Wie Innsbruck zu seinem "Chili Kebap" kam

11. Februar 2011, 12:59
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Für Innsbrucker NachtschwärmerInnen ist "Chili Kebap" ein bewährter Fast-Food-Rettungsanker.

Wer schon mal in Frankreich gelebt hat, weiß Bescheid um den größten Nachteil der "Grande Nation": Es sind nicht die Streiks oder die Bürokratie, nein, es ist die Unmöglichkeit Kebap deutscher, türkischer bzw. österreichischer Qualität zu finden. Womöglich liegt das an der Geschichte des Döner Kebap: Angeblich wurde er, in der in Österreich und Deutschland verbreiteten Version mit Salat und Joghurtsauce, von türkischen Gastarbeitern in Berlin-Kreuzberg erfunden. In Frankreich wird Kebap oft zusammen mit anderen empfehlenswerten nordafrikanischen oder libanesischen Speisen angeboten und erreicht nicht die gleiche Bedeutung in der nationalen Fast-Food-Kultur wie hierzulande. Für jemanden, der also österreichischen Kebap-Standard gewöhnt ist, fällt die Umstellung auf französische Kebap-Qualität sehr schwer. Für jemanden, der Innsbrucker Kebap-Qualität gewöhnt ist, fällt diese Umstellung noch schwerer.

Standortfakor

In Innsbruck ist der (un)umstrittene Kebap-König strategisch klug zwischen dem Tempel der alternativen Studenten "Treibhaus" und dem Dance-Club "Night Live" gelegen. Hier bietet Ali Rifat Kilic, Betreiber des "Chili Kebap" bis tief in die Nacht den - wie viele Fans bestätigen - besten Kebap der Stadt an.

Familienunternehmen

Kilic ist vor allem stolz darauf ein sehr gemischtes Publikum bedienen zu können. "Vom Anwalt zum Bauarbeiter, vom Zehnjährigen zum Siebzigjährigen kommen alle zu uns zum Essen. Und alle bekommen denselben Kebap!" Hinter der Theke stehen Sohn, Schwiegertochter, Mutter und Ehefrau und verleihen der kleinen Gastronomiekette den Charme eines Familienunternehmens.

Nachdem das erste Lokal im Jahr 2006 eröffnet wurde, expandierte man bald. Nun findet sich ein zweites „Chili Kebap" gegenüber des Innsbrucker Hauptbahnhofes. Ali Rifat Kilic wählte für seine Mini-Kette Innsbruck, weil „hier eine Marktlücke bestand: Es gab viel Pizza und Spaghetti, aber wenig anderes". Heute besitzt Kilic neben seinen zwei Kebaplokalen auch noch das Restaurant „Celis". Es liegt nur Schritte entfernt vom Ur-„Chili Kebap" und bietet für Studenten montags ein Buffet um fünf Euro an. Als persönlichen Speisetipp empfiehlt Kilic Speisen aus gehacktem Kalbfleisch wie Adanakebap oder Ali Nazik.

Liebe zum Job

Rifat Kilic kam 1980 nach Osttirol und war zunächst bei einer Baufirma beschäftigt. Später wechselte er in ein Reinigungsunternehmen. Nach einigen Jahren entschied Kilic selbstständig zu werden und bereut diese Entscheidung bis heute nicht: „Ich liebe meinen Job! Es gefällt mir, dass wir sowohl Österreicher als auch Türken bedienen, wobei die Österreicher schon die größere Gruppe sind." Was ihm in Innsbruck am besten gefällt, ist, dass die Leute sehr fleißig arbeiten und dass vieles rascher und unbürokratischer funktioniert als in der Türkei. Andererseits fehlt ihm die türkische Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Vor allem unter Nachbarn ist die fehlende Nähe für ihn spürbar: „Die Nachbarschaft hier ist zum Vergessen", meint Kilic mit kritischer Miene.

Unique selling proposition: Sauce

Das Geheimnis seines Erfolges sieht der aus der nordöstlichen türkischen Provinz Kars stammende Unternehmer in den Kebap-Saucen. Es gibt vier verschiedene Saucen, deren Zusammensetzung nur er und seine Frau kennen. "Wir haben Chili Kebap sogar patentieren lassen". Ein zweites Firmengeheimnis ist die Zahl der täglich verkauften Kebaps. Auf der Wand des Imbisses findet sich lediglich ein Plakat mit der Angabe, dass in "Deutschland täglich fünf Millionen Portionen (Dürüm Döner) über die Theke gehen".

Meinungsverschiedenheiten

"Chili Kebap" ist in Innsbruck nicht unumstritten. InnsbruckerInnen diskutieren auf der Straße sowie in Internetforen gerne darüber, ob es unhygienisch ist, das Fladenbrot auf der Glastheke auszubreiten, auf der oftmals auch Euro-Münzen zur Bezahlung landen. Außerdem funktioniert der telefonische und online-Bestellservice angeblich nicht immer. Was bei den (Hygiene-)Diskussionen oftmals unberücksichtigt bleibt ist allerdings die Tatsache, dass „Chili Kebap" nicht vorgibt mehr zu sein als ein authentisches Kebaplokal. Wer mehr will, der kann die paar Schritte zu "Celis" gehen. (Willi Kozanek, 11. Februar 2011, daStandard.at)

 

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    Genauso wie die hauseigene Sauce, ist die Zahl der täglich verkauften Kebaps ein gut gehütetes Firmengeheimnis,

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    Die Familie Kilic.

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