Die Chronik (k)eines Rücktritts: Mubaraks Rede in den Medien

Sabine Bürger, 13. Februar 2011, 11:00
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    foto: derstandard.at/bürger

    Mit Mubaraks Entscheidung hatten die "Oberösterreichischen Nachrichten" Donnerstagabend nicht gerechnet.

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Tageszeitungen, die in der Freitagsausgabe voreilig von Jubel und Rückzug berichteten und ein ORF, der bei der Ansprache des ägyptischen Präsidenten eine Werbepause einlegte - Update: Statement des ORF

Das Drama um den angekündigten und doch nicht vollzogenen Rücktritt von Ägyptens Präsident Hosni Mubarak begann am Donnerstag um 16.15 Uhr, als Reuters die Meldung vom möglichen Rücktritt ausschickte. derStandard.at entschied sich für Live-Updates, nützte die Vorteile von Online und veröffentlichte keinen fertigen Artikel, sondern einen, der versuchte, mit den aktuellen Entwicklungen Schritt zu halten. Journalismus als "permanent content beta" nennt das die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel.

Eine Möglichkeit, die Tageszeitungen nicht haben. Die "Oberösterreichischen Nachrichten" lehnten sich zu weit hinaus und machten die Freitagsausgabe mit der Schlagzeile "Millionen Ägypter jubeln über Mubaraks Rückzug" auf. Das "Neue Volksblatt" sah die "Ägypter im Freudentaumel". Die "Salzburger Nachrichten" ließen das ägyptische Volk im Blatt jubeln, auch auf der Titelseite gab man sich zurückhaltender und weniger aktuell ("Mubarak vor Rücktritt").

Nicht gerade rühmlich auch die Entscheidung des ORF, gegen Ende der lang erwarteten Rede Mubaraks einen Werbeblock zu zeigen. Axel Maireder nennt das in einem Blogeintrag, den auch das Medienwatchblog Kobuk verbreitete, "einem öffentlich-rechtlichem Sender zutiefst unwürdig". Dabei hatte sich der Küniglberg in den vergangenen Tagen mit seinem Korrespondenten Karim El-Gawhary besonders positiv hervorgetan. Spätestens für die Werbung gab es auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ein #fail, auch von der Simultanübersetzung des ORF war man hier enttäuscht.

Laut ORF standen hinter dem Werbeblock "logistische Überlegungen", nämlich das "enge Zeitkorsett" zwischen "Sonder-ZiB" und "ZiB 2", die auch 3sat übernimmt. "'Sonder-ZiB' und 'ZiB 2' kommen aus dem gleichen Studio und somit muss das Studio kurz umgebaut werden", erklärt der ORF gegenüber etat.at. "Mit anderer Moderatorin, anderen Studiogästen, anderer Mannschaft, braucht man immer einen kleinen Puffer dazwischen. Diese Studioadaption geschah während der gebuchten Werbefläche."

Was die Simultanübersetzung betrifft, macht der ORF "technische Umstände" geltend und entschuldigt sich in dem Schreiben dafür. ORF-Chefredakteur Fritz Dittlbacher erkärt: "Aufgrund technischer Probleme mit der Tonleitung nach Ägypten kam es gestern zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Übertragung der Rede des ägyptischen Staatspräsidenten Hosni Mubarak. Der ORF-Vertragspartner Al Jazeera unterlegte die Rede mit der Geräuschkulisse des Tahrir-Platzes, um den arabischen Zusehern ein möglichst authentisches Bild von der Reaktion der Demonstranten zu geben. Der Simultandolmetsch des ORF konnte daher den Ausführungen Mubaraks nur schwer folgen - ein Problem, das die deutschen Sender nicht hatten, da sie Ton und Bild direkt vom ägyptischen Staatsfernsehen bezogen."

Viele aus der Twitter-Community dürften da schon zu den deutschen TV-Sendern gezappt haben. (Die ORF-Medienforschung ermittelte keine "auffälligen Umschaltungen".) Gut aufgehoben war man jedenfalls beim ZDF. Dem Übersetzer konnte man leichter folgen und Claus Klebers Einordnung der Rede war top. Eine souveräne Leistung, urteilte Meedia.

Auf Twitter überbrückte man das Warten auf die Rede Mubaraks mit dem Hashtag #reasonsmubarakislate: "I'm aiming for an Oscar for the best suspense movie", "He's changing his Facebook relationship status to "it's complicated" oder "He can't just leave his presidential farmville!". Und die hoffnungsvollen Tweets, den Diktator zu deinstallieren ("Uninstalling dictator ... 99% complete"), wurden nach der Rede adaptiert: "Error 404 Freedom not Found".

Update

Freitag, 17.05 Uhr, jubelt Ägypten tatsächlich. Mubarak tritt zurück und übergibt die Macht dem Militär, die aktuellen Ereignisse auf derStandard.at/International. Da war die Abendausgabe der "Kronen Zeitung" wohl schon in Druck, das Blatt titelt "Militärs stehen hinter Mubarak", siehe Bild links. Die Schlagzeile war übrigens Samstagnachmittag noch auf Wiener Citychannel-Flächen zu lesen. Womit machen die "Oberösterreichischen Nachrichten" ihre Wochenendausgabe auf? Ganz korrekt mit "Demonstranten erzwingen den Rücktritt Mubaraks".

Mit Infos hat sich indes der ORF in Sachen "Sonder-ZiB" und Simultanübersetzung gemeldet, die Reaktion sowie eine Erklärung von ORF-Chefredakteur Fritz Dittlbacher siehe oben.

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20 Postings
Rigglerobber
00
14.2.2011, 14:56

Mein Verdacht ist ja der: Der ORF hat sich Al Jazeera/englisch angeschaut und die dort englisch synchronisierte arabische Rede ins Deutsche übersetzt - also zwei Sprachbarrieren dazwischengeschaltet, kein Wunder, dass da ein Blödsinn rauskommt.

Da Chigurh Toni
01
13.2.2011, 22:10
@ standard

eigenlob stinkt!

Thomas Zehetbauer
 
03
12.2.2011, 14:14
Al Jazeera

Ich habe mich in den letzten Wochen viel auf Al Jazeera über die Lage in Ägypten informiert. Die haben zwar keinen Informationsauftrag, erfüllen diesen aber dafür. Die Rede von Mubarak war trotz der Geräuschkulisse von Tahrir Platz ausgezeichnet verständlich. Ebenso die späteren Stellungnahmen von UN Generalsekretär Ban Ki-Moon und US-Präsident Barack Obama. Aber was sollen österreichische Politiker schon sagen, Mubarak jetzt noch für seine Reformen zu loben wie es Fischer vor kurzem noch getan hat, wäre in höchstem Maße unangebracht. http://www.hostmaster.org/aegypten_... ht_stellen

120 Jahre Karl Schranz
00
12.2.2011, 12:03
ah, das haben also leute unwichtiges auf twitter geschrieben...

KLAMB
01
12.2.2011, 10:37
Simultanübersetzung

Also das mit den Hintergrundgeräuschen halte ich für eine billige Ausrede. Die Simultanübersetzung am ZDF war um ein vielfaches besser, gar kein Vergleich! Der Übersetzer wirkte nicht nur viel routinierter, er hatte im Gegensatz zu seinem österreichischen Kollegen auch das entsprechende Vokabular (Verfassungsreformkommission usw.) abrufbar.

franzauer
55
12.2.2011, 09:50
ORF Versager

Typisch für die (linken) Versager im ORF: Wichtig ist, dass Herr Dittelbacher sich und seine Frau gut versorgt, dass beide letztlich Versager sind, können wir vor allem in fordernden Situationen sehen, wie etwa vorgestern. Weiter so, dann werden endlich die Privaten die präpotenten ORF Heinis übertrumpfen, Servus..

test -
11
12.2.2011, 14:57

tummeln sie sich kommunikativ eigentlich immer unter der gürtellinie? von wegen präpotent ...

und was hat eine schlechte übersetzung mit politischer ausrichtung zu tun?

bezeichnen sie auch ein joghurt, das ihnen nicht schmeckt, als links? vielleicht als linkslinks? oder einen verpäteten bus als grün, auch wenn er gleb ist? oder, gott möge abhüten, eine durchgebrannte glühbirne als kommunistisch?
hauptsächlich, die welt bleibt übersichtlich, gell?

Yhoshi
23
12.2.2011, 09:16

derstandard macht sich gern über andere zeitungen lustig...
selbst ist er auch nicht besser.

G. B. Corner
00
12.2.2011, 16:02

Ja, am betreffenden Tag war die Standard-Titelseite genauso peinlich (beim Frühstück lese ich gerne auf Papier). Die Tiroler Tageszeitung hatte korrekte Artikel, nur so zum Vergleich :)

Brötchen aufs Pfötchen
03
11.2.2011, 19:17
ORF. What else?

Der namentlich nicht erwähnte Simultan-Übersetzer klang so, als wäre er als Passant 15 Minuten vorher auf der Straße angeworben worden. Von den anwesenden Journalisten konnte auch keiner arabisch und die aufgezeichnete Rede kam ja ganz plötzlich nach 60 Minuten Ankündigungen.

mulligan1
00
13.2.2011, 18:30
ich habe von diesem "simultan-übersetzer" vor allem folgendes gehört:

"ich werde" - "ich werde" - "ich werde" -
aber was mubarak hier ankündigte, blieb uns dieser sprachexperte leider schuldig......

a las barricadas
05
11.2.2011, 18:59
die krone schlagzeile ist geil

milität steht hinter mubarak -> wer zu spät kommt, den straft die geschichte.

Frank der Grosse
04
12.2.2011, 07:45

Ok, wer sagts dem Faymann, dass es schon vorbei ist?

erkelteter tiger
011
11.2.2011, 20:42
wer die krone liest,

den hat da leben schon bestraft

5tfg984
 
02
11.2.2011, 17:49

die simultan übersetzung der rede im orf war wirklich schlecht, da kam kaum ein sinvoller oder gar fertiger satz.

schweinebucht
01
11.2.2011, 16:32
Leider war in den Augen vieler

der größte #fail des ORF den 2. Bergdoktor zu streichen. zum weinen!

paperdoll
00
11.2.2011, 16:30

Auch die OÖ-Krone lehnte sich zu weit aus dem Fenster: http://bit.ly/hRUpTw

ehschowissn3
02
11.2.2011, 18:25
bei der oö-krone egal

hauptsache das nächste stadtfest kommt. oder sonst ein humptata, wo sich der chefredakteur produzieren kann

Tom Schaffer
00
11.2.2011, 16:35

ich habs selbst nicht gesehen, aber in der steiermark angeblich auch.

ehschowissn3
01
11.2.2011, 16:15
ganz super, lieber stand*ard, ganz super

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