"Eigentlich ist nichts passiert"

10. Februar 2011, 17:56
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Das 1:3 gegen die Niederlande bedeutete für die österreichischen Fußballer weder einen Rückschritt noch einen Fortschritt. "Es war eine ganz normale Geschichte", resümierte der Teamchef

Wien/Eindhoven - Dietmar Constantini zählt nicht unbedingt zu den Erfindern der messerscharfen Analyse, nach dem 1:3 gegen die Niederlande stellte der Teamchef fest: "Wir haben gesehen, dass sie Weltklasse sind." Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, hätte man den Ausflug nach Eindhoven nicht unternehmen müssen, aber die österreichische Nationalmannschaft möchte lernen und studieren, sie führt und lebt ihre eigene Bildungsdebatte. Klassenvorstand Constantini bezeichnete die Überforderung "als ganz normale Geschichte. Eigentlich ist nichts passiert, weder in die eine noch in die andere Richtung. Immerhin sind wir nicht zerbrochen, vielleicht trägt dieses Erlebnis ein Stück zum Reifungsprozess bei."

Bemerkenswert waren die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Beteiligten. Stefan Maierhofer hat sich tatsächlich "große Torchancen für uns" eingebildet und zog folgende Lehre: "Wir müssen noch leidenschaftlicher sein, laufen, bis wir kotzen." Kapitän Christian Fuchs war auf die "Leistung in der ersten Halbzeit stolz. Wie waren da ebenbürtig, konnte das Tempo mitgehen."

"Konnten wir nicht", sagte Innenverteidiger Emanuel Pogatetz, der zu den Besten zählte und objektiv betrachtet recht hat. "Es war frustrierend, wir sind dem Ball 70 von 90 Minuten nur nachgelaufen und haben ihn nie erwischt. Der Druck war gewaltig, Fehler waren die Folge."

Constantinis taktisches Konzept ist insofern aufgegangen, als der Schaden durch das Einbetonieren begrenzt werden konnte. Da hat es schon andere optische Katastrophen gegeben. Julian Baumgartlinger, David Alaba und Franz Schiemer bildeten die Mauer vor der Mauer, die Löcher konnten auf mehrere Personen verteilt werden. Baumgartlinger und Alaba entsprachen aber schon. Constantini: "Ohne so viele Defensivkräfte hätte es ein Debakel gesetzt." Eine Baustelle ist und bleibt die rechte Abwehrseite, Florian Klein ist wirklich nur bemüht. Vorn ist die Zahl der torgefährlichen Spieler an den Zehen eines halben Fußes abzuzählen.

Ein Tipp von Sneijder

Marko Arnautovic war auch in Eindhoven Marko Arnautovc. In der Pause hat er im Kabinengang mit Wesley Sneijder gesprochen, sie kennen sich aus der gemeinsamen Zeit bei Inter Mailand, das niederländische Genie forderte seinen Ex-Kollegen auf, die blöden Tricks zu unterlassen. "Spiel lieber Fußball. Du kannst es ja." Arnautovic hat dann den Elfer trocken zum 1:3 verwandelt. Nicht mit der Ferse. Die vergangenen drei Strafstöße wurden bekanntlich deutlich vergeben (Scharner, Fuchs, Klein), Constantini hat nun einen Schützen gefunden. Arnautovic freute sich nicht wirklich, "aber ein Tor gegen Holland ist schon ganz schön".

Und wie empfand der Vizeweltmeister die Partie? Als Episode. Algemeen Dagblad schrieb: "Holland brauchte sich gegen eine kraftlose österreichische Mannschaft nicht anzustrengen, dafür war der Klasseunterschied zu groß." Bondscoach Bert van Marwijk raubte immerhin nicht die Illusion, wobei es sich auch um einen Akt der Höflichkeit gehandelt haben könnte. "Vielleicht werdet ihr in der EM-Qualifikation Zweiter in eurer Gruppe". Und genau darum geht es.

Am 25. März gastiert Belgien in Wien, am 29. März Österreich in der Türkei, in Istanbul. Die Vorbereitung ist ausführlich und in Bad Tatzmannsdorf. Diese beiden Gegner sind mit den Niederlanden nicht zu vergleichen, aber natürlich auch nicht schlecht. Schiemer: "Da begeben wir uns wieder auf Augenhöhe. Wenn alles passt und wir keine unnötigen Fehler machen, haben wir Chancen. Eindhoven ist vorbei." Constantini: "Eigentlich ist nichts passiert. Ende März muss etwas passieren." (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 11. Februar 2011)

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    Arnautovic und das holländische Leiberl als Taschentuch.

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