ElBaradei warnt: "Ägypten explodiert"

11. Februar 2011, 06:20
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Landesweite Proteste - Opposition erwartet bis zu 20 Millionen Demonstranten

Die Fernsehansprache von Präsident Hosni Mubarak hat den Zorn der Ägypter nur weiter angestachelt. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera in der Nacht zum Freitag berichtete, kam es überall im Land zu Protestkundgebungen, da sich Mubarak weiter weigert, als Präsident zurückzutreten. Enttäuscht, dass Mubarak nur Teile der Amtsgeschäfte an seinen Vizepräsidenten Omar Suleiman abgibt, aber nicht offiziell zurückgetreten ist, gingen die Demonstrationen Freitagfrüh unvermindert weiter.

Auf dem Tahrir-Platz in Kairo, dem Zentrum der Demokratiebewegung, waren immer noch Zehntausende Demonstranten. Tausende standen vor dem Präsidentenpalast und dem Gebäude des staatlichen Rundfunks und Fernsehens. Viele fühlen sich von Mubarak, der seit 30 Jahren an der Macht ist, verraten. Für Freitag riefen die Regimegegner zu neuen Massenprotesten auf. Die Opposition erwartet bis zu 20 Millionen Demonstranten in ganz Ägypten. Suleiman rief die Unzufriedenen auf, nach Hause und wieder an die Arbeit zu gehen.

"Ägypten explodiert"

Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei befürchtete, dass "Ägypten explodiert. Die Armee muss das Land jetzt retten", forderte er via Kurzmitteilungsdienst Twitter. Ägypten werde weder Mubarak noch Suleiman akzeptieren, sagte er dem US-Sender CNN. "Sie sind Zwillinge." Keiner von beiden sei für das Volk akzeptierbar. Es sei an der Armee, in den kommenden Stunden für Ruhe zu sorgen. Die Menschen hätten es immer für ausgemacht gehalten, dass das Militär an ihrer Seite stehe. Falls die Armee nicht Partei für das Volk ergreife, dann, glaube er, gebe es größere Zusammenstöße "zwischen der Armee und dem Volk".

Obama übt scharfe Kritik

US-Präsident Barack Obama hat nach der Rede Mubaraks seine Kritik am Vorgehen der Regierung in Kairo verschärft. Die Führung des Landes sei noch nicht ausreichend auf die Forderungen des Volkes eingegangen, erklärte Obama am Donnerstag nach einem Treffen mit seinen nationalen Sicherheitsberatern. Es sei bisher nicht erkennbar, dass der Machtübergang "sofort, entscheidend oder ausreichend" begonnen habe.

Er rief die Regierung in Kairo zu Klarheit darüber auf, welche Veränderungen sie bereits eingeleitet habe. "Die ägyptische Regierung muss einen glaubwürdigen und konkreten Weg zur Demokratie anbieten", sagte Obama. Sie habe die Gelegenheiten dazu bisher verstreichen lassen. Der US-Präsident verlangte ein Ende des Ausnahmezustands und breit angelegte Gespräche zwischen Regierung und Opposition über die Zukunft des Landes. Zugleich warnte er die Konfliktparteien vor "Unterdrückung und Gewalt". (APA)

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