EU-Parlament

"Wanderzirkus" von Brüssel nach Straßburg soll enden

9. März 2011, 16:59
  • Artikelbild
    foto: epa photo dpa/rolf haid/hd/h-hh

    Wenn es nach den Liberalen geht, tagen die EU-Parlamentarier bald nicht mehr in Straßburg.

Sitzungen werden zusammengelegt -Martin: Einsparungen in Höhe von 20 Millionen Euro

Straßburg - Das EU-Parlament in Straßburg wird in den kommenden beiden Jahren seinen häufig kritisierten "Wanderzirkus" von Brüssel nach Straßburg erstmals etwas einschränken. Die Abgeordneten stimmten am Mittwoch dafür, zwei Plenarsitzungen im Oktober 2012 und 2013 innerhalb einer Woche abzuhalten anstatt wie bisher in zwei getrennten Wochen. Das Votum wurde von österreichischen Europaabgeordneten begrüßt.

Nach dem EU-Vertrag ist das EU-Parlament verpflichtet, zwölf Sitzungen im Jahr in Straßburg abzuhalten. Da während der Sommerpause im August keine Sitzung stattfindet, muss diese üblicherweise später nachgeholt werden. Der liberale deutsche Europaabgeordnete Alexander Alvaro bezeichnete die in geheimer Abstimmung getroffene Entscheidung als "Anfang vom Ende des Straßburg-Wanderzirkus". Über den Parlamentssitz selbst müssten allerdings die EU-Staaten mit Einstimmigkeit entscheiden. Frankreich hat bisher keine Bereitschaft an einer Aufgabe des Straßburg-Sitzes erkennen lassen.

SPÖ-Delegationsleiter Jörg Leichtfried sprach von einem "Zeichen des Aufbegehrens" des Europaparlaments gegen den in den EU-Verträgen verankerten Wanderzirkus. Konkret werde die Sitzung vom 1. bis 4. Oktober 2012 und vom 30. September bis 3. Oktober 2013 in Straßburg gestrichen. Der fraktionslose Europaabgeordnete Hans-Peter Martin sagte, allein durch diesen Beschluss werden "zumindest 20 Millionen Euro eingespart". Er forderte zugleich, auch den dritten Parlamentssitz Luxemburg - dort ist das Generalsekretariat der Volksvertretung untergebracht - zurückzubauen und kritisierte, dass dort 450 Millionen Euro investiert werden sollen. Die Abstimmung sei "der Anfang vom Ende für den völlig unnötigen zusätzlichen Parlamentssitz in Straßburg".

Die Grüne Europaabgeordnete Ulrike Lunacek sprach von einem "Etappensieg im Streit um die Abschaffung des Straßburg-Sitzes des Europaparlaments". Damit würden nicht nur hunderttausende Euro Steuergelder eingespart, sondern auch "der durch den EU-Wanderzirkus verursachte Schadstoffausstoß von Flugzeugen, Autos, LKWs etc. verringert". Dennoch handle es sich nur um einen kleinen Schritt: "Ein Straßburg-Termin weniger, bleiben noch elf."

Leichtfried wies darauf hin, dass in dem von den Europaabgeordneten angenommenen Bericht nur noch ein Parlamentssitz genannt werde. "Wir Europaabgeordnete haben damit klar gemacht, dass wir Brüssel als einzigen Parlamentssitz haben wollen. Bisher gibt es immer noch drei Sitze des Parlaments - neben Brüssel auch in Straßburg und Luxemburg."

Gemeinsam mit dem Vizepräsidenten der sozialdemokratischen Fraktion, Hannes Swoboda, äußerte Leichtfried die Hoffnung, dass nun auch Frankreich einlenken werde und den Parlamentsbeschluss nicht vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) bekämpfen werde. Beobachter sehen in dem Parlamentsbeschluss vom Mittwoch vor allem einen "Testballon". Sollte Paris nicht gegen die Entscheidung der Abgeordneten klagen, dürfte ein Beschluss zur völligen Streichung der Straßburg-Sitzungswochen folgen.

Der deutsche CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt nannte die Zusammenlegung von zwei regulären Straßburger Plenarsitzungen illegal. "Das ist ein klarer Verstoß gegen den Vertrag, der von zwölf monatlichen Plenartagungen in Straßburg spricht, und muss deshalb vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg angefochten werden." (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 101
1 2 3
world-citizen
00
Der Wanderzirkus ...........

........ ist ein klassisches Beispiel dafür, wie sich die demokratisch gewählten Vertreter des gesamten europäischen Volkes dem Egoismus einer einzelnen komplexbeladenen Nation unterordnen muß. Ein Grund mehr, diese ganzen nationalen Gruppenegoismen zu entsorgen:

http://www.welt-buerger.org/buch_unte... arkeit.php

living reef
00
derösterreichische nationalrat

sollte seine plenartagungen auf die bundesländer aufteilen, dann würde auch keine renovierung des parlaments notwendig werden ;-)

Karl Labruni
00
16.6.2011, 07:48
... und zwecks Bürgernähe am besten irgendwo in einem Gasthaus!

webinformationat
12
19.3.2011, 18:44
Das EU-Parlament soll nach Japan ziehen

Die EURATOM Freunde fühlen sich dort sicher zu Hause

:-)

OSC
00
14.3.2011, 23:23
Eindrücke aus Straßburg

Passend zum Thema eine Fotoserie in und aus dem Parlamentsgebäude während der Tagung letzte Woche:
http://photos.bruxelles5.info/epstrasbourg

Boots Mann
00
16.3.2011, 12:58
hat ein bisserl was von dem Charme und baulichen Stil von AKW´s

einfach grössenwahnsinnig.

Mormoloc
00
16.6.2011, 10:07
Und das Ding in Brüssel ist nicht größenwahnsinnig?

skip it
00
15.3.2011, 12:27
des is gemein ;-)

PaterPäderasty
01
14.3.2011, 11:37
Videokonferenzen müssten ausreichen

Oder lebt diese neue Diplomatenkaste auch nur von Bussi-Bussiabkommen?
Time Lost in Travels - zum Kasperletheater gesellt sich sonst zwangsläufig eben noch der Wanderzirkus, und da ist die Reiselustigkeit ist vollkommen überflüssig.

Aber gegen eine Reiseeinschränkung werden sich die EU-Beamten allesamt generell verwehren - allein mit Hinsicht auf vielfach nebuloser Zweckgebundenheit.

Selbständiger
14
14.3.2011, 09:31
Spricht für sich selbst.

Kein vernünftiger Mensch würde so einen Wanderzirkus installieren, geschweige den aufrecht erhalten. Solche schwachsinnigen Idioten, die nicht einmal in der Lage sind so etwas von heute auf morgen abzustellen, wollen uns regieren?

Was sie uns nicht stehlen, das verschwenden sie. Sie beweisen uns mit ihren Handlungen täglich, dass in die Politik nur korrupte Diebe und Verschwender gehen.

Ein redlicher Mensch würde sich mit solchen Verbrechern wohl nicht freiwillig an einen Tisch setzen.

Diese Politiker haben genau jenes Image, dass sie sich selbst verdient haben.

Idefix der zweite
 
03
15.3.2011, 00:47

Die EU" kann da gar nicht viel tun, die Mitgliedsstaaten mit ihren oft skurrilen Eigeninteressen blockieren hier - in dem Fall Frankreich, das sich das Prestige und das geschäft nicht wegnehmen lassen will. Die Grand Nation braucht eben unbedingt auch einen EU-Parlamentssitz.

Natürlich macht Strassburg gute Geschäfte mit dem Schwachsinn, den ausser den Franzosen ohnehin keiner will.

Chris Quast
11
13.3.2011, 19:00

die vernünftigste "säule" der eu dürfte eh das parlament sein

Boots Mann
20
14.3.2011, 11:24
sie sind einer der wenigen, die im Kontext mit EU

von "vernünftig" schreiben.

Meine aufrichtige Bewunderung.

skip it
00
15.3.2011, 12:29
im vergleich mit hiesigen gegeben- und gepflogenheiten...

...ist das ueberhaupt kein problem.

Träume sind Schäume..
21
10.3.2011, 17:10
Alle EU Parlamentarier in Brüssel konzentrieren

Insbesondere die Grünen.

Meiner Erfahrung nach gibt die Brüssler Innenstadt einen exzellenten Einblick in eine verfehlte Einwanderungspolitik.

Da viele dieser Herrschaften diese weiter betreiben.
Wäre es nur gerecht mal hohe Kriminalität und Verwahrlosung auf den täglichen Weg zur Arbeit zu genießen.

Selbst Prakatikanten von Eu-Parlamentariern fluchen schon über diese Stadt und suchen sich händeringen d Wohnmöglichkeiten außerhalb ;)

skip it
00
15.3.2011, 12:31
einige meiner freunde wohnen in 1000 bruessel...

...und haben kein problem damit.

soweit ich informiert wurde, bestehen die probleme in einigen bestimmten bezirken und vierteln.

so wie in wien, eben.

Pessimist-Realist
 
41
10.3.2011, 22:15

Und du nimmst wirklich an, dass sie die in ihren durch unsere Steuergelder finanzierten Elfenbeinpalästen sehen würden? :-/

Amnael
 
01
10.3.2011, 12:12
Mir wär Straßburg lieber....

Durch die modernen Technologie (videotelephonie, email...) ist es nicht umbedingt nötig das Parlament in der gleichen Stadt wie die Kommission anzusiedeln. Und außerdem würde eine gewisse Dezentralisierung der Union nicht schaden. Ich könnte mir vorstellen die Sitze in Brüssel und Luxemburg zu Gunsten Straßburgs aufzugen.

Und anstadt die Institutinon in Luxemburg zu konzentriern könnte man sich auch Gedanken machen eine Instituton in die Metropolregion Wien-Bratislava zu verlegen.

skip it
01
15.3.2011, 12:33
bei der bekannten wiener fremdenfreundlichkeit...

...siedelt sich so schnell keine int. organisation mehr hier an.

außerdem hat wien ja bereits das buero zur bekaempfung von rassismus und xenophobie ;-).

Herr Nilsson
00
10.3.2011, 12:06

stimmt, der zirkus in brüssel und strasbourg sollte wirklich enden.

Keyser
20
10.3.2011, 11:26

Auch die Monarchien früherer Zeiten hatten es an sich, pro Jahr ein bis zweimal ihr Domizil zu wechseln - und den halben Hofstaat mitzuschleppen.

Die Kosten sind dabei egal, entweder man hat es, oder man hat es nicht. Und die EU scheint es zu haben, also mögen unsere Könige und Königinnen, und die Hofdamen, Knappen, und anderen niederen Gesellen wandern.

Es sind ja nur lächerliche 20 Mio. und wenn man representieren will, was ist das dann schon? Wir Bürger zahlen doch gerne, damit die Damen und Herren produktiv sein können, und uns regieren!

667 one step ahead of the devil
01
In Brüssel muß sich überhaupt viel andern!

Das war so nie ausgemacht.

http://www.spiegel.de/netzwelt/... 26,00.html

WM11
01
Posselt gegen Zusammenlegung?

Genau so sieht der aus:

http://www.youtube.com/watch?v=fEFlYRzbBK8

(ab 1:20)

ich geb meinen senf dazu
00

Danke für den link! Mir war dieser Zeitgenosse schon bekannt, für alle die mehr Infos wollen:
http://www.europarl.europa.eu/members/e... DE&id=2229

ich sag's grad raus
00
Europahauptstadt in die Schweiz verlegen.

Mit der Auflage, dass diese neutral bleiben muss, der EU nicht beitreten darf und jährlich ein hübsches Sümmchen an die EU für die erzielten Mehreinnahmen abliefern muss. Da hätten doch alle etwas davon?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 101
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.