Thema Bildung im Tiroler Landtag: "Untragbare" und "tragische" Situation

10. Februar 2011, 15:05
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Anstoß dürften schlechten Tiroler PISA-Ergebnisse gegeben haben

Innsbruck - Unterschiedliche Szenarien und Weltanschauungen förderte die Debatte über das von der SP gewählte Thema "Zukunft der Bildung - Bildung mit Zukunft" am Donnerstag im Tiroler Landtag zutage. Anstoß dürfte die Auswertung der Tiroler PISA-Ergebnisse gegeben haben. Die SP-LAbg. Elisabeth Blanik sprach von einer "untragbaren" und "tragischen Situation". Eine Mentalität der "Bildungsfeindlichkeit" ortete der Grüne LAbg. Gebi Mair und warnte vor einem Land der "Liftwarte" und Parkwächter".

FPÖ-Chef, LAbg. Gerald Hauser, sah die mögliche Lösung der Misere darin, Einkommen anzuheben, damit nicht mehr beide Elternteile arbeiten gehen müssen. Der Bildungsaufschwung der Nachkriegszeit sei ins Stocken geraten, sagte LAbg. Blanik. "Der Fahrstuhl, der eigentlich funktioniert hat, funktioniert nicht mehr" konstatierte sie. Sie befürchtete dadurch einen Rückschritt in Richtung soziale Selektion. Die Ursache sah sie in einem "Systemfehler" und forderte abermals den Ausbau der Neuen Mittelschule und ganzjährige und ganztägige Kindergärten.

Bildung oder Brennerbasistunnel

"In Tirol macht sich eine Bildungsfeindlichkeit breit, die sich gewaschen hat", meinte der Grüne LAbg. Mair. An der Spitze dieser Bildungsfeindlichkeit stehe Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Mair kritisierte die Ausgaben des Landes für den Brennerbasistunnel. "Was könnten wir mit den 190 Millionen für den BBT nicht alles für die Bildung ausrichten", meinte er. Er hoffe, dass die Landesregierung nicht nur Leidenschaft dafür habe, Löcher in den Berg zu graben, sondern auch für die Bildung.

Die Ergebnisse der Auswertung der PISA-Ergebnisse, wonach Tirol nicht besser abgeschnitten hatte als Gesamtösterreich, lagen auch dem LAbg. Fritz Dinkhauser, Chef der Liste Fritz, schwer im Magen. "Dass wir die dümmsten sind, habe ich nicht mehr dapackt", meinte er. Er forderte, dass alle 107 Hauptschulen in neue Mittelschulen umgewandelt werden. Das sei "das mindeste", was man tun könne.

Wenig Begeisterung, dafür umso mehr Entrüstung riefen die Wortmeldungen bei Tirols Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) hervor. "Diese Fülle an fachlicher Orientierungslosigkeit, die ich hier vorfinde, erstaunt mich immer wieder", sagte sie und meinte vor allem den Abg. Mair, dem sie das bewusste Verbreiten von Unwahrheiten vorwarf. Bildung beginne zuerst in der Familie. Die Eltern könne man hier nicht aus ihrer Verantwortung entlassen, "unabhängig, ob beide Elternteile berufstätig sind", fügte sie hinzu.

Verantwortung beim Bund

Auch sie sei für ein ganztägiges Schulangebot, wenn die Wahlfreiheit gegeben bleibe, betonte Palfrader. In der Bildungsdebatte sei vor allem der Bund gefordert. In Wien müsse man endlich aus dem "bildungspolitischen Winterschlaf" aufwachen. Sie verwies auf bereits vom Land Tirol gesetzte Maßnahmen. Das Kinderbildungs- und Kinderbetreuungsgesetz sei beispielsweise "ein Schritt in die richtige Richtung", wie auch der geplante Ausbau der "Sprachstartklassen". (APA)

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