Müde Trainer

10. Februar 2011, 17:11
3 Postings

Hansi Hinterseer lächelte wie ein frisch lackiertes Hutschpferd beim Strecksprung

Neben Sprachunterricht, Bastelanleitungen und Kinotipps gehörte die Skigymnastik einst zu den Grundsäulen televisionärer Unterhaltung. Die gründliche Vorbereitung auf die Piste hatte zur Folge, dass man mit dem Programm in einem Ausmaß involviert war, wie es heute völlig undenkbar wäre.

Wir erinnern uns: Die Schweizer Dreifachweltmeisterin Erika Hess zeigte perfekte Umsteigesprünge vor. Hansi Hinterseer lächelte wie ein frisch lackiertes Hutschpferd beim Strecksprung, Maria Walliser malte auf einem Bein Achten aus. Der Höhepunkt jeder Sendung war die Abfahrt auf einer der berühmten Pisten - in tiefer Hockestellung. Gröden, Lauberhorn, Streif - wir sind sie alle gefahren. Die gesamte Familie stellte sich in Position zum gemeinsamen Wippen auf und wippte bei Bodenwellen, machte Bocksprünge bei den Kamelbuckeln und ächzte, wenn der Fernsehtrainer nach rund zwei Minuten die Sekunden zählte, wie lange man noch durchhalten müsse. Echtzeitfernsehen wurde gelebt.

Und heute? "Hoch über den Wolken laden die Berge förmlich ein zum Skifahren", sagt der Vormachtrainer beim ARD-ZDF-Fitnessprogramm: Das ist natürlich eine Form der Animation, bei der sich der Impuls, aus dem Sofa zu schwingen, eher nicht regt. Er wird auch nicht stärker bei der "Sternsteigeübung", bei der man die Anstrengung des Animateurs vor allem hören kann: "Hände - in die - Hüfte, schnell - zur Seite! Nach - hinten, zur - Seite, nach - vorne, konzentrieren!" Wenn schon ihm die Puste ausgeht?

Dann "aufkanten", "schnelles Kippen", "Knie immer parallel" und: "Wunderbar, das war's schon wieder." Kein Wunder, dass es um die Volksgesundheit schlecht bestellt sein soll. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 11.2.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hansi Hinterseer

Share if you care.