Regierungssprecher soll TV-Sender "Prima" gedroht haben

10. Februar 2011, 13:27
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Reporterin sollte wegen kritischer Berichterstattung von Frankreich-Reise von Premier Necas ausgeschlossen werden

Die tschechische Regierung unter Premier Petr Necas ist mit einem neuen Skandal konfrontiert: Der Sprecher des Kabinetts, Jan Osuch, soll dem Fernsehsender "Prima" gedroht haben, eine Redakteurin von einer Pressereise Necas' nach Frankreich (10. und 11. Februar) auszuschließen. Der Grund war angeblich eine kritische Reportage von "Prima" über einen überteuerten Regierungsauftrag aus der Zeit des tschechischen EU-Ratsvorsitzes im Jahr 2009, die Verteidigungsminister Alexandr Vondra, damals für Europa-Fragen zuständiger Vizepremier, belastet.

Über Osuchs Vorgehen berichtete die Tageszeitung "Pravo" (Donnerstag-Ausgabe), die sich dabei auf eine E-Mail der Produktionschefin von "Prima" an das Regierungsamt beruft. "Angesichts der Tatsache, dass Regierungssprecher Osuch unserer Redakteurin mit dem Ausschluss von der Reise des Premiers nach Paris gedroht hat, sagen wir selbst die Anmeldung zu dieser Reise auf Anordnung der Chefredakteurin ab. Als unabhängige Redaktion können wir das Vorgehen des Sprechers nicht akzeptieren (...)", schrieb die Produktionschefin Jana Cervenkova.

Osuch bestritt den Konflikt mit "Prima" nicht, versicherte aber, dass es sich um "nichts Ernstes" gehandelt habe. "Das ist ein großes Missverständnis", sagte der Regierungssprecher. Dieses "Missverständnis" sei "im Laufe von 15 Minuten gelöst" worden, so Osuch. Die "Prima"-Reporterin werde doch an der Reise von Ministerpräsident Necas teilnehmen, versicherte er.

"Prima" wollte zu dem Streit keine Stellung nehmen. "Wir werden die Angelegenheit nicht kommentieren", sagte die Chefredakteurin des Senders, Jana Obzinova.

Brennpunkt der Affäre aus der Zeit des EU-Ratsvorsitzes ist ein 766 Mio. Kronen (31,8 Mio. Euro) schwerer Auftrag mit der Firma ProMoPro für die Anmietung und Bedienung der audiovisuellen Technik für Veranstaltungen. Es besteht der Verdacht, dass der Auftrag stark überteuert war, weil die ursprünglich geplante Summe dafür nicht höher als 85 Mio. Kronen hätte sein sollen. Zudem wurde der Auftrag ohne Auswahlverfahren abgeschlossen. (APA)

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