Neue ORF eins-Nachrichtenchefin legt Wert auf Storytelling

11. Februar 2011, 10:52
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Vospernik will ernsthafte Information "ohne pseudojunges Publikum und pseudojunge Themen" bieten

 Die neue Chefin der Nachrichten auf ORF eins, Cornelia Vospernik, legt bei den ihr überantworteten Informationssendungen vor allem Wert auf "Storytelling". "Gerade in der ZiB 24 ist es wichtig, dass wir uns überlegen, wie wir Geschichten erzählen", sagte die bisherige ORF-China-Korrespondentin. Sie pocht auf ernsthafte Information "ohne pseudojunges Publikum und pseudojunge Themen".

Als "kreative Spielwiese" sieht Vospernik in der ORF eins-Infoschiene vor allem die Mitternachts-ZiB: "Die ZiB 24 wird eine der Sendungen sein, bei der ich schon jedem Gestalter zurufe, sich auszuleben", sagte die Nachrichtenchefin. Für Vospernik ist die ZiB 24 gleichzeitig eine der anspruchsvollsten TV-Nachrichtenausgaben des ORF, wie sie sagte. "Die Sendung ist genauso anstrengend wie eine ZiB 2, denn das ist eine Sendung mit Live-Elementen wie Studiogästen und Zuschaltungen." Die Moderatoren machen ihren Job aus Sicht Vosperniks jedenfalls "wirklich gut". "Das sind Menschen, die um Mitternacht noch topfit sind, um Nachrichten zu vermitteln."

Die sprichwörtliche Nachrichten- und Politikverdrossenheit der jüngeren Seherschicht, die ORF eins ja bedienen will, fürchtet sie nicht. "Ich glaube nicht, dass sich junge Leute nicht für Information interessieren." Der Abwendung der jungen Generation begegne man, "indem man Fernsehen so spannend wie möglich und so gut wie möglich macht". Außerdem gebe es bei aller Konkurrenz aus dem Internet immer noch "klassische Fernsehereignisse, wo Fernsehen nach wie vor das stärkere Medium ist". Zuletzt etwa die Revolution in Ägypten, wo der ORF eine "grandiose Leistung" geboten habe.

Auslandsbüros

Wert legt Vospernik jedenfalls auf die ORF-Auslandsbüros: "Wenn wir in der 'ZiB 20' einen 50-Sekünder aus dem Ausland haben, achte ich darauf, dass dieser sehr wohl von unseren Korrespondenten gemacht sind. Das gibt einer Geschichte auch ein bestimmtes Gewicht."

Die Akzeptanz der ORF eins-Nachrichtensendungen sei in der TV-Inforiege sehr gut, so Vospernik. "Ich habe überhaupt nicht das Gefühl, in der Debatte mit den Kollegen als 'Einserschiene' abgetan zu werden." Außerdem sende man mit der ZiB 24 die letzte Sendung des Tages.

Den Ansatz, für ein dezidiert junges Publikum auch mehr "Soft News" aus Society- und Tratschwelt zu bringen, verfolgt Vospernik nicht. "Allerdings ist es auch wichtig, dass eine Nachrichtensendung versöhnlich endet."

Allfällige Pläne für neue Sendungen will die neue ORF eins-Nachrichtenchefin noch nicht öffentlich kundtun, sondern zunächst einmal intern besprechen, wie sie sagte. Große Neuerungen hat sie entsprechend noch keine zu verkünden, abgesehen von einer Personalie: Mit Claudia Unterweger holt sie wie berichtet ein neues Moderatorengesicht zu den "ZiB-Flashes". Unterweger, die derzeit bei FM4 arbeitet, wird Ende Februar ihre Moderationen beginnen.

Und was hat Vospernik in vier Jahren als Leiterin des ORF-Büros Peking für den täglichen Job in der Zentrale mitnehmen können? "Ich habe in China vor allem eines gelernt, dass oft viel mehr machbar ist, als man sich auf den ersten Blick vorstellt. Für Annäherungen an Geschichten a la 'Das gelingt uns sicher nicht' habe ich kein Verständnis mehr." (APA)

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