Freitagmittag in Kairo: der Tahrir-Platz beginnt sich zu füllen
foto: ap/dapd/tara todras-whitehill
Demonstranten auf dem Tahrir-Platz bekamen Mubaraks Rücktritt
Demonstranten jubeln in ganz Ägypten - Armee verspricht Ende des Ausnahmezustandes und Wahlen, nennt aber keinen konkreten Termin - Chef der Regierungspartei ebenfalls zurückgetreten - ElBaradei: "Schönster Tag meines Lebens" - USA und EU begrüßen Machtwechsel
Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak tritt nach
Angaben seines Stellvertreters zurück. Im Fernsehen wurde am Freitag mitgeteilt,
ein Militärrat werde die Amtsgeschäfte übernehmen. Landesweit sind am Freitag wieder mehr als eine Million Menschen gegen Präsident Mubarak auf die Straße gegangen. Allein im Stadtzentrum von Kairo versammelten sich auf dem Tahrir-Platz, vor dem Präsidentenpalast und vor dem Staatsfernsehen mehrere hunderttausend Menschen. Mubarak selbst soll Gerüchten zufolge mit seiner Familie Kairo verlassen haben und traf laut arabischem Nachrichtensender al-Arabiya in Sharm el-Sheikh am Roten Meer ein, wo er eine Ferienvilla hat.
Live-Updates:
21:26 - Im Iran und im Libanon ist die
Entmachtung des ägyptischen Staatschefs Hosni Mubarak am Freitag als
"historischer Sieg" gefeiert worden. Der iranische Außenminister Ali
Akbar Salehi gratulierte am Abend dem ägyptischen Volk zu dessen
"Sieg". Er rief zugleich die ägyptische Armee auf, die demokratische
Oppositionsbewegung zu unterstützen. Zuvor hatte Präsident Mahmoud
Ahmadinejad erklärt, nach dem Fall Mubaraks werde es einen "neuen"
Nahen Osten geben, wo weder die USA noch der Zionismus (gemeint ist
Israel) Platz haben würden.
21:22 - Die Regierung Jordaniens sprach am Freitag vom Vertrauen, welches sie in die ägyptische Armee stecke. "Die Streitkräfte werden die große Verantwortung meistern und sind fähig, den Staat in eine neue Phase zu führen. So kann Ägypten wieder eine zentrale Rolle in der Region spielen."
21:16 - Barack Obama wandte sich in einer Rede an die Bevölkerung und sprach über Ägypten: "Die USA waren und sind ein Freund Ägyptens." Die USA sind bereit beim Demokratisierungsprozess zu helfen. Die Ägypter hätten klar gemacht, dass "nichts außer Demokratie" für sie in Frage käme. "Die Ägypter haben uns inspiriert."
21:10 - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mahnte
schnelle Reformen in Ägypten an.
"Der Abgang eines Mannes ist nicht das Ende. Das
Unterdrückungssystem, unter dem die Ägypter seit drei Jahrzehnten
leiden, besteht fort wie auch der Ausnahmezustand", erklärte der
Generalsekretär der Organisation, Salil Shetty, am Freitag in einer
Mitteilung. Systematische Verletzungen der Menschenrechte in Ägypten
müssten nun aber der Vergangenheit angehören.
20:54 - Russland rechnet mit einer Stabilisierung der Lage in
Kairo. "Wir gehen davon aus, dass die ägyptischen Behörden das
Funktionieren der Staatsorgane gewährleisten können und auch die
Opposition Bereitschaft zur Stabilisierung der Situation zeigt",
sagte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag nach Angaben der Agentur
Interfax. Moskau hatte die internationale Gemeinschaft in den
vergangenen Tagen wiederholt davor gewarnt, das Geschehen in Ägypten
von außen zu beeinflussen. Mubarak unterhielt lange Zeit gute
Beziehungen zu Russland, wo er in den 1960er Jahren eine
Bomberpilotenausbildung erhalten hatte.
20:53 - Die NATO hat den Rücktritt des ägyptischen
Präsidenten Hosni Mubaraks begrüßt. "Auf Dauer kann keine
Gesellschaft den Willen des Volkes außer Acht lassen", sagte
Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Freitagabend in Brüssel.
"Demokratie ist viel mehr als nur der Mehrheitsgrundsatz - es ist
auch der Respekt vor der persönlichen Freiheit, vor Minderheiten, den
Menschenrechten und der Rechtsstaatlichkeit." Das Land spiele in der
Region eine Schlüsselrolle. "Ich bin überzeugt, dass Ägypten auch
weiter eine Kraft für Stabilität und Sicherheit sein wird."
20:49 - Der ägyptische Armeechef und Verteidigungsminister Mohamed Hussein Tantawi besucht die jubelnden Demonstranten am Gelände des Präsidentenpalastes.
20:48 - In einem Telefonat am Donnerstag sprach Ex-Präsident Husni Mubarak mit dem früheren israelischen Minister Binyamin Ben-Eliezer. Der erzählte dem israelischen Fernsehen, wie Mubarak im Gespräch mit ihm die USA niedermachte: "Sie reden zwar über Demokratie. In Wahrheit wissen sie aber gar nicht, wovon sie da eigentlich sprechen. Ihre Position wird zu Extremismus und einem radikalen Islam führen."
20:41 - In einer Ansichtssache haben wir einige beeindruckende Bilder von jubelnden Ägyptern zusammengefasst.
20:34 - Die Huffington Post braucht nur ein einziges Wort, um die heutigen Ereignisse zusammenzufassen: "Gestürzt!"
20:19 - Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat den
Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak als "mutig und
notwendig" begrüßt und von einem "historischen Moment" gesprochen.
Sarkozy äußerte am Freitagabend die Hoffnung, dass die neue
ägyptische Führung "freie und durchsichtige Wahlen" organisieren und
den Aufbau von "demokratischen Institutionen" erlauben werde.
20:18 - In der Fernseherklärung hat der Oberste Militärrat die Übernahme der Macht bestätigt. Zugleich
versicherte ein Sprecher, dass das Oberkommando der Streitkräfte den
Willen des Volkes erfüllen wolle. Die
Legitimität der Maßnahmen der neuen Staatsführung hänge von der
Zustimmung des Volkes ab.
20:16 - Liste der Österreichischen Politiker, die das ganze skeptischer sehen: Der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer ("Die westlichen Jubelperser übersehen, dass damit die
Chance für die Machtübernahme der Muslimbruderschaft relativ hoch" sei). Ex-Verteidigungsminister und BZÖ-Abgeordneter Herbert Scheibner würdigte hingegen die Rolle des Militärs. Vor allem Verteidigungsminister Tantawi sei ein "umsichtiger und fähiger Militär".
20:14 - Liste der Österreichischen Politiker, die dem ägyptischen Volk zum Rücktritt Husni Mubaraks gratuliert haben: Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Werner Faymann, Außenminister Michael Spindelegger, ÖVP-Nationalratsabgeordnete und Ex-Außenministerin Ursula Plassnik, die Europasprecherin der Grünen Ulrike Lunacek, der Bildungsbeauftragte der Stadt Wien und Nationalratsabgeordnete Alexander van der Bellen.
20:00 - Der 11. Feber, ein denkwürdiges Datum: Am 11. Feber 1979 wurde der iranische Premierminister Schapur Bachtiar gestürzt, am 11. Feber 1990 wurde Nelson Mandela aus der Haft entlassen.
19:50 - Ein Blick in eine andere Welt: Für Fox News ist die ägyptische Revolution "der größte Event seit dem Sieg in Irak".
19:46 - Ein Statement von Barack Obama wird für 21 Uhr MEZ angekündigt.
19:34 - Bald werden vom höchsten Führungsgremium der Armee weitere Maßnahmen verkündet, wie die Übergangsphase verlaufen wird. "Mubarak ist im Interesse der Nation zurückgetreten", sagte der Sprecher.
19:30 - Die Armee gab vor kurzem das dritte Statement ab: "Es ist ein großer Moment für das Land." Das oberste Gremium der Streitkräfte bedankt sich bei Ex-Präsident Mubarak für seine Leistungen. Gleichzeitig salutierte der der Sprecher vor den Opfern, die die Revolution gekostet habe.
19:24 - Die Nachricht, dass nun das Militär die Führung des Landes
übernimmt, stieß auch auf Kritik. "Wir lieben die Arme, aber es ist
das Volk, das diese Revolution geführt hat und das diese jetzt auch
kontrollieren muss", sagte eine 24-Jährige auf dem zentralen
Tahrir-Platz.
19:23 - Der Oberkommandierende der ägyptischen
Streitkräfte und neue Machthaber Mohammed Hussein Tantawi hat am
Freitagabend vor dem Präsidentenpalast in Kairo feiernde
Demonstranten begrüßt. Die Regimegegner bejubelten dort den Rücktritt
des Präsidenten Hosni Mubarak, der die Macht an die Militärführung
übertragen hat. Tantawi ist Verteidigungsminister und Vorsitzender
des Obersten Militärrates, der von Mubarak die Macht übernommen hat.
Die Regierung soll vom Militärrat entlassen und das Parlament
aufgelöst werden.
19:22 - Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-Moon, mischt mit ihm Chor der Jubelnden. Er ruft ebenfalls zu freien, fairen und glaubwürdigen Wahlen auf.
19:17 - US-Präsident Barack Obama verschiebt seine für 19.30 Uhr MEZ geplante Rede, er wird sich später zu Wort melden.
19:15 - Momente des Jubels.
19:13 - Die Hamas begrüßt Mubaraks Rücktritt. Es sei nun an der Zeit, die Blockade zum Gaza-Streifen zu beenden.
Der Kandidat der Muslimbruderschaft, Mohamed Morsi, liegt nach ersten Ergebnissen bei der ersten Runde der Präsidentenwahlen vorne, dicht gefolgt vom letzten Premier Hosni Mubaraks, Ahmed Shafik.
In Ägypten beginnt am 23. Mai die Wahl des ersten Staatspräsidenten seit dem erzwungenen Rücktritt des Langzeit-Machthabers Hosni Mubarak im Februar 2011 - Rund ein Dutzend Kandidaten kämpfen um das höchste Amt im Staat
sowohl von den Ägyptern als auch vom Militär, dass diese Demonstration so friedlich beendet wurde! Nebenbei die beste Marketingaktion für das Land. Der Westen sollte jetzt zur Stabilisierung und als sichtbares Zeichen die Wirtschaft unterstützen, damit sich die Lebenssituation vieler Ägypter rasch verbessert.
Die iranische Regierung gratuliert dem Volk. Gleichzeitig sperren sie im eigenen Land Oppositionelle ein und sperren Internetzugänge. Egal, welche sonderbaren Aktionen dieser Regierung noch einfallen: die Welt und die Iraner wissen Bescheid. Die einzige Möglichkeit ihren Hintern noch zu retten, wäre, den Iranern auch sofort die Freiheit zu geben!
Schönes Zahlenmuster; die Zahlensumme beträgt 8 (!), was auch der Anzahl der Ziffern entspricht; 8 ist bekanntlich eine Zahl, die in der IT eine wichtige Rolle spielt, als "Byte", was auch im Zusammenhang mit Twitter, Facebook, etc., die alle irgendwie einen Beitrag als Medien leisteten, gesehen werden kann...
....und noch ein bissi Wochenend-Esoterik obendrauf
mit dem Begriff "Umsturz" fällt diese "Acht", somit ergibt sich eine Lemniskate. Diese ist ein Symbol des Neubeginns (im christlichen Sinn das achteckige Taufbecken). Im Abendland steht sie für "Erneuerung oder Ebenenwechsel". Bei den Buddhisten: "Loslösen vom Leiden durch den 8fachen Weg": Die Beispiele mögen als Analogie genügen.
Liebes Ägypten: Nach dem Diktator ist vor dem Diktator
In so manchem südamerikanischen Land, werden Dikatoren nachdem Sie sich die Taschen vollgestopft und die Bevölkerung verarmen ließen, mehrmals wiedergewählt. Die Logik dahinter: Der hat schon geplündert und ein fettes Konto. Man hofft also, das es nicht mehr so schlimm wird.
weil so viel von heuchelei weiter unten die rede war:
iran gratuliert wortreich, siehe oben. gleichzeitig lesen wir in bbc online:
Iranian opposition leader Mehdi Karroubi has been put under house arrest, his website says, after he called for a rally in support of Egypt and Tunisia's popular uprisings.
So sehr ich mich für Ägypten freue, aber bis jetzt ist im Wesentlichen nur der greise Diktator abgetreten, der sowieso aus Altersgründen bald abgetreten wäre.
Wirklich freuen würde ich mich über faire, freie Wahlen.
Ägypten ist seit gestern also eine Militärdiktatur. Alle Genossen Mubaraks sind an der Macht. Das Volk hat keinen Gegenkandidaten. Es existiert keine Opposition. Es ist überhaupt keine Revolution im Sinne des Begriffs, höchstens eine Massensdemonstration ohne Richtung, die nun wieder aufgelöst wird.
an allen schalthebeln, in den ämtern und zig anderen positionen sitzen nach wie vor die gleichen korrupten schreibtischtäter. die halten jetzt eine weile schön still, bloß nicht auffallen, warten ab wer sich an der spitze des landes neu etabliert. ist das erst geschehen werden diese netzwerke nach und nach wieder aktiv und betreiben ihre geschäfte von erpressung, schmiergeldern, geldwäsche, begünstigung etc. weiter als wäre nichts gewesen.
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