"Ich bin nigelnagelneu": Edelbordell im Zwielicht

9. Februar 2011, 18:04
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Mutmaßliche Menschenhändler locken Frauen mit falschen Versprechungen - Eine "Schauplatz"-Reportage, Freitag, 21.20 Uhr, legt undurchsichtige Verbindungen zwischen dem Wiener "Babylon" und Menschenhandel frei

Nina war angeblich 17, als Menschenhändler sie ins "Babylon" brachten. Versprochen waren Fotoshootings: "Wir mussten gleich beginnen zu arbeiten. Ich hatte furchtbare Angst." Eine Geschichte über Menschenhandel in der Ukraine? Thailand? Kuba? In Wien, in bester Lage soll sich das Schicksal des rumänischen Mädchens ereignet haben.

Nach Medienberichten über kriminelle Praktiken von Modelagenturen in Rumänien stieß Schauplatz-Redakteurin Christine Grabner auf die Wiener Connection. Mutmaßliche Menschenhändler sollen Frauen mit falschen Versprechungen in Bordelle gelockt haben, unter anderem auch ins "Edelbordell" an der Wiener Seilerstätte. Die Interviews mit Nina sind nachgesprochen. Vor laufender Kamera wollte die Rumänin nicht sprechen. "Sie ist traumatisiert", sagt Heidi Lackner vom Schauplatz-Team. Lackner vertritt Schauplatz-Chef Christian Schüller, der derzeit sein Büro in Istanbul einrichtet. Sie gilt als aussichtsreichste Kandidatin für dessen Nachfolge ab April.

Prostituierte als Engel

"Ich bin Nina. Ich bin nigelnagelneu", waren die Sätze, die sie dem ahnungslosen Mädchen beigebracht hatten. Der Pass war schnell weg. Ein Stammfreier kaufte sie schließlich frei.

Das "Babylon" hat Filialen in Salzburg und Kärnten, von prominenten Besuchern wird berichtet. Die Reportage zeigt ein Promovideo, auf dem sich die Prostituierten als Engel räkeln. Am Wiener Flughafen warb das Etablissement offenbar noch bis vor kurzem auf Plakat. In Wien gibt es jährlich 7000 Opfer von Frauenhandel.

Grabner fuhr zwei Tage nach Rumänien und befragte einen ehemaligen Mitarbeiter der Modelagentur. In Slobozia wird den Besitzern der Prozess gemacht. Es ist ein öffentlicher Skandal, in den ranghohe Politiker verwickelt sind. Stellung nehmen wollte vom "Babylon" niemand: "Interviewansuchen wurden nicht beantwortet", erzählt Lackner. So gab es auch keine Drehgenehmigungen: "Am Ende kam der Brief einer Anwaltskanzlei." Darin wertet das "Babylon" Ninas Aussage als "unrichtig". Im Betrieb des "Babylon" haben "zu keinem Zeitpunkt minderjährige Personen die Prostitution ausgeübt" oder seien dazu gezwungen worden, betonen die Anwälte. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 10.2.2011)

TV-Hinweis
"Am Schauplatz"-Reportage "Endstation Bordell": Freitag, 21.20 Uhr, ORF 2

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  • Statt Fotoshooting wartete Prostitution: Kriminelle Praktiken einer Modelagentur zeigt die "Schauplatz"-Reportage "Endstation Bordell".
    foto: orf

    Statt Fotoshooting wartete Prostitution: Kriminelle Praktiken einer Modelagentur zeigt die "Schauplatz"-Reportage "Endstation Bordell".

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