Sex-Prozess gegen Feldkircher Bürgermeister

10. Februar 2011, 17:41
86 Postings

VP-Politiker wehrt sich gegen Vergewaltigungsvorwurf seiner Ex-Geliebten

Feldkirchs Bürgermeister Wilfried Berchtold (VP), der von seiner langjährigen Geliebten wegen Vergewaltigung angezeigt worden war, erschien am Donnerstag händchenhaltend mit seiner Frau Sabine vor Gericht. Der sonst forsch und autoritär auftretende Politiker klammerte sich an die Hand seiner Frau, wollte sie nicht mehr loslassen.

Die Verhandlung musste gleich zu Beginn unterbrochen werden. Frau Berchtold wollte, obwohl als mögliche Zeugin genannt, im Saal bleiben: "Ich möchte dabei sein, meinen Mann unterstützen." Was Richterin Claudia Egger zwar verstehen, aber nicht gutheißen konnte. Nach kurzer Besprechung mit den Anwälten ihres Mannes verließ die Bürgermeistergattin den Verhandlungssaal.

Für den VP-Politiker begann die Verhandlung mit einem peinlichen Schnitzer. Er vergaß bei der Frage nach seinem Vermögen die Zweitwohnung anzugeben, worauf ihn Opfer-Anwalt Martin Mennel genüsslich hinwies.

Für die Öffentlichkeit war der Prozess nach 15 Minuten vorbei. Auf Antrag des Berchtold-Anwalts Karl Rümmele wurden die Prozessbeobachter ausgeschlossen. Begründung: Schutz der Privatsphäre. Mennels Argument pro Öffentlichkeit: Berchtold habe in den letzten Monaten die Öffentlichkeit zur Darstellung seiner Version (leidenschaftlicher Sex ohne Zwang, Racheakt der Ex-Freundin) genutzt, seine Mandantin möchte nun, dass umfassend und objektiv "über das Geschehen in dieser Nacht" informiert werde. Mennels Einwand fruchtete nicht, Richterin Egger schloss die Öffentlichkeit noch vor dem Vortrag von Staatsanwältin Claudia Buss aus.

Die Befragung des Bürgermeisters durch den Schöffensenat dauerte länger als vorgesehen. Die für Vormittag bestellten Zeugen wurden auf Abruf weggeschickt. Ob das mutmaßliche Opfer als Zeugin erscheinen wird oder ihre Aussage per Video eingespielt wird, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Berchtolds Anwalt Rümmele hatte sich für den Prozess mit Wolfgang Moringer Verstärkung aus Linz geholt. Moringer ist auch Anwalt jenes pensionierten Grazer Richters, der von einer 15-Jährigen schwerster sexueller Übergriffe beschuldigt wurde. Das Verfahren stehe kurz vor der Einstellung, sagte Moringer in einer Prozesspause. (jub, DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2011)

Share if you care.