GTK+3.0: Neue Toolkit-Generation veröffentlicht

11. Februar 2011, 11:04
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Bruch mit alten Technologien - Neues Theming-API - Cairo für alle Zeichenaufgaben zuständig - Basis für GNOME 3.0

Den noch vergangenen Sommer anvisierten Termin Ende 2010 konnte man schlussendlich zwar nicht halten, nun ist es aber soweit: Mit GTK+ 3.0 hat das dahinter stehende Open-Source-Projekt eine neue Generation der eigenen Software zum Download gestellt.

Aufräumen

Im Zentrum steht dabei der Bruch mit veralteten Technologien: GTK+ 3.0 entfernt zahlreiche in der 2.x-Serie über die Jahre als "deprecated" markierte Funktionen aus dem Toolkit, womit man die Code-Basis einerseits wieder leichter wartbar machen will, aber auch die Basis für künftige Innovationen legt. Damit einher geht natürlich, dass nach Jahren der API/ABI-Stabilität bestehend GTK+-Anwendungen zum ersten Mal wieder angepasst werden müssen, sollen sie mit GTK+3 zusammenarbeiten. Angesichts dessen, dass man hier - in weiten Teilen - schon länger vorbereiteten Wegen folgt, sollte dies für die meisten Programme allerdings keine all zu große Hürde darstellen. Zudem bietet man eine Migrations-Anleitung an, die bei der Anpassung der eigenen Anwendungen helfen soll.

CSS-Theming

Parallel dazu hat man dem Toolkit aber auch gleich so manch neue Funktion angedeihen lassen: So gibt es etwa ein vollständig neues Theming-API, das eine CSS-Syntax verwendet und so das Erstellen von GTK+-Themes erheblich erleichtern soll. Zudem verspricht man Verbesserung beim Umgang mit Eingabegeräten, dank XI2-Unterstützung werden nun etwa mehrere Mäuse und Keyboards gleichzeitig unterstützt. Auch das Geometrie-Management soll nun mit "height-to-width"-Support flexibler geworden sein.

Backends

Vor allem für die Zukunft wichtig: GTK+3 unterstützt mehrere Backends für GDK, was etwa die native Unterstützung von Mac OS X  aber auch die Migration auf den potentiellen X-Server-Nachfolger Wayland erleichtern soll. Der wichtigste interne Umbau des Toolkits betrifft wohl die Zeichenfunktionen, diese nutzen nun ausschließlich direkt die 2D-Grafik-Bibliothek Cairo anstatt der "antiken" X11-Drawing-APIs. Ein weiterer Neuzugang ist GtkApplication, ein API, das beispielsweise dazu genutzt werden kann, um sicherzustellen, dass nur eine Instanz eines Programms gestartet wird.

Download

GTK+ 3.0 steht ab sofort in Form des Source Codes von der Seite des Projekts zum Download. Die Software lässt sich parallel zu GTK+2.x installieren, was den schleichenden Umstieg auf die neue Toolkit-Generation erleichtern soll. Das Toolkit ist ursprünglich rund um die Bildbearbeitung GIMP entstanden, und bildet seit Jahren die Basis für den Linux-Desktop GNOME. In den kommenden Wochen will man sich denn auch vor allem weiteren Stabilitätsarbeiten widmen, um im Laufe der laufende Vorbereitung von GNOME 3.0 auftauchende Probleme zu beseitigen. (apo, derStandard.at, 11.02.11)

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