Täterprofil belastet Angeklagten

10. Februar 2011, 17:51
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Die Geschworenen im Mordfall Silke Schnabel müssen heute, Freitag, entscheiden, ob der Angeklagte die junge Frau vor 18 Jahren vergewaltigt und ermordet hat – Der Angeklagte beteuerte bis zuletzt seine Unschuld

Salzburg - "Ich sage es ein drittes Mal: Ich kann nicht mehr und will nichts mehr sagen. Ich bin unschuldig". Das Schlusswort des Angeklagten im Mordfall Silke Schnabl fiel am Donnerstagabend wenig überraschend aus. Schon den ganzen Prozess lang hatte er außer diesen Worten nichts gesagt. Anders die Plädoyers der Staatsanwaltschaft, der Verteidigung und von Opferanwalt Stefan Rieder, ihre letzten Ausführungen waren wortreich und dauerten stundenlang.

Das ständige Schweigen vor Gericht habe einen Grund, befindet Staatsanwalt Andreas Allex in seinem Plädoyer. Der Angeklagte habe immer wieder seine Aussagen geändert, wenn ihm neue Beweise vorgelegt wurden. Nun habe er sich entschieden nichts mehr zu sagen, um sich nicht in weitere Widersprüche zu verwickeln.

Für Verteidiger Karl Wampl äußert nicht der Angeklagte Widersprüche, sondern er sieht "markante Veränderungen in den Zeugenaussagen". Nach 18 Jahren könne man sich eben nicht mehr erinnern. Das Gedächtnis sei nichts fixes, sondern verändere sich. Die Medien hätten dazu beigetragen, dass Erinnerungen entstehen, die damals noch nicht vorhanden waren. Die Zeugen wären der Meinung "das arme Dirndl" und das verändere die Aussage, erläutert Wampl vor den Geschworenen. Für die Staatsanwaltschaft stellt sich die Frage nach den Erinnerungen der Zeugen nicht. Es gebe eindeutige Indizien und keinen anderen Verdächtigen. Der Angeklagte sei "der letzte Mensch, der Silke Schnabel lebend gesehen hat", verdeutlicht Allex den Geschworenen seine Anklage.

Am Vormittag waren die Reihen des Schwurgerichtssaals voll besetzt, als der bekannte Kriminalpsychologe und Profiler Thomas Müller sein Gutachten über den mutmaßlichen Mörder vortrug. Der wichtigste Gutachter der Anklage hält es für sehr wahrscheinlich, dass der Angeklagte der Mörder von Silke Schnabel ist, wenn drei Faktoren zutreffen. Er müsste das Opfer gekannt haben, sich oft in der Umgebung des Tatorts aufgehalten haben und er müsste vor der Tat erniedrigt oder gedemütigt worden sein.

Müllers Gutachten stützt sich auf eine Analyse der fünf Vergewaltigungen zwischen 1974 und 1979, für die der Angeklagte schon im Gefängnis saß, und verglich diese mit dem Mord an Silke Schnabel. Müller stellte eindeutige Parallelen fest: Die Frauen widersetzten sich, worauf er mit Gewalt reagierte. Leistete das Opfer Widerstand habe das zur Gewaltsteigerung geführt. Bei dem Mörder handle es sich um einen Menschen, der aus "Hass, Wut und Zorn ein Sexualverbrechen begeht, um das Opfer zu erniedrigen", fasst Müller sein Gutachten zusammen.

Entlastend befand die Verteidigung bislang den Umstand, dass der Angeklagte schlafend am Tatort gefunden wurde. Dies entkräftete Müller: Es sei nicht ungewöhnlich, dass ein Täter direkt am Tatort einschlafe. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2011)

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    Der Angeklagte schweigt weiter vor Gericht. Für Staatsanwalt Andreas Allex nur, um weitere Widersprüche zu vermeiden.

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