Der große Nato-Wanderpokal

11. Februar 2011, 12:42
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    foto: ap/ctk/greenpeace

    Greenpeace-Protest gegen das US-Radar, das damals noch im tschechischen Brdy geplant war

Die geplante Radaranlage für das geplante Raketenabwehrsystem der Nato (vormals Raketenabwehrsystem der USA) soll nun statt in der Türkei im benachbarten Georgien aufgestellt werden, weil sich die Türken so anstellen. Meinen zumindest vier republikanische US-Senatoren und haben Verteidigungsminister Robert Gates einen Brief geschrieben. Georgien also. Liegt neben Aserbaidschan, und Freunde des Wo-kommt-unser-Raketenabwehrsystem-hin-Spiels wissen: Da war es schon einmal 2007, am Anfang der Debatte, als der damalige russische Präsident - heutige Regierungschef, nächster Präsident - Wladimir Putin den Amerikanern anbot, sie könnten doch gemeinsam in der außerordentlich großen Radarstation Gabala, die die russische Armee in Aserbaidschan unterhält, auf den Schirm schauen und anfliegende Raketen aus dem Iran oder Nordkorea beobachten.

Die Wahrheit ist: Das geplante Raketenabwehrsystem ist ein billiger Wanderpokal, da können gelehrte Militärstrategen noch so ächzen. Rekapitulieren wir: Polen und die Tschechische Republik hatten als erste die Ereigniskarte gezogen und sollten Schild und Schwert des Abwehrsystems sein. Ein tschechisches Dorf bekäme die Radaranlage, ein polnischer Militärstützpunkt zehn Abfangraketen. Die baltischen Staaten meckerten zuerst ein wenig, weil sie auch lieber etwas von der Hardware gehabt hätten als sicheren Beweis der amerikanischen Bündnistreue gegen den russischen Nachbarn, der ihnen stets kalt ins Genick bläst. Als das vorbei war, stellten sich die Polen an. Raketenschild ja, aber nur bei Gratis-Aufrüstung der polnischen Luftstreitkräfte durch die USA. Dann stimmten die Bewohner des Dorfes Trokavec in Tschechien tapfer gegen ihr Radar. Dann war der amerikanische Raketenpräsident weg. Und dann verordnete der Neue im Weißen Haus auch noch eine Denkpause.

Als wieder gedacht werden durfte - so gegen Ende 2009 -, war das Raketenabwehrsystem weiter in den Süden gezogen. Rumänien und Bulgarien bewarben sich um Raketen und Radar, doch zwei, drei Nato-Ratstagungen später fanden die meisten im Bündnis diese Idee nicht mehr gut. Also wieder einpacken und auspacken. Beim Nato-Gipfel in Lissabon im November 2010 ging es nur noch um die Türkei als Stationierungsort für das vorderste Radar des Raketenabwehrsystems; die Abfangraketen waren mittlerweile ins Mittelmeer verschoben worden, auf Schiffe der US-Marine. Die türkische Regierung tat ganz überrascht, dass sie mit dem Wunsch konfrontiert worden war. Tatsächlich war die Idee schon ein Jahr lang mit der türkischen Seite diskutiert worden. Beim Gipfel in Lissabon erreichte die türkische Führung, dass der Name "Iran" nicht im Zusammenhang mit dem Abwehrsystem fiel, mit Rücksicht auf die ausgewogenen Beziehungen, die Ankara mit seinen Nachbarn unterhalten möchte. In einem weiteren Punkt scheiterte sie (Kommandogewalt über die Radaranlage und die Aktivierung des Abfangsystems), ein anderer blieb irgendwie offen (keine Weitergabe der Radardaten an Israel). Deshalb also lieber Georgien.

Drei Faktoren haben die Wandergeschichte des Raketenabwehrsystems gesteuert: Zweifel an der technischen Machbarkeit des Schilds, die Meinungsunterschiede innerhalb der Nato über den Sinn des Systems, schließlich die Spannungen mit Russland, das sich ausgegrenzt und ausgeforscht fühlt, sollten Abfangraketen und Radar tatsächlich einmal stationiert werden. Georgien, das einen Krieg gegen Russland hinter sich hat, wäre also nicht eben die beste Adresse für das Raketenabwehrsystem. Eher die Garantie für einen neuen Kalten Krieg. Aber das wissen die US-Republikaner, die Georgiens Präsidenten Michail Saakaschwili immer schon unterstützt haben, am besten.

    • Markus Beys Blog
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      Markus Bey

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      Markus Bey

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    • Markus Beys Blog
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      Markus Bey

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    • Markus Beys Blog
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      Markus Bey

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    • Markus Beys Blog
      12.4.2012, 22:17
      Markus Bey

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Sindjelic
01
13.2.2011, 13:52
Mal nebenbei....

dieses Target-Symbol von Greenpeace,hier bezeichnet als Wanderpokal, ging 1999 um die Welt,als viele serbische Zivilisten sich dieses Zeichen an die eigenen Körper hängten, als sie z.B. die Belgrader Branko-Brücke Tag und Nacht vor der NATO-Agression mit den eigenen Leben schützen wollten.
Kurze Zeit später gab es leider keine Bilder mehr,weil die NATO mal eben das serbische Staatsfernsehen(Meinungsfreiheit) zerbombt hat, die Brücke hat allerdings überlebt!!
Da dieses Target-Symbol immer noch eine starke Anti-Kriegs bzw. NATO Einstellung dokumentiert,werden die Serben bestimmt keine urheberrechtlichen Klagen einreichen...schon komisch,alles vergeht irgendwie, aber die Macht der Symbole scheint zeitlos zu sein!!

Jo eh...
31
11.2.2011, 18:52

Natürlich wäre es eine Provokation Russlands als Standort Georgien auszuwählen. Aber mir persönlich ist Saakaschwili deutlich lieber als Putin, er ist IMHO ein weit weniger gefährlicher Politiker. Auch die Europäer täten gut daran jene Osteuropäer, Kaukasier und Zentralasiaten zu unterstützen die sich gegen den Kreml zur Wehr setzen. Im Moment punkten dort die USA und die Türkei groß und die EU steht wieder einmal tatenlos da und unterstützt weiterhin das autoritäre Kreml-Regime.

TimuCin Askari
 
15
11.2.2011, 15:24
Schöner Artikel

aber wir müssen uns mal eine ganz grundlegende Frage stellen: Ist es wirklich so viel wahrscheinlicher, dass iranische Atomraketen plötzlich gen Europa gefeuert werden als sagen wir israelische gen Osten?

Die iranische Führung mag unsympathisch sein, aber sie ist nicht irrational, lediglich die hiesige Propaganda will uns das glauben machen...

Sun Zi der II
00
11.2.2011, 14:11
Greenpeace GEGEN Radar?

Häh..irgendwie versteh ich den Zusammenhang nicht.

zimbo
 
11
11.2.2011, 14:55
1971 als Friedensorganisation gegründet.

Daher wahrscheinlich die Bedrohung Rußlands, und die damit verbundnen Aufrüstung, kein großes Anliegen.

mehmetali erbil
11
11.2.2011, 14:01
Man sollte diesen Raketenschild

im Iran aufstellen.

STJ911.org
110
11.2.2011, 12:02

genial geschrieben

Voll in die Kaldaunen!
01
12.2.2011, 22:18
"Dann stimmten

die Bewohner des Dorfes Trokavec in Tschechien tapfer gegen ihr Radar...". Feine Ironie. Da kommt fast der Schwejk durch!
http://www.youtube.com/watch?v=rPLvTFzq08A

zimbo
 
17
11.2.2011, 11:37
die sollen das in Washington aufstellen, wo die Bedrohung der Menschen am nächsten ist.

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