Mehrere US-Staaten fordern Betäubungsmittel Thiopental für Exekutionen

11. Februar 2011, 08:45
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Justizministerium in Washington prüft Anfrage - Stoff wird in USA nicht mehr produziert

Insgesamt 13 US-Staaten haben die US-Regierung um eine Belieferung mit dem für Hinrichtungen genutzten Betäubungsmittel Thiopental gebeten. Das Justizministerium in Washington habe ein entsprechendes Schreiben erhalten, bestätigte eine Sprecherin am Donnerstag (Ortszeit) gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die Anfrage nach dem in den USA derzeit nicht produzierten Stoff werde geprüft, fügte sie hinzu. Thiopental wird bei Hinrichtungen eingesetzt, um Todeskandidaten zu betäuben, bevor ihnen zwei weitere Injektionen mit tödlichen Giften verabreicht werden.

Über das Mittel gibt es seit Wochen Streit, weil der Stoff nach der Einstellung der inländischen Produktion Ende Jänner zum Teil importiert wurde, wogegen mehrere Todeskandidaten Klagen einreichten. Die Kläger werfen der Arzneimittelbehörde FDA vor, mehrere US-Staaten nicht daran gehindert zu haben, das Mittel aus Europa zu importieren.

Tiroler Pharmafirma verteidigt Herstellung

In Österreich hat am Donnerstag die zum Schweizer Novartis-Konzern gehörende "Sandoz GmbH" im Tiroler Kundl die Herstellung von Thiopental verteidigt - derStandard.at berichtete. Es handle sich um ein von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als "essential drug" klassifiziertes Arzneimittel. Alle Niederlassungen mit einer lokal zugelassenen Vermarktungserlaubnis für Sodium Thiopental seien angewiesen, das Produkt nicht in die USA zu exportieren oder zu verkaufen, hieß es in der Stellungnahme. Ein Sprecher von Gesundheitsminister Alois Stöger erklärte am Donnerstag: "Wir sind strikt gegen die Todesstrafe." Arzneimittel dürften nur zur Behandlung von Patienten eingesetzt werden.

Das Mittel werde auch nicht an Großhändler oder Drittkunden ausgeliefert, die es wiederum an die USA verkaufen könnten, hieß es in der Stellungnahme des Unternehmens. Sandoz vermarkte injizierbares Thiopental in 50 Ländern weltweit, allerdings nicht in den USA und in Großbritannien.

In Deutschland hatte Gesundheitsminister Philipp Rösler Ende Jänner an deutsche Pharmafirmen appelliert, kein Thiopental in die USA zu liefern. (APA)

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