Auseinander genommene Feminität

11. Februar 2011, 11:38
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Neo-Burlesque zur "Entnaturalisierung von Weiblichkeit" - Einzelausstellung der Otto Mauer Preisträgerin Katrina Daschner

Wien - Die erste Einzelausstellung von Otto Mauer Preisträgerin Katrina Daschner in der Galerie Krobath sieht aus wie ein Burlesque-Theater nach der Show. Oder kurz davor. "Man ist als Besucher schon genau zur richtigen Zeit dort", so Daschner, "und bespielt die Bühnensituation sicherlich individuell". Nicht wenige BesucherInnen haben gefragt, wann es denn mit der Vorstellung losgeht, erzählt Galerist Peter Krobath. Und haben bei der Vernissage die Kinder übervorsichtigerweise zu Hause gelassen.

Denn die Schau bleibt trotz der Messer, die fest im Saum der Drehbühne stecken und trotz des verheißungsvollen schwarzen Glittervorhanges durchaus jugendfrei: "Hinter dem Vorhang ist nur mein Büro", lacht Krobath. Und die Spirale, an der sich eine Frau als Zielscheibe für den Messerwerfer im Kreis drehen sollte, bleibt unbelebt. Nicht, dass Daschner nicht auch schon oft leibhaftig auf der Bühne gestanden wäre: Die gebürtige Hamburgerin, die von der Schneiderei und Kostümbildnerei am Theater kommt, hat im brut regelmäßig zu queeren Neo-Burlesque-Abenden geladen und auch ihre filmischen Arbeiten der Auseinandersetzung mit dieser feministisch orientierten Wiederbelebung des Burlesque-Genres gewidmet.

Femininität wird auseinander genommen

"Die (queere) Neo-Burlesque, so wie ich sie begreife, trägt auf sehr unterhaltsame Weise zu einer Entnaturalisierung von Weiblichkeit bei. Weiblichkeit und Femininität werden auseinandergenommen, Femininität als Konstruktion beschrieben und auch neu bewertet - Codes umgedeutet", erklärt die Künstlerin, die in jedem ihrer Medien theatrale Settings und Handlungen sucht. Für die Rauminstallation "Dolores", die in den Kunsthallen von Krems und Wien zu sehen war, hat sie Nabokovs "Lolita" neu inszeniert (das Mädchen verliebt sich in eine andere junge Frau), in der Filmtrilogie "Hafenperlen" (2008), "Aria de Mustang" (2009) und "Flaming Flamingos" (2010) spielt sie mit der konsequenten sexuellen Aufladung von Räumen, Bühnen und Gesten.

Queerer Chor

Aus den Filmen in die Ausstellung - die passend "Flamingo Massacre" heißt - wurde auch der queere Chor mitgebracht, der im Filmgeschehen ähnlich einem altgriechischen Chor die Handlung vorantreibt, sie beginnt und beschließt. In der Galerie kommentiert er als Fotografie, auf der die Chormitglieder in einer sich umarmenden Schlange stehen und ihre Gesichter von langen Perücken verdecken lassen, die Bühnensituation: Sie sind selbst von ihr ab- und einander zugewandt. "Hier werden Erwartungshaltungen erzeugt - und bewusst enttäuscht", so Krobath, der die Zusammenarbeit mit Daschner knapp vor dem Otto Mauer Preis begonnen hatte. "Seither ist das Interesse natürlich sehr gestiegen", so der Galerist. Für Daschner ist die Auszeichnung und das "geschenkte Geld" eine "schmeichlerische Sache". Käuflich zu erwerben sind natürlich auch die Ausstellungsstücke: Die Fotografie gibt es für 3.800 Euro, 6.000 Euro soll der Vorhang kosten, 17.000 die Drehbühne. Die Ausstellung ist noch bis zum 5. März zu sehen. (APA)

Info

"Katrina Daschner: Flamingo Massacre", bis 5. März, Di bis Fr 13 bis 18 Uhr, Sa 11 bis 15 Uhr, Galerie Krobath, Eschenbachgasse 9, 1010 Wien

Link

Galerie Krobath

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    foto: katrina daschner and krobath wien/berlin

    Katrina Daschner, Flamingo Massacre, 2011

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