Lochgott in der Lichtstadt

Michael Robausch aus Eindhoven
10. Februar 2011, 11:42
  • Da gehen Sie dahin, unsere Kicker.
    foto: apa/pfarrhofer

    Da gehen Sie dahin, unsere Kicker.

Die Österreicher auf Bildungsreise in Eindhoven - eine Analyse

Vorausgeschickt, die Systematik: Das von Teamchef Dietmar Constantini vor der vizeweltmeisterlichen Bildungsreise als favorisiert offenbarte 4-5-1 kam in Eindhoven in der Variante 4-2-3-1 daher. Als das Nichtgenügend schon feststand, wurde daraus am Ende ein 4-4-2 in Form eines 4-2-2-2.

Jürgen Macho: Genötigt, ruckfrei rasch in die Gänge zu kommen und gegen den von Wesley Sneijder freigepassen Klaas Jan Huntelaar auch wirklich ideal zur Stelle (10.). Bügelt damit die erste und - wie sich im Lauf des Abends zeigen sollte - beileibe nicht letzte Verwerfung in Österreichs Abwehrzentrale glatt. Bei Sneijders exquisitem Ballermann zum 1:0 in etwas zu weit vorgeschobener Stellung um noch aussichtsreich eingreifen zu können. Zu dünne Suppe für den Tatbestand des Fehlers. Nach dem Wechsel noch einmal mutiger Hecht in Huntelaars Hufe, Zögern bei einem niederländischen Corner und gleich zweimal chancenlos bei einem Elfmeter von Dirk Kuyt. 

Sebastian Prödl: Lochgott. Verlässt vor dem Gegentor mittels tapsigen Vorwärtsruckelns seine Position. Öffnet dergestalt dem herandrängenden Sneijder nach dessen komplettiertem Doppelpass mit Theo Janssen den Raum zur Vollendung genau dort, wo er, um sie ihm zu verwehren, Acht hätte haben müssen. Beim 2:0 verschollen. Zwischendurch einmal mehr fachliche Mängel. In modernen Mannschaften von gewisser Klasse sollte zumindest einer der zentralen Backs zu mehr befähigt sein, als der bloßen Reaktion. Der Bremer ist dieser nicht.

Emanuel Pogatetz: Als gedachter Stabilisator wieder an Bord, gerät dortselbst gehörig ins Schlingern. Beim Comeback  erweist sich die Abstimmung insbesonders mit dem allernächsten Nebenmann als eine Leerstelle. Die ist von Anfang an voll da und drängt die Protagonisten zu verbalem Abbau, der, gestenreich vollzogen, nie gelingt. Beim 0:2 ver(w)irrt. Ursprünglich durchaus noch auf Huntelaars Spur, lässt er diesen plötzlich Klaas sein und verlässt seinen Orbit entschlossen in den leeren Raum. Falsche Entscheidung. In modernen Mannschaften von gewisser Klasse sollte zumindest einer der zentralen Backs zu mehr befähigt sein, als der bloßen Reaktion. Der Hannoveraner ist dieser nicht.

Florian Klein: Allzuoft mangelt es an Umsicht und Flexibilität in Situationen, wo rasche Adaption gefragt wäre. Bei Rochaden der Niederländer ein besonders virulenter Mangel. In solchen Fällen dann nicht in der Position die gut täte. Sieht sich zu allem Überfluss mit Ibrahim Affelay einem der besten Oranjes gegenüber. In Zweikämpfen die fleischgewordene Naivität: zu ungestüm angreifend Opfer fast jeder Finte, dann wieder viel zu weit vom pirouettierenden Gegner weg. Beim 0:2 auch im Kopf zu langsam und vom gerade erst eingewechselten Eljero Elia ausgeferselt. Spätestens nach dem zum niederländischen Elfer führenden Hands musste man ihn bedauern. Rechts hinten? Sich ausdehnende Baustelle.

Chistian Fuchs: Macht anfangs gegen Dirk Kuyt keine schlechte Figur. Was sich allerdings mit zunehmender Spieldauer tendenziell ändern sollte. Unterhält von allen österreichischen Verteidigern die intimste Beziehung zum Ball, verfällt in dessen Nähe nicht in Panik. Kann oder darf offensiv aber kaum mehr Akzente setzen als Klein und leidet dabei auch an strukturellem Partnermangel, da der Autopilot von Arnautovic offenbar unabänderlich mittig gepolt ist. Offenbart in späterer Matchphase wie angedeutet ebenfalls mehr und mehr Unwohlsein mit dem konsequenten niederländischen Flügel(ver)halten. Findet sich dann (vielleicht auch im durchaus nachvollziehbaren Glauben, Löcher stopfen zu sollen)  zu weit mittig verzogen. Verbraucht viel Energie bei der Neuorientierung.

David Alaba: Der erste von nicht vielen österreichischen Schüssen kommt von ihm. Ein Fanal. Seine Aufgabe heißt Mark van Bommel. Geht dem Ex-Kollegen forsch an die Wäsche und lässt keinen Zweifel an seinen Absichten die da heißen: Behinderung beim Setzen des ersten Steins im niederländischen Spielaufbau. Lebendig. Traut sich etwas zu. Oft mit Fleißaufgaben belastet, wenn er auch noch Kuyt verfolgen muss, sobald Arnautovic psychisch überlastet ist. Sehr sehr viel unterwegs. Sichert bei Standards hinten ab. Übernimmt in der zweiten Halbzeit im Gefolge der Wechsel linksaußen von Arnautovic, was auf sein Engagement keine Auswirkungen hat. Es bleibt vorzüglich. Bester Mann.

Marco Arnautovic: Nach hoffnungsvoller Ouvertüre voller Überzeugtheit und inspiriertem Zusammenspiel mit Alaba übernimmt recht schnell doch die resignierte Körpersprache das Ruder. Ab dann permanent an der Grenze zum Lustverlust. Ausstrahlung: unmöglich. Schuss in der 43. Minute aus guter Position recht harmlos. Erste Offensivkoproduktion mit Hintermann Fuchs in der 56. Minute. Übernimmt danach von Junuzovic die rechte Seite - ist dort genau so schlecht drauf. Gefühlsmäßig. Momente in denen er sich dazu durchringt, seine Fähigkeiten konstruktiven Bahnen zuzuführen, ergeben sich viel zu selten. Es ist dies Missverhältnis, das verstimmt. Kühl am Punkt.

Franz Schiemer: Lässt Sneijder vor dessen Tor ohne ausreichende Gegenwehr passieren. Als Abwehrmann vor der Abwehr mit der Aufgabe die Mitte zu verbarrikadieren und Ballgewinn zu verbuchen. In der Realität eher ein Verlustgeschäft. Findet sich ganz am Ende der ersten Halbzeit mit der besten Chance für Österreich wieder: ein Kopfabtropfer von Maierhofer fällt ihm am Fünfmeterraum vor die Füße. Doch seine Torjägerqualitäten werden in diesem Augenblick von Verblüffung übermannt. Spielt diese sonst aber auch eher per Kopf aus. Endet statt dem armen Klein im Finish in der Viererkette.

Julian Baumgartlinger: Die ein oder andere gelungene Szene neben Schiemer, dessen Rolle und Schicksal er teilt. Beweist guten Touch unter Zeitdruck. Das macht sich gut in Zweikämpfen, in denen es für Sekundenbruchteile auch nach Erfolg aussieht. Am Ende aber nur selten vervollständigte Aktionen. Kann im Gegensatz zu den Oranje-Sechsern (Van Bommel in Abstimmung mit Janssen) ebenso kaum etwas zum Spielaufbau beitragen wie Schiemer. Erhöht das flexible niederländische Mittelfeld sein Kombinationstempo, kann auch er nicht genügend Widerstand entgegensetzen.

Zlatko Junuzovic: Wenig Wirbel rechterhand. Kommt mit seinem Antipoden Erik Pieters selten klar. Kann nicht an seine erhebenden Vorstellungen aus den letzten Partien anschließen. Auch von dieser Adresse keine Absender Richtung Maierhofer (oder an sonst jemanden). Keine klubkollegiale Harmonie mit Klein, sondern eher Ansteckung durch dessen Tiefausläufer. Also doch wieder eine Art Gleichklang. Sein erster Corner in der 41. Minute. Wird relativ folgerichtig für Hoffer weniger geopfert als erlöst.

Stefan Maierhofer: Erwischt gleich den ersten in seine Richtung segelnden hohen Ball - und danach keinen guten Tag. Ein erstes Schwälbchen bringt Stimmung in die Bude: das ansonsten bestens gelaunte Philips-Stadion ist erbost. Diesmal nicht das hin und wieder wieselnde Turbo-Shuttle der vergangenen Partien. Agiert stattdessen als orthodoxer Fixpunkt an vorderster Front und spielt seine seltenen Passes auf Verdacht. Als Fußballer wahrscheinlich - und in dieser Konstellation ganz sicher - zu eindimensional. Wenn doch Bewegung dann seitwärts: absammeln. Verführt den mitleidigen Referee mit einem zweiten Tauchgang zum Elferpräsent.

Yasin Pehlivan und Erwin Hoffer enterten ein sinkendes Schiff, das nach vielen Wechseln auf Seiten der Gastgeber selbst von Holland-B vor sich hergetrieben wurde. Von einer Beurteilung wird insofern abgesehen. Der Lauterer ließ immerhin einen guten Schuss vom Stapel und nötigte Tormann Maarten Stekelenburg tatsächlich zu einer Parade. (Michael Robausch aus Eindhoven)

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Mir ist das Problem von Arnautovic schon klar... er hat ja schon alles mit Inter erreicht, dabei war er zwar nicht. Das was fehlt ist der WM Titel und das wird mit Österreich schwer.

Oft mit Fleißaufgaben belastet, wenn er auch noch Kuyt verfolgen muss, sobald Arnautovic psychisch überlastet ist

großartig

Der Begriff "KÖRPERSPRACHE" im Zusammenhang mit
Fussballereignissen tötet mir langsam den letzten Nerv!
Jeder Schrottplatz-Trainer adelt sich durch exzessiven
Gebrauch dessen zum Selfmade-Akademiker und die Hintertupfinger vom ORF haben ihn in sehr führende Position ihres dürftigen Wortschatzes eingebaut.

...und jetzt les ich hier auch noch ....

am schlimmsten find ich "suboptimal"...

Einzelkritik Teil 2

Die Lösung in der IV kann nur entweder Stranzl (Schwerpunkt Gegenwart) oder Dragovic (mit Blick auf die Zukunft) neben Pogerl heißen. Als LV ist Fuchs gesetzt (nur sollt er weniger Ivanschitz-Kraut rauchen). Bleibt das Problem RV: Garics? Im Team immer wieder enttäuschend. Dag? Auch keine Offenbarung. Kann/will Ibertsberger das spielen? DM sollte klar mit Scharner und Alaba besetzt sein (Ersatz: Baumgartlinger & Pehlivan). Als LM kommen Kavlak und Ivanschitz in Frage, RM (trotz schwacher Vorstellung gestern) Junuzovic. Arnautovic würde ich Freigeist zw MF und Sturm spielen lassen. Als Stürmer kommt nur Janko in Frage - wenn er halt nicht dauernd Migräne hätte... Aber bevor ich einen Maierhofer aufstelle, nehme ich lieber einen Alar.

Einzelkritik Teil 1

Fakt ist: Da gibt es einige, die in der Nationalmannschaft nix verloren haben: An vordester Stelle natürlich Herr Maierhofer, dessen Leistung immer um die Pole skurril und bemitleidenswert oszilliert. Dann natürlich Klein (für die österreichische BL ein Guter, international zu wenig). Schön wäre es, wenn sich endlich jemand finden würde der offen ausspricht, dass auch Prödl zu dieser Kategorie zählt. Langsam, haarsträubende Stellungsspielfehler - unzumutbar. Und Schiemer - lieber DiCo, lieber Herr Stevens - ist ein absolut unterdurchschnittlicher DM. Schon in Österreich, aber international überhaupt eine Lachnummer. Als IV ist er auch nicht schlechter als Prödl, dafür aber wenigstens torgefährlich.

Maierhofer:
-Elfer rausgeholt
-Vorlage für Schiemer, müsste eigentlich ein Tor sein.

Den 11er...

...hat nicht Maierhofer rausgeholt, den hat uns der Schiri aus Mitleid nach dem Klein-Blackout geschenkt...

offenbarte 4-5-1 kam in Eindhoven in der Variante 4-2-3-1 daher. Als das Nichtgenügend schon feststand, wurde daraus am Ende ein 4-4-2 in Form eines 4-2-2-2.

Von der ÖFB Homepage:

"Der Tiroler ließ mit einem 4-1-4-1-System beginnen."

:)

schön geschrieben. jetzt müsste man nur noch ein spiel finden, das inhaltlich dazu passt.

Danke

Schön geschrieben!

da fehlt ein Beistrich nach Position.

Aufbau gut, der Stil etwas bemüht (Absätze!). Also Note "Gut", mit leichtem Plus davor.

da fehlen eine ganze menge beistriche.

aber lustig zu lesen ists schon. wenn man nicht mitgespielt hat.

Trotzdem werden die Türken 2.

Bestenfall schlagen die Öst. Belgien und werden 3. Danach gibts 3 Niederlagen in Folge zuerst in Istanbul und dann 2 mal Dland. Dann sollte die Quali für Öst gelaufen sein.
Auch wenn die Türken gegen Südkorea auch nicht überzeugt haben. Erstens in Freudschaftsspielen überzeugen sie nie.Und Emre wollte wohl mit seinen unnötigen Fouls innerhalb von 5 min wohl früher das müde Spiel verlassen und hat 2 mal in 5 min gelb gesehen.

zufrieden sein...grüsse aus zürich

hallo nachbaren,
habe das spiel nicht ganz verfolgt da ich das gurken-spiel malta-schweiz mir angetan habe!!!
fand die truppe hat sich gut verkauft.
habe auch zum teile gute und schnelle kombinationen bis zum 16er gesehen.
die tore sind unglücklich gefallen auch in bezug auf den zeitpunkt.
denke das team hat eine gute zukunft vor sich.
wünsche dem team für die nächsten spiele viel glück.
und mir das rapid sich steigert ;-)

sympathische analyse, die leider mit dem letzten satz zunichte gemacht wurde.

forza viola

drum kriegst du jetzt ein rotes stricherl, und der rash ein gruenes

naja

schade....jetzt hab`s mir voll versaut.;-)
sie sollten da schon unterscheiden wenn es um das team geht.
im vergleich zu 2 jahren davor spielen die jungs wirklich einen anderen besseren fussball.
das team ist jung und mit jedem spiel werden sie dazu-lernen.
und diese erfahrungen werden für die nächsten schweren spiel so hoffe ich gold-wert sein.
und sie haben recht ich finde österreich & leute sympathisch auch den humor mag ich sehr.

Sorry aber diese einzelkritik ist echt fürchterlich. Die sueddeutsche zeitung kann das echt besser... naja das ist auch das original

Abstimmung

Ich habe den Artikel ganz gelesen -> Grün
Ich habe das Geschwurbel nicht bis zum Ende durchgehalten -> Rot

ich finde

robauschs stil ganz witzig, zu seiner aussage kann ich wenig sagen, ich hab das spiel nicht gesehen. er scheint aber zu hart ins gericht zu gehen. wenn er allerdings holländische skifahrer auch so derb anfaßt, gleicht sich das wieder aus.

Der Stil erinnert sehr an die selbstherrliche Arroganz eines Hr. B.

Fachlich erscheint mir der Artikel durchaus interessant, zum Lesen wars aber sehr mühsam...

Ab.
Jetzt.a

wie

waers mit einer Bewertung des Teamchefs? Ah, nein, das trauen wir uns ja nicht, da spielen wir lieber Verbal-Ballerina.

Der erste Absatz sagt doch eh alles :)

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