Schockierter Abdullah stellt sich hinter Mubarak

10. Februar 2011, 18:50
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König Abdullah von Saudi-Arabien ist schockiert, wie schnell die USA ihren Verbündeten Hosni Mubarak fallenließen - Er will einspringen, falls Washington seine Finanzhilfe für Ägypten einstellt

Riad/Wien - Saudi-Arabien würde einspringen, wenn die USA Ägypten die Finanzhilfe entziehen, weil Kairo die Reformwünsche der USA nicht erfüllt: König Abdullah von Saudi-Arabien soll dies laut der britischen Times US-Präsident Barack Obama bereits Ende Jänner in einem Telefongespräch mitgeteilt haben. Abdullah sei schockiert darüber, wie die USA seinen persönlichen Freund Hosni Mubarak - mit dem er täglich telefonieren soll - demütigen und einen wichtigen Alliierten in der Region einfach fallen lassen.

Der saudische König mag sich fragen, ob ihm das selbst auch passieren kann. Neben Mubarak ist er der wichtigste arabische Verbündete. Im Königreich hat es auch vereinzelt Proteste nach ägyptisch-tunesischem Muster gegeben. Ein erzwungener Abgang des ägyptischen Präsidenten würde alle arabischen Potentaten erschüttern - wobei König Abdullah eine ausländische Hand in der ägyptischen Revolte sieht. Diese Argumentation hat Mubarak zwar nicht von ihm übernommen, aber er ließ sich in der Überzeugung bestärken, nicht auf "Diktat von außen" - von den USA - zu hören.

Es muss Abdullah zutiefst zuwider sein, wie das iranische Regime - und die schiitische libanesische Hisbollah - über die Unruhen in den arabischen Ländern jubelt. Saudi-Arabiens schiitischer Bevölkerungsanteil macht etwa dreißig Prozent aus und steht als mögliches Rebellionspotenzial unter Generalverdacht, wenn sie auch jetzt brav stillhalten.

Falsche Todesnachricht

Folgerichtig war es am Donnerstag auch eine schiitische Website, die die Nachricht lancierte, dass König Abdullah nach einem weiteren Telefonat mit Obama am Mittwoch zusammengebrochen und an einem Herzinfarkt verstorben sei. Die Dementi folgten umgehend. Der Außenminister, Prinz Saud al-Faisal - selbst nicht bei bester Gesundheit -, versicherte am Mittwoch, dem 87-jährigen König gehe es bestens.

König Abdullah hält sich zurzeit in Marokko auf, zur Rehabilitation nach einer Wirbelsäulenoperation in New York Ende vorigen Jahres. Zwar war sein Zustand angeblich nie lebensbedrohlich, dennoch war es interessant zu sehen, wie nach seiner Abreise in die USA viele Mitglieder des Königshauses, die irgendwie eine Rolle bei der Nachfolge im wahhabitischen Königreich spielen könnten, aus dem Ausland nach Saudi-Arabien zurückkehrten.

Denn Kronprinz Sultan, nur unwesentlich jünger als sein Bruder, der König, ist seit Jahren schwer krebskrank - nach menschlichem Ermessen sollte Abdullah ihn überleben. Die Ernennung von Innenminister Prinz Nayef (77) zum zweiten Vizepremier wurde 2009 deshalb als mögliche Weichenstellung durch den König zugunsten Nayefs gesehen.

Ein anderer Teil der Familie verlangte jedoch eine Klarstellung, dass das nicht der Fall sei: Nayef, ein Halbbruder Abdullahs ist ein Stockkonservativer, viel weniger reformfreudig als Abdullah. Er hat sich etwa vehement gegen Wahlen oder gegen eine Beteiligung von Frauen am öffentlichen Leben ausgesprochen. Außerdem gibt es seit 2006 einen Familienrat, der bei der Kronprinzenfrage mitreden soll. Noch machen es die Söhne von Staatsgründer Abdulaziz Al Saud unter sich aus, aber irgendwann wird der Sprung in die nächste Generation stattfinden. (Gudrun Harrer, STANDARD-Printausgabe, 11.02.2011)

 

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