Alpenvereine mobilisieren gegen geplanten Windpark

10. Februar 2011, 13:15
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Negative Auswirkungen auf Zugvögel befürchtet - "enormer" Eingriff ins Landschaftsbild

Bozen/Innsbruck - Die Alpenvereine aus Österreich (OeAV), Deutschland (DAV) und Südtirol (AVS) mobilisieren gegen einen am Brenner geplanten Windpark mit 31 Windrädern, für den derzeit bereits das UVP-Verfahren (Umweltverträglichkeitsprüfung, Anm.) läuft. In einer vom AVS verbreiteten Stellungnahme am Donnerstag hieß es, der Grenzkamm befinde sich in einer "Tabuzone". Negative Auswirkungen wurden unter anderem für Zugvögel befürchtet. Am Samstag ist eine "Protestskitour" auf den Hohen Lorenzen geplant.

AVS-Vorsitzender Georg Simoni bekannte sich zwar zum Umstieg von der Energieproduktion aus fossilen Energieträgern hin zur Nutzung erneuerbarer Energie - in Südtirol bestehe das Potenzial "in erster Linie in der Nutzung der Solarenergie und der Wasserkraft". Zur Nutzung von Wasser-, Wind- und Sonnenenergie sollte aber ein übergreifendes Gesamtkonzept erarbeitet werden, forderte der AVS. Alle Schutzgebiete sollen von der Nutzung ausgenommen sein, mit Ausnahme von kleinen Einzelanlagen zur Eigenversorgung von isolierten Standorten wie etwa Weilern und Schutzhütten. Die Windkraftnutzung sei in den Alpen und speziell in Südtirol aufgrund der geografischen Gegebenheiten grundsätzlich abzulehnen und aus reinen Forschungszwecken gegebenenfalls nur an wenigen Standorten sinnvoll.

Geplante Windkraftprojekte

In der Gemeinde Brenner lägen derzeit zwei Projekte zur Windkraftnutzung vor. Am Sattelberg sollen 22 Windräder und auf dem Sandjoch neun Windräder errichtet werden. Nach Ansicht des AVS sei der Eingriff ins Landschaftsbild "enorm", zumal sich beide Windparks über eine Länge von etwa sieben Kilometern direkt am exponierten Grenzkamm erstrecken und eine beachtliche Höhe aufweisen würden. Nicht geringer sei der landschaftliche Eingriff durch den massiven Ausbau der beiden Militärstraßen, die für schwere Lkws ausgerichtet werden müssten und eine Breite von bis zu sechs Metern aufweisen würden.

Mit der Genehmigung der Projekte würde eine riesige Baustelle und "der alpenweit größte Windpark" errichtet, obwohl sich wenige Meter entfernt auf Nordtiroler Gebiet das Landschaftsschutzgebiet "Nösslachjoch-Obernberger See-Tribulaune" befinde und das Brennergebiet als Vogelzugstrecke von europäischer Bedeutung sei. Der Bauherr plane zwar, die Zugvögel in der Betriebsphase per Radar zu erfassen, um die Windräder gegebenenfalls abschalten zu können. Der AVS hegt aber große Bedenken bezüglich der praktischen Umsetzbarkeit. (APA)

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