Bildungsvolksbegehren mit halbherzigem Bekenntnis zur "gemeinsamen Schule"

11. Februar 2011, 16:57
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Unterschiedliche Interpretation - Walser: "Deutliches Zeichen für eine gemeinsame Schule" - Androsch:"Man soll viele Blumen blühen lassen"

Der Forderungskatalog der Initiatoren des Bildungsvolksbegehrens wurde bereits vergangene Woche präsentiert. Nun musste der Text auf rund sechzig Wörter gekürzt werden, damit er auf den Unterschriftenformularen Platz findet. Ein langes Hin und Her war die Folge. Jetzt hat man sich aber geeinigt und die Kurzversion liegt vor. Der genaue Text lautet wie folgt:

"Wir fordern mittels Bundes(verfassungs)gesetzlicher Regelung ein faires, effizientes und weltoffenes Bildungssystem, das so früh wie möglich alle Begabungen des Kindes fördert und Schwächen ausgleicht, autonome Schulen ohne Parteieneinfluss, eine leistungsdifferenzierte, hochwertige gemeinsame Schule bis zum Ende der Schulpflicht und ein Angebot von ganztägigen Bildungseinrichtungen, eine Aufwertung des LehrerInnen-Berufs und die stetige Erhöhung der staatlichen Finanzierung für UNIS auf 2 Prozent des BIP bis 2020."

Kommende Woche sollen die Unterstützungserklärungen gedruckt und anschließend an alle österreichischen Gemeindeämter und Magistrate ausgeliefert werden. Danach beginnt offiziell österreichweit die Sammlung der Unterstützungserklärungen.

Das Wort "leistungsdifferenziert" wurde derStandard.at-Informationen zufolge noch sehr kurzfristig eingebaut. Ohne diesen Zusatz wäre das Bekenntnis zu einer gemeinsamen Schule bis zum Ende der Schulpflicht deutlich klarer ausgefallen.

Die Grünen sehen sich dennoch bestätigt. Sie hätten bis zuletzt darum gerungen, dass die gemeinsame Schule bis zur Ende der Schulpflicht festgeschrieben wird, sagt Bildungssprecher Harald Walser im Gespräch mit derStandard.at. "Das ist ein deutliches Zeichen für eine gemeinsame Schule und gegen die Betonier-Blockade-Politik", freut er sich. Die Grünen werden das Volksbegehren unterschreiben, hält Walser fest. 

Anders interpretiert es hingegen mittlerweile Hannes Androsch. Der Initiator des Volksbegehren will in der Formulierung nicht das Verlangen nach einer Gesamtschule erkennen. "Es muss weiter Wahlmöglichkeiten geben. Man soll viele Blumen blühen lassen", so Androsch in einem Gespräch mit dem Kurier. Geht es nach Androsch, so müsse es keinen einheitlichen Schultyp für Kinder unter 14 Jahren geben. Der Industrielle ärgert sich vielmehr über die "lächerliche Fixation auf Formulierungen". Es gehe beim Volksbegehren schlicht um die Verbesserung des heimischen Bildungssystems. (rwh, derStandard.at, 11.2.2011)

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