Türkei will Zwangsehen unter Strafe stellen

10. Februar 2011, 13:53
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Gesetzentwurf sieht auch chemische Kastration von Mehrfach-Sexualstraftätern vor

In der Türkei sollen nach dem Willen der Regierungspartei AKP Zwangsehen künftig als eigener Straftatbestand geahndet werden. Der entsprechende Entwurf von mehreren Abgeordneten der religiös-konservativen Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei von Ministerpräsident Erdogan sieht eine Haftstrafe von bis zu sechs Jahren bei Zwangsverheiratungen vor, meldete die türkische Presse. Bei einem Selbstmord des Opfers der Zwangsehe steigt die Strafe demnach auf bis zu zehn Jahre. Der Gesetzentwurf sieht außerdem die chemische Kastration von Mehrfach-Sexualstraftätern vor.

Der Gesetzesantrag wurde jetzt im Parlament in Ankara eingebracht. Insbesondere in ländlichen Gebieten der Türkei werden viele Frauen gegen ihren Willen von ihren Familien verheiratet. Es hat mehrfach Selbstmorde von Frauen gegeben, die in Zwangsehe lebten und keinen Ausweg mehr wussten. Seit der Übernahme des Schweizer Zivilrechts im Jahr 1926 gilt in der Türkei die Einehe. (APA)

Die Strafen für Sexualstraftäter und Kinderschänder sollen in der Türkei erhöht werden. Die chemische Kastration soll dem Abgeordnetenentwurf zufolge für Wiederholungstäter bei Sexualdelikten zwingend werden, bei Ersttätern wird sie als Therapiemöglichkeit eingeführt. Laut Presseberichten wird in der Türkei alle vier Stunden eine Vergewaltigung begangen oder versucht. Die Hälfte der Opfer sind jünger als 18 Jahre. Die Zahl der Kindesmisshandlungen liegt demnach bei rund 7.000 im Jahr. (APA)

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