Demokratie entwickeln

10. Februar 2011, 18:36
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Statt auf Hochegger und seinesgleichen zu schimpfen, sollte man sich dessen strategische Erfahrung im Positionieren zunutze machen

Es ist das alte Lied: Das Genie gilt nichts in diesem Lande. Jetzt hacken alle auf Peter Hochegger und seiner Lobbyistengang herum, und keiner von denen, die sich beschweren, dass seit zwei Jahren nichts weitergeht, bedenkt, wo Österreich heute stehen könnte, wären nur die Früchte seiner Arbeit zum Tragen gekommen. Wo in der Regierung ist heute ein "kreativer, lösungsorienterter, entscheidungsstarker Gestalter der österreichischen Politik" ? Wo gar ein "Robin Hood" ? Hochegger hat dieses demokratiepolitische Desiderat schon vor Jahren klar erkannt und in der Lichtgestalt von FPÖ-Minister Mathias Reichhold zu realisieren versucht. Um die läppische Summe von 197.760 Euro könnte Reichhold noch heute in der Position sein, in der er "den Kontakt mit Bürgern sucht und pflegt" , indem er den Reichen nimmt und den Armen gibt. Hocheggers Schuld war es nicht, dass sich der edle Räuber dem ihm auf den Kärntner Leib geschneiderten "Ideenkonzept" zu seiner Positionierung nach einem Jahr nicht mehr gewachsen fühlte.

An seinem "Ideenkonzept" lag es nicht, weshalb Andeutungen, Hochegger könnte zu Unrecht kassiert haben - oder gar eine Forderung "Geld zurück!" - nur von Neid der Jagdgesellschaft zeugen. Auch sein "Ideenkonzept" zur Positionierung von Minister Hubert Gorbach als "wirtschaftskompetent, entscheidungsstark, kommunikativ und lösungsorientiert" zeugt von seinem genialen Gespür für echte Begabung. Es lag nur an der bedrückenden Enge im too small country, dass Gorbach diese Skills später der Wahlbeobachtung in Weißrussland weihen musste. Er kann es damit aber noch bis zum Wahlbeobachter in Kasachstan bringen, wenn Gusenbauer mithilft.

Auch dass ein Rundfunk- und Telekom-Regulator ohne ein "Ideenkonzept" zu seiner Positionierung aus dem Ideenvorrat Hocheggers nicht ordentlich regulieren kann, liegt auf der Hand. Dafür sind ein paar Millionen nicht hinausgeschmissen. Er reguliert schließlich in einem Bereich, in dem man einen Auftrag zur "Beratung und Analyse im Zusammenhang mit der Akquisition von Unternehmen im Festnetzbereich" nur einem Waffenexperten vom Format eines Mennsdorff-Pouilly anvertrauen kann. Dass die Telekom den schottischen Jagdausflug, den sie Österreichs künftigem Oberprivatisierer Markus Beyrer mit 21.800 Euro sponserte, gleich über Hochegger abrechnete, lag nahe - irgendwie musste er doch die 25 Millionen abarbeiten, die er von der Telekom erhielt.

Nein, statt auf Hochegger und seinesgleichen zu schimpfen, sollte man sich dessen strategische Erfahrung im Positionieren zunutze machen. Diese Regierung bräuchte ihn dringend, und vielleicht gewährt er ja nach den Summen, die er unter einem Kanzler Schüssel und einem Finanzminister Grasser kassieren durfte, einen kleinen Rabatt. Zugreifen, ohne falsche Scheu! Maria Fekter als Philanthropin, Norbert Darabos als Heereschef von eiserner Konsequenz mit integrativem Führungsstil zu positionieren - das wär 's. Dann hätte ein Karl-Heinz Grasser keinen Grund mehr, an Österreich als einer entwickelten Demokratie zu zweifeln. Wo es schon unter ihm keine Korruption gab! (Günter Traxler, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.2.2011)

 

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