Deutsche kommen nicht mehr so gerne nach Österreich

10. Februar 2011, 13:10
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Deutsche und Österreicher im Urlaub: Renaissance des Seniorentourismus als Chance für Österreich

"Wenn einer eine Reise tut, dann hat er was zu erzählen", weiß eine Volksweisheit. Jetzt interessiert sich die Wirtschaft naturgemäß weniger für die zahlreichen Abenteuer und Erlebnisse der Reisenden. Was sie aber durchaus wissen will, ist, wer, wann, wohin fährt und vielleicht auch noch warum. Reinhold Popp, Leiter des Zentrums für Zukunftsstudien in Salzburg, und sein deutscher Kollege Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Hamburger BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, haben sich dieser Fragen angenommen, und am Donnerstag eine Studie zum Reiseverhalten der Österreicher und der Deutschen präsentiert. Dabei wurde nicht nur das vergangene Jahr ins Visier genommen, sondern auch die Planung fürs nächste Jahr und der Trend für die kommenden 15 Jahre beleuchtet. Denn, so lässt Reinhardt wissen: "Trotz Aschewolke über Island, trotz Ölkatastrophe, trotz Eurokrise - das Reisen bleibt die populärste Form von Glück."

Dabei gibt es zwischen den Nachbarländern einiges Verbindendes und nur wenig Trennendes was die Reisebereitschaft der Leute betrifft. Befragt nach dem Haupturlaub, war im Jahr 2010 knapp die Hälfte der österreichischen Bevölkerung auf Reisen, erklärt Popp. Davon führen 78 Prozent über die Landesgrenzen hinaus - die Top-Destinationen für den heimischen Touristen waren Italien, Kroatien und die Türkei. "Kroatien scheint aber am Vormarsch zu sein. Was aus den Planungsabsichten für 2011 abzulesen ist, muss Italien vor allem bei den Unentschlossenen noch deutlich zulegen", so Popp.

Bei den Destinationen haben Österreich und Deutschland nur wenig miteinander zu tun. Die Deutschen reisten nämlich vorwiegend nach Spanien, in die Türkei und nach Italien. Dabei ist zu erwähnen, dass sowohl die Alpenrepublik als auch der Nachbar im jeweils eigenen Land an erster Stelle rangieren, wenn es um die Frage des Reiseziels geht. Reinhardt: "Das ist übrigens in allen europäischen Ländern so, die Leute sind am meisten im eigenen Land auf Urlaub. Außer in Holland, da ist es Deutschland."

Österreich weniger beliebt bei Deutschen

Österreich hat in den vergangenen Jahrzehnten einiges an Beliebtheit als Destination für die deutschen Touristen verloren. So war es noch bis in die 1990er Jahre an zweiter Stelle zu finden, bis 2005 noch an dritter. Mittlerweile hätten die günstigen Angebote für den Mittelmeerraum und das fehlende Meer Österreich den Rang als Sehnsuchtsort der Deutschen gekostet, erklären Reinhardt und Popp. Deutschland liegt bei den Österreichern übrigens auf Platz 8 bei den Auslandsreisezielen.

Durchschnittlich sind Herr und Frau Österreicher 11,1 Tage im Urlaub und geben dabei rund 1.000 Euro aus. In diesen Kosten sind aber nicht nur Anreise und Unterkunft enthalten, sondern auch Nebenausgaben wie der Einkaufsbummel, Trinkgelder oder Ausflüge. Der durchschnittliche Deutsche ist ebenfalls elf Tage unterwegs und gibt pro Tag ungefähr 83 Euro aus.

Die Schere zwischen Besserverdienenden und Geringverdienenden ist nach wie vor recht groß, auch ein Bildungsgefälle ließ sich beim Urlaubsverhalten der Österreicher feststellen, erläutert Popp. Das bestätigt auch Reinhardt für die deutschen Touristen, allerdings sieht er eine noch größere Spaltung als in Österreich: "Immer mehr Besserverdienende in Deutschland vereisen öfter, länger und teuer." Auch Familien seien immer weniger auf Urlaub, die Kernzielgruppe Familie hat ein Fünftel an Größe verloren. Potenzial - im letzten Jahr bereits vorhanden, als auch für die Zukunft ausschöpfbar - sieht Reinhardt vor allem bei den Senioren.

Gerade Österreich sei da für die deutschen Ruheständler von enormem Interesse. "Österreich wird ein wenig zur Zweitdestination für Deutschland", meint Reinhardt. Auch wenn insgesamt nur 4,4 Prozent der Bundesdeutschen Reisenden sich für einen Urlaub in der Alpenrepublik entschieden haben, waren mehr als die Hälfte von ihnen über 55 Jahre alt. Reinhardt glaubt an eine "Renaissance des Altentourismus" geben werde. Dafür werde es aber sicher nicht ausreichen, "den Seniorenteller im Restaurant anzubieten", ist sich der deutsche Forscher sicher. "Senioren sind heute sehr reiseerfahren, und sie sind anspruchsvoll. Österreich ist jetzt schon weder teurer noch günstiger als die Konkurrenz am Mittelmeer. Gerade für Senioren spielt aber der Wohlfühlfaktor eine wichtige Rolle. Hier versteht man ihre Sprache, die Sicherheit ist gegeben - diese immateriellen Werte rücken in den Mittelpunkt." (Daniela Rom, derStandard.at, 10.2.2011)

In ihrer Tourismusanalyse haben die Forscher 1.000 Österreicher zu ihrem Reiseverhalten befragt, sowohl zum vergangenen Jahr, als auch zu den Plänen für die nächsten 15 Jahre.

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    Senioren könnten die Zahl der deutschen Touristen in Österreich nach oben schrauben.

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