Zehntausender Demonstranten verweigert er erneut den Rücktritt, gibt lediglich einige Vollmachten an seinen Vize Omar Suleiman ab.

11. Februar: Immer mehr Menschen demonstrieren gegen Mubarak, die Protestwelle weiten sich auf das ganze Land aus. Am Nachmittag setzt sich Mubarak nach Sharm el-Sheikh ab, im Fernsehen wird später eine Erklärung des Präsidialamtes angekündigt. Am Abend verkündet Suleiman den Rücktritt Mubaraks und die Machtübernahme durch die Armee. (APA/dpa)

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