Ökonom Schulmeister

"USA wollen geradezu, dass der Dollarkurs sinkt"

Günther Oswald, 10. Februar 2011, 17:36
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    foto: standard/newald

    Stephan Schulmeister: "Für alle hochverschuldeten Länder gilt: Wir sind in der letzten Phase der Krise."

Wie die USA mit der drückenden Schuldenlast umgehen wird und warum die Strategie Gefahren für Europa birgt

Standard: Die USA rücken stärker in den Fokus der Schuldendebatte. Auch das Wort Staatsbankrott macht die Runde. Ist das tatsächlich ein realistisches Szenario?

Schulmeister: Für alle hochverschuldeten Länder gilt: Wir sind in der letzten Phase der Krise. Das Grundproblem des Finanzkapitalismus ist, dass Werte geschaffen wurden, die keine realpolitische Deckung hatten. Dieses Problem wurde dann an die Staaten weitergewälzt. Die realwirtschaftliche Deckung der Staatsschulden ist nichts anderes als das künftige Wirtschaftswachstum. Es muss also langfristig stabiles Wachstum geschaffen werden, sonst braucht man entweder eine kräftige Inflation oder eine Umschuldung.

Standard: Also halten Sie es für angebracht, dass US-Präsident Obama das Schuldenlimit weiter anheben will, obwohl es schon bei gigantischen 14,3 Billionen Dollar liegt?

Schulmeister: Natürlich, weil Schuldenlimits entsprechen einem Arzt, der dem Patienten befiehlt: Werde gesund. So funktioniert das aber nicht. Ich brauche eine Diagnose, dann kann ich therapieren. In Europa hängt man der Symptomtherapie an. Nach dem Motto: Wenn der Staat nur genug spart, kann er seinen Schuldenstand verringern. Schön langsam erkennt man, dass das ein Denkfehler ist. Jene Länder, die am radikalsten sparen, wie Griechenland und bald Großbritannien, verfehlen ihre Ziel und schaffen kein Wachstum. Diese Einsicht haben die Amerikaner schon vor 20 Jahren gewonnen.

Standard: Wie meinen Sie das?

Schulmeister: Schon unter Clinton hat man ein Defizit von damals sechs Prozent nicht mit Sparpolitik bekämpft. Man hat begriffen, dass ein Defizit Ausdruck der Dysfunktionalität des Gesamtsystems ist und dass man unternehmerische Tätigkeit besser stellen muss, damit dieser Sektor die Überschüsse der Haushalte übernehmen kann.

Standard: Kräftiges Wachstum klingt gut. Viele meinen aber, dass hohe Wachstumsraten der Vergangenheit angehören.

Schulmeister: Dann kriegen wir ein fundamentales Problem. Der Punkt ist aber: Wenn alle Staaten nur noch sparen, werden die Unternehmen sagen: Wir warten mit unseren Investitionen lieber ab. Wer weiß, ob das nicht wieder in eine Stagnationsphase führt.

Standard: Wie lösen die USA also praktisch ihr Schuldenproblem?

Schulmeister: Sie fahren wie immer eine pragmatische Kombi-Strategie. Sie schauen, dass die Realwirtschaft in Schwung kommt, tolerieren eine etwas höhere Inflation, sorgen für dauernde Niedrigzinspolitik. Und, was für Europa mittelfristig bedenklich ist: Sie versuchen die Exporte durch eine weitere Schwächung des Dollars zu befördern.

Standard: Darunter könnten die europäischen Exporte leiden.

Schulmeister: Natürlich. Deutschland lebt fast ausschließlich vom Exportwachstum. Es ist auch kein Zufall, dass die US-Verschuldung nun verstärkt zum Thema gemacht wird. Warum? Indem zu sehr über die Euro-Schulden in den Medien diskutiert wurde, bestand die Gefahr, dass der Euro stark an Wert verliert und der Dollar aufwertet. Nichts ist den Amerikanern unangenehmer, als wenn das passieren würde.

Standard: Das heißt, die USA versuchen ihre Probleme an andere Regionen auszulagern?

Schulmeister: Sicher, das haben sie immer gemacht. Das ist etwas, das ein Leitwährungsland viel leichter tun kann als jedes andere Land. Wenn dem Leitwährungsland der Dollarkurs egal ist - und die USA wollen geradezu, dass der Dollarkurs sinkt -, dann kann es nach dem Motto "Friss Vogel oder stirb" sagen: Entweder ihr akzeptiert eine weitere Abschwächung des Dollars und habt dafür eine Chance, dass eure Forderungen bedient werden. Oder ihr sagt: Ihr wollt keine Dollar mehr akkumulieren, dann wird aber der Dollarkurs noch stärker fallen. (Günther Oswald, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 11.2.2011)

Stephan Schulmeister beschäftigt sich am Wirtschaftsforschungsinstitut mit Währungspolitik. Zuletzt hatte er einen Forschungsaufenthalt beim Internationalen Währungsfonds.

Kommentar posten
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uncle sam3
30
11.2.2011, 19:31
Ökonom ??

Wohl eher möchte-gern ...

Alpha-Rüde
00
11.2.2011, 19:23
Ist das jetzt was neues oder nur die leicht verdauliche Version für Jedermann?

Das ist alles altbekannt und eigentlich hätten Europas Politiker das realisieren müssen. Taten sie aber nicht was uns in der Zukunft noch jede Menge Probleme bescheren wird.

Mir soll es recht sein, wenn Dollar, Euro und Yen den Bach hinab gehen. Erspartes habe ich nicht und all mein Kapital ist in nützlichen Dingen angelegt. :-)

anke wiesen
00
11.2.2011, 19:10
!!!!

Standard: Das heißt, die USA versuchen ihre Probleme an andere Regionen auszulagern?

Schulmeister: Sicher, das haben sie immer gemacht.

WAKU
00
11.2.2011, 16:54
No na...

...die Wettbewerbsfähigkeit der USA wird immer geringer, die Schulden sind astronomisch und die Konjunktur mager,- da hilft nur ein billiger Dollar.

bastibasti
00
11.2.2011, 17:43

sie könnten auch den eigenen billigen dollar mit starker fremdwehrung bekämpfen/schulden zurückzahlen.

gonzalo guerrero
02
11.2.2011, 16:45
summa summarum:

"Dann kriegen wir ein fundamentales Problem."

hjg-analyse
00
11.2.2011, 16:14
Irland und Portugal drucken frisches Geld

um ihre Banken zu retten: Über das System ELA können die Banken dieser Länder Sicherheiten, welche die EZB nicht mehr akzeptiert, bei ihren eigenen NB hinterlegen und erhalten dann entsprechend Darlehen. Irland hat das für 50 Milliarden Euro gemacht. Da diese Sicherheiten nichts mehr wert sind, handelt es sich um Geld drucken (Quelle Süddeutsche vom 7.2. "Frisches Geld ..."). Die EZB hat zwar protestiert, kann aber nichts dagegen machen!

die Mär von der Notwendigkeit
00
11.2.2011, 15:21
"USA wollen geradezu, dass der Dollarkurs sTinkt"

hasenpelzz
00
11.2.2011, 15:01
JETZT kommt er da drauf??

Ich kann es nicht glauben - jetzt, wo die so genannte "Euro-Krise" immer deutlicher als Schmäh zur Dämpfung des Euro-Kurses sichtbar wird, kommt der Herr Professor auch schon drauf, daß die Amis lieber einen schwachen Dollar hätten, um ihre Wirtschaft anzukurbeln. Wo war er denn mit seiner Weisheit die letzten Monate, als die Leute gezittert haben, daß ihr Geld umfällt???

Der junge Jim Kirk
00
11.2.2011, 19:17

Schulmeister hat nie etwas anderes gesagt, und dass die US Fianzminister immer schon Wirtschaftspolitik mit Währungspolitik gleichgesetzt haben ist ja wirklich kein Geheimnis. Von welcher Euro Krise sprechen sie denn? Von der das der Euro von 1,50 auf 1,28 zum Dollar zurückgegangen ist?

Reich sein muss sich lohnen!
00
11.2.2011, 15:04

Keine Angst, der Euro wird schon noch "umfallen"

also dann ...
37
11.2.2011, 13:55
sg. hr. schulmeister : da unterliegen sie 2 denkfehlern . . .

1.) das problem ist nicht das wachstum (dieses ist nur die folge...) sondern das ZINS(es-zins) BASIERTE
G E L D S Y S T E M (!), d.h.
- nachdem NUR die zentralbank "echtes geld"
- und die gesch.banken (giralgeld) s c h ö p f e n,
werden die zinsen eben N I E ( ! ) durch ein höheres wachstum der realwirtschaft verdient,
... da die geldmenge f.d. zins ja wieder nur durch KREDIT = SCHULDEN entsteht !
= exponentielles, tödliches wachstum...

2.) nachdem 98 % der geldschöpfung über KREDIT
= BILANZVERLÄNGERUNG d. geschäftsbanken aus "dem nichts...erzeugt" wird, steht den
s c h u l d e n IMMER gleich viel v e r m ö g e n
gegenüber !
d.h.
- die welt/EU kann sich nicht verschulden...
- es erfolgt NUR eine umverteilung d.d. ZINS !

Sarah L.
 
10
11.2.2011, 16:51
???

wollen sie den zins auf kredite abschaffen? oder wollen´s gleich den kredit also solchen abschaffen?

also dann ...
03
11.2.2011, 17:02
? ? ? dem zins stehen weder

- eine gegenleistung (geld aus luft = buchungszeile im PC)
- noch eine andere sachleistung (real-vermögens-einsatz - der wareneinsatz auf das bedruckte papierlgeld ... ist ja gleich null) gegenüber.
also - wofür der zins ?

ad. kredit : alternative geldsysteme gibt es doch genug, sieh z.b. w ö r g l.
bei allen ... braucht es KEINE
kredit = schuld = geldschöpfung der PRIVAT-banken,
- wozu auch ?

p.s. wie sagte schon amschel rohtschild :
"give me the control of the money supply,
and I don`t care who makes the laws".

Sarah L.
 
00
11.2.2011, 19:24
"geld aus luft"

ihrer meinung nach hätte die bank dann auch gar keinen schaden, wenn ich den kredit nicht zurück zahle? es wäre ja nur "luft verloren" gegangen?

amused8
11
12.2.2011, 07:37

Der Schaden der Bank bei Kreditausfällen - auch die Kreditsicherheiten können in diesen Fällen den Kreditausfall nicht wettmachen- zeigt sich nur in Bilanzverlusten. Wirklich geschädigt ist niemand. Werden diese Bilanzverluste im Verhältnis zu den Gewinnen zu groß, kann eine Bank (bilanzmäßig) in Konkurs gehen. Dann verlieren die Eigentümer ihr Eigenkapital. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn bei Renditen bis 25% aufs Eigenkapital (Vorgabe von Ackermann für die Deutsche Bank) haben die Eigentümer, falls die Bank nicht gleich in den ersten Jahren nach ihrer Gründung in Konkurs geht, das Eigenkapital schon längst zurückgewonnen. Fazit: Es gibt nichts Profitableres als das Betrugssystem "Kreditvergabe durch Geschäftsbanken".

also dann ...
20
11.2.2011, 19:45
"luft" ... heisst ja, dass das geld = kredit

der geschäftsbanken keinem vermögenseinsatz (ausser der minuten-beratung am schalter) gegenübersteht.

wo ... ist das risiko,
das es den banken erlaubt, z.b. für einen kredit von 200.000 sich einen exekutionstitel in das vermögen oder das einkommen des kreditnehmers ... zu sichern ?
DAS...ist die (gesetzlich legitimierte) enteignung über das privatvermögen der steuerzahler.
und dafür...
wollen sie auch noch einen zins ... berechnen ?

ad. wörgl...
lesen sie doch mal das konzept des "freigeld" nach.
und wieso ... die zentralbank dieses geldsystem (das ungleich besser als das derzeitige funktionierte)
abschaffte ?!

Sarah L.
 
00
12.2.2011, 09:34
kredit, credere ....

ok, die bank gibt 200.000 und läßt sich das mit dem haus: 200.000 besichern. das ist zwar kein "kredit", wie ich ihn mir vorstelle, aber bitte, - so ist geklärt, warum sie nicht pleite gehen kann. "1. unklarheit" beseitigt.
eine "2. unklarheit" habe ich noch: oben, im selben posting, schreiben sie, dass die "realwirtschaft" die zinsen "NIE" zurückzahlen könne. beispiel: ich nehme 100 zu 5% von der bank, kaufe maschinen und arbeitskraft, warum kann ich "nie" 105 zurückzahlen?

also dann ...
11
12.2.2011, 11:12
ad 1.) siehe auch kommentar von "amused8" - oben.

die deutsche bank hat ein eigenkapital (wenn man es richtig rechnet...) von ca. 1,7 % d. bilanzsumme
- was auch den hebel (fremdkapital / eigenkapital)von fast 60 ( ! ) erklärt
- und worauf das ACKERMANN-GESCHÄFTSMODELL
"too big to fail" = 25 % rendite aufs eig.kapital aufgebaut ist.
dies ist nichts als betrug am st.zahler, der ja all diesen wahnsinn retten mußte...

ad 2.) sie müssen auf der makro-ebene = die volkswirtschaft österreichs z.b. denken (nicht bwl.-mässig) : da weder
- die privatunternehmen
- noch die haushalte (oder der staat)
geld schöpfen können, ist dies eben w i e d e r nur
über KREDIT-GELD durch die geschäftsbanken möglich !
genau dies ist auch der denkfehler (fast) aller
sog. "ökonomen" ...

Azamat Bogatov
00
12.2.2011, 14:34

falsch, die DB hat eine bilanzsumme von 1500 bn. EUR und ist ca. 42 bn wert. (deutsche bank website)

(also "richtig" gerechnet, ohne tier-1 annahmen..)

das ist ein leverage von ca 35x - also nur ca. die hälfte von dem, was sie sagen.

ihre zahl stammt vermutlich aus dem jahr 2008, wo es für alle recht eng wurde..

also dann ...
00
12.2.2011, 22:01
die assets betrugen (2010) ca. 1,9

Total assets increased to EUR 1,906 mrd at year end 2010, versus EUR 1,501 billion at year end 2009. More than half of the increase was related to acquisitions made in 2010....

nimmt man das tier 1 kapital von 42,6 mrdl (2009 34,4) so ergibt sich ein hebel von ca. 50 für beider jahre !

der schmäh...(nicht nur bei der DB) ist ja, dass sodann die aktiva um jene die angeblich kein risiko tragen (derivate) = ca. 700 mrd "korrigiert" wird.
dies ist ja bwl. humbug, denn da muss man sich ja fragen : ob sie diese aktiva ...
wirklich nur zum s p a s s ... hält !

http://www.deutsche-bank.de/ir/de/con... 1_3362.htm

Sarah L.
 
00
12.2.2011, 14:34
aus 100 wird 105

ackermann, ertragsraten, too big ... sind wohl fragen der "regulierung" etc.
meine frage war grundsätzlicher:
a) ist es überhaupt gerechtfertigt zinsen zu verlangen? viele sagen nein. auch sie deuten das an: "die bank tut ja nix, keine leistung, kein einsatz, etc."
b) ist es überhaupt möglich, dass der reale sektor die zinsen bedienen kann? viele sagen: nein. denn mit dem faktoreinsatz 100 und "umwandlung in produkt" erlöst man (bei gerechtem tausch) wieder 100, daraus werden die faktoren bezahlt: 100, also fehlen am ende die 5. folge: die banken "übernehmen" immer mehr die realwirtschaft.
das ganze ist schon "volkswirtschaftlich" gedacht und dreht sich letztlich um die frage, ob/wie im realen sektor aus 100 105 (oder mehr) werden können?

also dann ...
00
12.2.2011, 22:14
ad. ackermann 25 % rendite ...

nun - die hängt insoferne mit der geldmengenauswietung zusammen, als dass der große hebel eine immense verschuldung bedingt, die ja nur über geldschöpfung ...(auch zwischen den banken) entstehen kann.

1. ich sehe keine bwl./vwl. rechtfertigung f.d. zins, stimmt

2. stimmt - die banken haben längst großteile der realwirtschaft übernommen.
ad. produktivität - zins
wie sie richtig sagen, geht es nicht darum, sondern einfach um die frage : woher ... kommt das zusätzliche geld f.die bezahlung der zinsen.
und diese muss eben zusätzl. "erzeugt" werden.

überdies...
ist die produktivität ja nicht frei verfügbar, weil sie u.a. durch höhere preise bei den vorleistungen (die ca. 60 % ausmachen) kompensiert wird.

Sarah L.
 
00
13.2.2011, 10:51
"ich sehe keine bwl./vwl. rechtfertigung f.d. zins, stimmt"

ich verstehe: keine erträge fürs finanzkapital.
und wie ist das mit dem eigentum am industriellen kapital (aktien). ist das eine "rechtfertigung" fur erträge?

also dann ...
01
13.2.2011, 11:10
ich sprach vom zins - auf s c h u l d e n im rahmen der

nur auf kedit + zinseszins basiertem PRIVATEN geldsystem !
amüsant ist ja auch, dass (fast) alle ökonomen in ihrem mathemat. modellen (die allesamt nichts taugen...) immer vom natürlichen zins ... sprechen.
die leitzinsen werden aber, bekannterweise, durch ein kleines gremium von alten herren/damen im hinterzimmer willkürlich festgelegt...

sie sprechen ja von eigenkapital/aktien ...
wo ja dergewinn (und die eben von ackermann zugrundegelegte "wunschrentatbilität von 25 %")
die abgeltung des unternehmerrisikos ausmachen.

der zins der banken...
ist ganz einfach deshalb nicht begründbar,
weil eben keinerlei einsatz von vermögen oder gar eine entsprechende leistung erbracht wurde !

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