Thomas Bernhard und die Ehrerbietung

10. Februar 2011, 17:52
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Das Burgtheater feierte den 80. Geburtstag des Dichters

Wien - Das Miniaturmodell des Burgtheaters, in seitlicher Ansicht vom Volksgarten, gehört wohl zu den bedeutungsschwersten Requisiten des großen Hauses am Ring. Dieses Burg-Kleinformat (aus Claus Peymanns Heldenplatz-Inszenierung) ist das unvergessliche Relikt einer von Thomas Bernhard und dem Ringtheater selbst geschriebenen österreichischen Theatergeschichte. Anlässlich von Bernhards 80. Geburtstag hat man das Miniaturhaus am Mittwochabend wieder hervorgeholt und es mittig in einem losen Arrangement von Notenständern und Stehpulten platziert.

Hier trat das Merlin Ensemble zusammen, um die Szene zu beleben. Der ehemalige Ko-Direktor Hermann Beil hat für dieses "Fest", das seinem Namen nicht so ganz gerecht wurde, kein leichtfüßiges Programm kompiliert. Über weite Strecken wirkte der dreistündige Abend bleiern und allzu weihevoll. Ehrerbietungen gehören zu den schwierigsten Unterfangen, besonders im Fall Thomas Bernhard, der - nachzulesen in Meine Preise - auf feierliche Einvernahme geradezu allergisch reagierte. Eingefasst war der Abend von Ferry Radax' auch formal spannendem Filmdokument Drei Tage (1970), das Bernhard im Garten eines Hamburger Bankiers räsonierend zeigt. Die mit Bernhard als Gottseibeiuns aus dem Schnürboden gleitende Leinwand verströmte über Gebühr Schwermut.

Auch Beils Textauswahl verstand keinen Spaß: In hora mortis (priesterlich: Peter Simonischek), das frühe Gedicht Mein Weltenstück (Annemarie Düringer) oder Minetti (Ignaz Kirchner) gerieten durch den sich beim Vorlesen einschleichenden Tonfall des Dozierens sehr erratisch. Beils sängerische Interpretation des Stimmenimitators hielt auch nicht ganz stand.

Dieser Burgtheater-Geburtstagsgruß fand vor allem in seinen szenischen Teilen Gehör: mit wachsam outrierenden Mimen wie Maria Happel und Michael Maertens in Der Ignorant und der Wahnsinnige oder Brigitta Furgler und Therese Affolter im wenig bekannten Dramolett A Doda. Auch Martin Schwab (Alte Meister), Bibiana Zeller (Festspiele am Radio) und Peter Matiæ (Holzfällen) erreichten ihr Publikum. (Margarete Affenzeller/ DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2011)

  • Martin Schwab mit "Alte Meister" auf der Bordone-Saal-Bank, Burgtheater.
    foto: stöcher

    Martin Schwab mit "Alte Meister" auf der Bordone-Saal-Bank, Burgtheater.

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