Die Suche nach mehr Sinn und Spaß

11. Februar 2011, 17:19
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Dass Aussteigen nicht unbedingt die Hängematte unter Palmen sein muss, bewiesen zwei Briten mit ihrer Plattform "Escape the City"

Sie mögen zu den besten Absolventen Ihres Jahrgangs gehören, auf Anhieb schaffen Sie den Berufseinstieg in namhafte Unternehmen, gutes Gehalt und berufliche Weiterentwicklung inklusive. Eine erfolgreiche Karriere scheint vorgezeichnet. Trotzdem bleiben Sie womöglich unzufrieden und auf der Suche nach einer erfüllenderen Aufgabe.

Zwei, die sich in einer solchen Situation wiederfanden, sind Dom Jackman und Rob Symington. Für den lukrativen Job in einer Unternehmensberatung in der Londoner City fehlte schon bald die Begeisterung. "Wir wollten nicht unser weiteres Berufsleben in großen Unternehmen, aber mit wenig Handlungsspielraum verbringen", erklärt Dom Jackman. Und offenbar teilten Jackman und Symington diesen Ansatz mit vielen anderen - wie sich herausstellen sollte. Aus einer einfachen Google-Recherche entwickelte sich eine Geschäftsidee. Im März 2010 ging die Plattform Escape the City online. Ursprünglich als Blog gedacht, wo die beiden ihren Ausstieg aus der City dokumentieren wollten, zählt die Plattform mittlerweile über 20.000 Mitglieder. Eine genaue Zahl über erfolgreiche Aussteiger können die beiden zwar nicht nennen, aber es dürften schon an die 200 sein, so die Schätzung von Jackman.

Flucht muss geplant sein

Da sind zum Beispiel Freddie, der Bilanzbuchhalter war und seine Begeisterung für die Weinerzeugung entdeckte, oder Catharina, die im Search Marketing bei Yahoo arbeitete und nun als Illustratorin neu begonnen hat, und Brett, der Finanzanalyst in Seattle war, bevor er im Bereich erneuerbarer Energien in Nicaragua zu arbeiten begann. Auf der Plattform sind viele diese Erfolgsgeschichten der "Heroes" nachzulesen, und diese geben gerne Rat, wie der Ausstieg gelingen kann.

"Mit dieser Plattform wollen wir junge Menschen ermutigen und ihnen beim Finden interessanter und inspirierender neuer Aufgabe helfen", erklärt Jackman. Neben dem Erfahrungsaustausch gibt es professionelles Coaching und auch interessante Jobangebote. Mittlerweile haben die beiden dadurch auch für sich einen Fulltime-Job, den sie mit aller Leidenschaft erfüllen, gefunden.

"Das Aufgeben der finanziellen Sicherheit war beim Ausstieg nicht das Problem", sagt Jackman. Schwieriger war da schon der Umstieg von geregelten Arbeitszeiten zur totalen Flexibilität. Vor diesem Schritt habe er schon sparsam gelebt und Geld auf die Seite gelegt. "Die Flucht aus der City muss gut vorbereitet sein", sagt er. Sein Rat: Zuerst müsse man sich klar werden, was einen interessiert, und dann sämtliche Informationskanäle nutzen und den Austausch mit Gleichgesinnten suchen. So komme man am besten auf neue Ideen. "Der tatsächliche Start bleibt trotzdem das Schwierigste", gibt Jackman zu. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.2.2011)

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  • Zurück zum Start: Rod Symington und Dom Jackman flohen als erfolgreiche Unternehmensberater von der Londoner City in den Keller von Jackmans Elternhaus, um dort den Job ihrer Träume zu finden.
    foto: standard/www.escapethecity.org

    Zurück zum Start: Rod Symington und Dom Jackman flohen als erfolgreiche Unternehmensberater von der Londoner City in den Keller von Jackmans Elternhaus, um dort den Job ihrer Träume zu finden.

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