"Schade, dass wir mit Frank nicht länger zusammen arbeiten können"

10. Februar 2011, 18:15
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Wr. Neustadt-Trainer und Rapid-"Fußballgott" Peter Schöttel über Frank Stronachs Liebesentzug, die Chancen eines Ausbildungsverein in der Bundesliga und den drohenden Abstiegskampf

Seine aktive Laufbahn liest sich wie aus einem Bilderbuch: Zweimaliger WM-Teilnehmer, Europacup-Finalist, 524 Pflichtspiele, Rekord-Rapidler. Peter Schöttel, der Musterprofi, ist aber auch nach seiner Spielerkarriere fleißig. Nach Stationen bei Rapid als Amateure-Coach, Nachwuchsleiter und Sportmanager war der Wiener beim Sportklub und als Sportdirektor bei der Vienna engagiert. Jetzt trainiert Schöttel Magna Wr. Neustadt. Florian Vetter sprach mit ihm über Frank Stronachs erloschene Liebe, den Weg zum Rekrutierungsverein für Supertalente und erneuerte Hoffnung im Fall des begabten Stürmers Edin Salkic.

derStandard.at: Wr. Neustadt hat 28 Punkte, ist im Niemandsland der Tabelle. Eine Meisterschaft ohne Spannung, das muss extrem öde sein oder?

Peter Schöttel: Ganz und gar nicht. Es war schon der Herbst nicht öde und das Frühjahr wird es auch nicht werden. Obwohl ich glaube, dass wir weder mit dem Meistertitel noch mit dem Abstiegskampf etwas zu tun haben werden. Ziele zu definieren ist in dieser Situation schwierig, ich bin schon froh, dass wir kaum Spieler verloren haben. Wichtig ist, dass wir uns gut präsentieren und dass wir die Lizenz bekommen.

derStandard.at: Sie sagten kürzlich, sie wollen Magna zum Ausbilungsverein umfunktionieren und die besten Österreicher herausbringen. Wollen Sie jetzt ohne Geld umsetzen, was Mäzen Stronach einst versprochen hatte?

Schöttel: Da habe ich laut gedacht. Wir haben bereits einige gute junge Spieler bei uns. Zusätzlich könnten die Topvereine ihre Talente bei uns parken, damit diese bei uns Bundesligaluft schnuppern. Das kann reizvoll sein, auch wenn es nicht um Titel geht.

derStandard.at: Frank Stronach ist eigentlich schon weg. Ist Wr. Neustadt dann wie das BZÖ ohne Jörg Haider? Ein Retortenklub ohne Übervater?

Schöttel: Es ist schade, dass wir mit Frank nicht länger zusammen arbeiten können, weil in der Entwicklung noch einiges möglich wäre. Aber es bleibt eine interessante Geschichte, man muss die Situation hinnehmen wie sie ist.

derStandard.at: Hand aufs Herz, gibt es nicht erst nächste Saison die Feuertaufe? Ist das dann die Mission Schöttel, der Kampf gegen den Abstieg?

Schöttel: Ich bin mit dem Begriff Feuertaufe nicht ganz glücklich. Als ich vor einem Jahr in Wr. Neustadt anfing, haben wir gleich einmal vier Spieler abgegeben: Kuljic, Sariyar, Martinez und Taner Ari. Die Mannschaft sollte billiger und jünger werden. Im Sommer wurden noch einmal sechs Spieler hergegeben, dafür sind mit Thonhofer, Madl und Schicker drei Leute gekommen, die sehr gut gespielt haben. Jetzt sind Viana und Wolf weg, das müssen wir wieder ausgleichen. Wenn sich die Jungen entwickeln, fühle ich mich wohl.

derStandard.at: Spitzenfußball ist in Wr. Neustadt kein Heuler. Kann man einen Bundesligaverein hier langfristig etablieren?

Schöttel: Ich denke schon. Da wäre aber das neue Stadion wichtig gewesen. Frank Stronach ist noch immer Präsident aber seine Liebe gehört jetzt Sturm Graz. Wir wollen das Produkt trotzdem weiter interessant gestalten, uns sympathisch präsentieren.

derStandard.at: Herrscht Endzeitstimmung?

Schöttel: Nein. Um die guten Spieler mache ich mir keine Sorgen, die kommen immer irgendwo unter. Auch wenn es unangenehm ist, einer ungewissen Zukunft entgegenzusehen.

derStandard.at: Wie tut sich Edin Salkic? Er galt ja einst als großes Sturmtalent.

Schöttel: Salkic war einmal ein begehrter Spieler. Er hat in den letzten Jahren nichts mehr weitergebracht, seine Leistung stagnierte. Er hat auch persönlich Fehler gemacht, das weiß er. Wir geben ihm die Möglichkeit, dass er sich im Frühjahr so herrichtet, dass er uns in der kommenden Saison helfen kann. Das heißt nicht, dass er jetzt nicht in Frage kommt aber er muss erst einmal fit werden, damit er seine Qualitäten ausspielen kann. Er ist körperlich sehr stark und hat einen sehr guten linken Fuß. Er muss noch aufholen, ist erst verspätet in die Vorbereitung eingestiegen.

derStandard.at: Sie üben für Österreich unüblich, die Doppelfunktion als Trainer/Sportdirektor aus. Das macht Magath auf Schalke auch. Gibt es ähnliches Konfliktpotenzial?

Schöttel: Nein, mit mir nicht. Ich bin zu 98 Prozent Trainer der halt auch alles bestimmt im sportlichen Bereich. Bei Rapid war ich Sportdirektor, das war eine ganz andere Tätigkeit.

derStandard.at: Sind sie als Trainer ein General?

Schöttel: Nein, ich verhalte mich den Spielern gegenüber genauso wie ich privat bin. Die Spieler sind erwachsen, man siezt sich. Nur die Spieler, mit denen ich selbst noch zusammengespielt habe, duzen mich.

derStandard.at: Die Wettanbieter favorisieren Salzburg: Wer holt sich heuer den Meistertitel?

Schöttel: Eine schwierige Entscheidung, aber ich tippe auch auf Salzburg. Weil es aufgrund der Möglichkeiten von Red Bull einfach so sein muss.

derStandard.at: Sie haben mehr als ihr halbes Leben bei Rapid verbracht. Wie ist das Verhältnis zu Grün-Weiß jetzt?

Schöttel: Sehr gut. Ich bin noch immer sehr oft dort und freue mich immer, wenn ich alte Bekannte sehe. Trotzdem möchte ich ihnen am Samstag natürlich ein Bein stellen.

derStandard.at: Sie sagten kürzlich, sie kennen alle Seiten des Geschäfts und vielleicht werden Sie im Fußball einmal etwas ganz anderes machen. Geht es präziser?

Schöttel: Nein, ich denke an gar nichts. Ich habe keinen Plan, wo ich in zehn Jahren sein will, lasse alles auf mich zukommen. (Florian Vetter, derStandard.at, 10.2.2011)

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    Peter Schöttel macht sich um die guten Wr. Neustädter Fußballer keine Sorgen: "Die kommen immer irgendwo unter."

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    Wird für Wr. Neustadt nur schwer zu halten sein: Mittelfeldmann Alexander Grünwald (r., hier im zärtlichen Duell mit Rapids Hofmann).

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    Verteidiger Peter Schöttel räumte für Rapid vieles aus dem Weg, so auch Pavel Nedved im UEFA-Cup 1997 im Spiel gegen Lazio Rom.

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    Zwei WM-Teilnahmen können nicht viele österreichische Teamkicker vorweisen: Hier störte Schöttel Sammy Ipoua im WM-Gruppenspiel Österreich gegen Kamerun. Das war 1998.

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