Aufregung um veraltete Hologramm-Technologie

10. Februar 2011, 17:11
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Das Jüdische Museum wird unter seiner neuen Direktorin Danielle Spera modernisiert. Die Hologramme, bisher Teil der Dauerausstellung, wurden dabei zerstört. Nun herrscht Erregung. Und man spricht von Intrige

Wien - Am 12. Jänner lud Danielle Spera, die neue Direktorin des Jüdischen Museums der Stadt Wien, zu einer Pressekonferenz. Denn das Palais Eskeles, seit Jahresanfang geschlossen, wird um 2,5 Millionen Euro saniert: Die technische Ausstattung, weit älter als das vor 15 Jahren eröffnete Museum, entspreche längst nicht mehr den museologischen Erfordernissen. Die Funktionssanierung biete zudem die Chance für eine Neugestaltung.

Schon vor der Pressekonferenz hieß es gerüchteweise, dass die Installation mit den 21 Hologrammen diverser Porträts und Objekte, die 1996 ein echter Eyecatcher waren, zerstört würde. Doch Spera vermochte zu beruhigen: Die Hologramme, bei der Pressekonferenz noch vollständig vorhanden, würden ins Technische Museum bzw. ins Depot wandern. Zudem gibt es einen zweiten Satz, die Reise-Hologramme; diese würden weiterhin ausgestellt werden.

Doch der Abbau ließ sich nicht so einfach bewerkstelligen: Da das ausgehärtete Klebematerial einen hohen Widerstandswert aufweise, sei eine Demontage der Gläser nicht möglich, stellte die beauftragte Firma fest. Man müsse mit dem Brecheisen vorgehen. Unter Zeitdruck - die Wiedereröffnung sollte am 30. Juni stattfinden - stimmte Spera zu, die im Boden verankerten Sicherheitsgläser mit den Hologrammfolien auszuhebeln. Und das misslang.

Die Bestellung von Spera war von manchen im Haus kritisch kommentiert worden. Denn auch Chefkuratorin Felicitas Heimann-Jelinek hatte sich für den Posten beworben. Zudem stieß man sich daran, dass Spera ohne Ausschreibung Peter Menasse zum Prokuristen bestellte. Der "Vandalenakt" ließ sich nun gut verwerten: Man verschickte per Mail Fotos der Scherbenhaufen. Und der Grazer Museologe Gottfried Fliedl veröffentlichte die Bilder auf museologien.blogspot.com: "Das Jüdische Museum vernichtet sein wichtigstes Medium."

Die Folge war ein Aufschrei. In einem offenen Brief äußerten die Mitarbeiter jüdischer Museen in Frankfurt, Berlin, München, Paris, Belgien, Eisenstadt und Hohenems ihre "Sorge". Denn Gegenstand der nun zerstörten Hologramme sei eben die willentliche Auslöschung jüdischer Kultur und jüdischen Lebens gewesen.

In der Direktion spricht man von "Kampagnisierung" und von "Intrige". Spera konterte nun: Von 16. bis 20. Februar wird ein Beispiel des zweiten Hologramm-Sets unter dem Titel Die Geschichte einer österreichischen Aufregung im Museum am Judenplatz ausgestellt. Die komplette zweite Serie aus Plexiglas will Spera nach der Wiedereröffnung für einige Monate im Palais Eskeles ausstellen. Diese gewährleiste, dass "die Erinnerung an eine veraltete Technologie erhalten bleibt". Die Eröffnung werde sich aber aufgrund der unvorhergesehenen Probleme um zwei Monate auf September 2011 verschieben.  (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2011)

  • Zerstört: eines der 21 Hologramme im Palais Eskeles.
    foto: standard / corn

    Zerstört: eines der 21 Hologramme im Palais Eskeles.

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