Keine Krebsgefahr im Atomlager Asse

10. Februar 2011, 16:05
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Ergebnis eines Gesundheitsmonitorings präsentiert

Salzgitter - Im maroden Atommüll-Endlager Asse bei Wolfenbüttel ist die Strahlenbelastung nach Einschätzung des deutschen Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) zu gering, um bei den Beschäftigten nachweislich Krebserkrankungen auslösen zu können. Das ist das Ergebnis eines Gesundheitsmonitorings, das das Bundesamt am Donnerstag in Salzgitter vorstellte. Der BfS-Fachbereichsleiter Strahlenschutz Thomas Jung schränkte aber ein, es könne "nicht ausgeschlossen werden, dass es in Einzelfällen zu höheren Strahlenbelastungen gekommen ist, die nicht dokumentiert worden sind".

In dem ehemaligen Salzbergwerk Asse waren von 1967 bis 1978 rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelaktivem Atommüll eingelagert worden. Inzwischen stellten drei frühere Bergleute der Asse Anträge, ihre Leukämie als Berufserkrankung anzuerkennen. Darauf reagierte das BfS mit dem nun veröffentlichten Gesundheitsmonitoring. Dabei wurde auf der Basis von Akten des früheren Asse-Betreibers, des Helmholtz-Zentrums in München, die Strahlenbelastung der Mitarbeiter seit 1967 abgeschätzt.

Bis Ende 2008 waren laut BfS rund 700 Menschen auf der Asse beschäftigt. Die durchschnittliche Berufslebensdosis an Strahlenbelastung bei den Mitarbeitern betrug demnach zwölf Millisievert und bei sieben Männern über 100 Millisievert. Der Grenzwert für die Berufslebensdosis beträgt 400 Millisievert. Mit Blick auf die sieben Männer mit der höchsten Belastung sagte Jung: "Solchen Einzelfällen müssen wir im Detail nachgehen."

Insgesamt gab es laut Jung in dem untersuchten Zeitraum rund 200 sogenannte Kontaminationsereignisse. Meist sei es nur um oberflächliche Anhaftungen gegangen. "Aber vier Fälle waren strahlenschutzrechtlich relevant." Dabei sei es etwa um ein zerborstenes Fass und großflächig auslaufende verseuchte Flüssigkeit gegangen. "Wir können nicht ausschließen, dass hohe Expositionen passiert sind", sagte der BfS-Fachbereichsleiter.

Im vergangenen Dezember war bekannt geworden, dass in der Samtgemeinde Asse im Landkreis Wolfenbüttel in den vergangenen Jahren doppelt so viele Männer an Leukämie erkrankt sind wie im Durchschnitt, die Zahl der Frauen mit Schilddrüsenkrebs liegt sogar dreimal so hoch. Das BFS hatte Anfang 2009 das Helmholtz-Zentrum als Betreiber der Asse abgelöst und will jetzt den Atommüll zurückholen, weil die Langzeitsicherheit in dem ehemaligen Salzbergwerk nicht gewährleistet ist. Die Grube ist einsturzgefährdet, und es drohen unkontrollierbare Wasserzutritte. (APA/AFP)

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