self-fulfilling prophecy

Wie Altersdiskriminierung funktioniert

11. Februar 2011, 17:24

Altersdiskriminierung betreffe nicht nur ältere Mitarbeiter, sondern auch die jungen - Sie enttarnt das Vorurteil des "unmotivierten Älteren" als selbsterfüllende Prophezeiung

Nicht selten verstellen Vorurteile den Blick auf Tatsachen - einmal abgesehen davon, dass man Vorurteile zudem schwer aus den Köpfen bringt. Wenn es aber gelingt eines - oder besser gleich mehrere - dieser festgesetzten Bilder zu entkräften, hält uns diese Tatsache (berechtigterweise) einen Spiegel vor, in Hinblick auf unseren Umgang mit Mitmenschen und Umfeldern.

Tanja Rabl von der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (Lehrstuhl für Personalwesen und Führungslehre) der Universität Bayreuth hat sich einem dieser Vorurteile, nämlich dem, dass ältere Arbeitnehmer unmotiviert seien, gewidmet - und es wissenschaftlich entkräftet.

Die Studie und somit auch die Herangehensweise an das Thema der Leistungsmotivation älterer Arbeitnehmer ist freilich weitaus komplexer, als an dieser Stelle zum Ausdruck gebracht werden kann, sie enttarnt aber im Grunde den Zugang allzu vieler und auch deren Umgang mit dem Thema ältere Mitarbeiter im Unternehmen als "self-fulfilling prophecy". Wie?

Der Grund, warum das Thema Alter in der Arbeitswelt noch immer mit vielen Vorurteilen behaftet sei, liege, sagt Rabl, darin, "dass wir Menschen unsere Wahrnehmung konstruieren". Von hervorstechenden Eigenschaften, die direkt beobachtbar sind - wie etwa das Alter - wird auf nicht objektiv und direkt beobachtbare Persönlichkeitsmerkmale - zum Beispiel Leistungsmotivation - geschlossen. Aus dieser Assoziationskette entwickelt man Stereotype, die sich schwer verändern lassen, so Rabl weiter. Mehr noch: "Alle Informationen, die diese stereotype Erwartung bestätigen, brennen sich in unser Gedächtnis ein und bestimmen infolge unsere Wahrnehmung."

Negativ-Spirale

Für ihre Studie befragten Rabl und ihre Kollegen 1.255 Arbeitnehmer in sechs großen deutschen Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Rund die Hälfte der Befragten waren im Alter zwischen 50 und 64 Jahren, die andere Hälfte lag vom Altersschnitt her zwischen 30 und 40 Jahren. "Wir haben geprüft, ob ältere Mitarbeiter mehr Furcht vor Misserfolg und weniger Hoffnung auf Erfolg haben als ihre jüngeren Kollegen." Wider ihre Erwartungen wurden keine bedeutsamen Zusammenhänge zwischen dem Alter und diesen Leistungsmotiven gefunden, so Rabl weiter.

"Älter zu sein ist - für sich genommen - demnach keine Ursache dafür, dass die Leistungsbereitschaft nachlässt und der Wille zum Erfolg erlahmt", sagt sie. Des Weiteren wurde untersucht, ob sich Altersdiskriminierung, die Mitarbeiter in ihrem Unternehmen erleben, auf die Leistungsmotive auswirkt. Der Befund, sagt Rabl, war interessant: "Vorurteile, ältere Mitarbeiter seien unmotiviert, können sich zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung entwickeln. Wenn ältere Mitarbeiter häufig mit diesem Vorurteil konfrontiert und daher benachteiligt oder geringgeschätzt werden, kann das dazu führen, dass sie beginnen, selbst an dieses Vorurteil zu glauben und an sich selbst und ihren Fähigkeiten zu zweifeln. Und dies wiederum bewirke, dass ältere Mitarbeiter Leistungssituationen meiden - aus Angst zu versagen, was wiederum potenzielle Vorurteile beim Arbeitgeber bestätigen könne, dass ältere Mitarbeiter unmotiviert seien. Hallo Negativ-Spirale!

Rabl betont, dass Altersdiskriminierung nicht nur ältere, sondern auch junge Mitarbeiter betreffen kann. Eine Eindämmung könne über die Etablierung einer benachteiligungsfreien Unternehmenskultur erreicht werden, sagt sie, über die Einführung von Gleichstellungsrichtlinien, über den Einsatz von Antidiskriminierungsbeauftragten oder über die Sensibilisierung von Führungskräften. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.2.2011)

Kommentar posten
17 Postings
cyber ferkel
03
14.2.2011, 08:14

Wenn man ansehen muß, wie junge oberflächliche Dampfplauderer Karriere machen, wundert mich jedenfalls nicht, wenn Ältere ihre Leistung auf's Niveau der Aufsteiger zurückschrauben.

trace route
02
14.2.2011, 05:43
Es wird endlich Zeif für GERICHTLIGE KLAGEN in Punkto Alters-Diskriminierung. Personaler gehören ja in my humble opinion erfahrungsgemä´g ohnehin zur eher dümmsten Gattung Manager: Diejenigen, welche nicht mal addieren und subtrahieren können, und...

somit keine Chance hätten auf einen Arbeitsplatz in der Wirtschaft, werden halt Personaler, da können sie ihren Vorurteilen freien Lauf lassen.

Zugegeben, wenn man den Job eines Personalers GUT machen möchte, dann wäre das schwierig, und auch wichtig: Talente zu erkennen, Chancen zu geben.

Doch all das ist selten der Fall. Meist gehen Personaler einfach nach Schema X vor. Blondkopferln die in Mindestzeit ein Studium absolviert haben weil sie blitzartig alles auswendig gelernt und ebenso schnell wieder vegessen haben, wird der rote Teppich ausgerollt. Gegen alle anderen wird diskriminiert

Es wird Zeit sich solche Fehlentscheidungen nicht mehr länger gefallen zu lassen. Schließlich entsteht durch Verdienstentgang ein finanzieller Schaden!

Erwin Wolfram
00
14.2.2011, 05:11

Man reserviert sich fuer die Alten das, was die Alten mit den Jungen machen und nennt es Forschung und wenn das ein Junger sagt wird man ehrenruehrig.

Pom-Bär
00
13.2.2011, 11:48

Wurde in der Arbeit eine These aufgestellt oder wurde sie auch belegt. Wenn sie belegt wurde, wie?

trace route
00
14.2.2011, 05:59
Zitat " Des Weiteren wurde untersucht, ob sich Altersdiskriminierung, die Mitarbeiter in ihrem Unternehmen erleben, auf die Leistungsmotive auswirkt. Der Befund, sagt Rabl, war interessant."

Offenbar war dieses Resultat "Studienteilnehmer erlebte Altersdiskriminierung, beeinträchtigte seine Motiviation" statistisch signifikant.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Im übrigen ist es klar, dass in einem Bericht über so eine Arbeit nicht sämtliche Details angeführt sein koennen. Dazu koennen Sie ja bei Interesse die Primärquelle heranziehen.

Pom-Bär
00
14.2.2011, 11:40

Na dann gratulier ich Ihnen zu Ihrer intellektuellen Überlegenheit.

Ist sicher ein schönes Gefühl.

trace route
00
15.2.2011, 07:21
Lesen zu koennen,...

... ist immer ein gutes Gefuehl.

Und noch besser ist das Gefuehl, wenn man das Gelesene auch so halbwegs versteht...

Mike Genser
10
13.2.2011, 07:08
Aua

Die Autorin hat also mittels Befragung etwas gesucht, nicht gefunden, und schließt daraus, daß es nicht existiert...solche Leute tragen dazu bei, daß die BWL das Image einer Pseudowissenschaft hat.
[Ach so, Uni Bayreuth - dieser helle Fixstern am Wissenschaftshimmel! :) ]

trace route
00
14.2.2011, 06:11
Hier mit ist belegt, dassSie persoenlich offenbar wenig Ahnung von Statistik haben. Natürlich ist es moeglich, aus NICHTFINDEN zu schließen dass etwas NICHT EXISITIERT. Nur bedarf es dazu halt ein bisschen mehr Kenntnisse der Statistik als im...

Statistik-Grundkurs für Anfänger vermittelt wird.

Ein Tip: Es geht hier um beta, den statistischen Fehler zweiter Ordnung, also um die Wahrscheinlichkeit dass eine Studie einen Unterschied NICHT FESTZUSTELLEN VERMAG, auch wenn dieser Unterschied tatsächlich besteht. Beta ist umso kleiner, je groeßer N ist und je groeßer der Effekt ist in Relation zur Varianz - falls ich Sie damit nicht bereits hoffnungslos überfordere.

In diese Studie wurden 1.255 Personen einbezogen (hohes N). Es laesst sich ein Unterschied angeben, den so eine Studie mit Wahrscheinlichkeit von 95% (Power = 1 - beta) entdecken müsste. Dies lässt umgekehrt die Aussage mit p<0.05 zu, dass ein Unterschied groeßer als dieser NICHT vorliegt.

Klaro?

Mike Genser
00
14.2.2011, 07:59
Keine Sorge,

es liegt nicht an meinen mangelnden Statistikkenntnissen (die sind auf Habilitationsniveau), sondern möglicherweise an Ihren mangelnden Wissenschaftstheoriekenntnissen...kleiner Tip: könnte doch sein, dass die Fragen, die gestellt wurden, nicht optimal geeignet waren, das Gesuchte zu finden. Wenn man dann nichts findet, ist das keine Frage von Statistik, sondern von "schlechten" Fragen. Falsifikation durch Nichtfinden...ganz großes Kino!

trace route
00
15.2.2011, 07:07
Die Statistik-Kenntnisse auf Habilitationsniveau nehme ich Ihnen nicht ab.

Es sei denn, Sie veroffentlichen hier eine Liste von Ihren Publikationen. Also, los geht's, tun Sie sich bitte keinen Zwang an. Ich werde mir erlauben, Ihnen nachher einige Frage zu stellen ueber Ihre eigenen Arbeiten, um zu verifizieren dass diese Arbeiten tatsaechlich von demjenigen stammen, der hier postet.

Im uebrigen brauchen Sie sich ueber meine Kenntnisse der Wissenschaftstheorie keine Sorgen zu machen. Ihr Posting hat eher den Eindruck erweckt, dass Sie auf dem Niveau eines Maturanten argumentieren, der gerade mal ein paar Zeilen Popper gelesen hat...

Mich wuerde vorerst mal interessieren, was fuer eine Aussage Ihrer Ansicht nach eine Studie mit Power 95% ermoeglicht, wenn kein Unterschied gefunden wurde?

WJM
00
13.2.2011, 19:11

Also aus dem Text geht hervor, dass in den Befragungsdaten zwischen Alter und Furcht vor Misserfolg bzw. Hoffnung auf Erfolg kein signifikanter Zusammenhang gefunden wurde. Die Schlussfolgerung "Älter zu sein ist - für sich genommen - demnach keine Ursache dafür, dass die Leistungsbereitschaft nachlässt und der Wille zum Erfolg erlahmt", ist dann zulässig (Wiederholungen etc. erforderlich), wenn Leistungsbereitschaft über Furcht vor Misserfolg bzw. Hoffnung auf Erfolg definiert werden.
Es ist doch naheliegender, die Existenz von etwas, was man nicht gefunden hat, in Frage zu stellen, als wenn man etwas gefunden hätte?

Anna Purna
 
01
13.2.2011, 01:11
Danke Heidi Aichinger,

dass du mir die Komplexität sowohl der Studie wie auch der Herangehensweise ersparst (mitsamt deiner Ausdrucksweise), indem du diese nicht an dieser Stelle zum Ausdruck bringst.
Aber wo sonst?

super web checker
00
12.2.2011, 20:29
Ältere sind also wirklich weniger motiviert?

Das ist doch jetzt das Ergebnis. Oder?
Self fulfiling prophecy und Negativspirale.

tignosa
00
12.2.2011, 15:58
Alrtersdiskriminierung gegen Junge?

Meinen Sie die ewig wiedergekäuten Stereotype, dass "die Jungen" blöd, faul, ungeschickt und desinteressiert seien? Oder die sich in jeder Generation wiederholende Klage, "die Jungen von heute" hätten "keine Manieren mehr" etc. Das Gejammere gab es schon im alten Rom.

Michael B
03
11.2.2011, 18:45
Auch nach zweimaligem sorgfältigen Lesen

ergibt sich aus diesem Artikel kein nachvollziehbarer Erkenntnisgewinn.
Vielleicht bin ich ja auch nur zu alt....

Cerberus303
00
11.2.2011, 18:31
gähn...

... ich mein, gut, dass es zur Sprache kommt. Aber hätte die gute ein bisschen Systemtheorie gelesen, wüsste sie das schon seit - hm - 20 Jahren oder so?

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