Eine leichte Überforderung

9. Februar 2011, 22:32
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Österreichs Nationalteam beginnt das Länderspieljahr mit einem 1:3 (0:1) in den Niederlanden. Gegen den Vizeweltmeister reicht eine bloß tapfere Vorstellung nicht. Immerhin, für die EM-Qualifikation wird wiedereinmal dazugelernt

Eindhoven - Österreichs Nationalteam beginnt das Länderspieljahr mit einem 1:3 (0:1) in den Niederlanden. Gegen den Vizeweltmeister reicht eine bloß tapfere Vorstellung nicht. Immerhin, für die EM-Qualifikation wird wiedereinmal dazugelernt.

Nach zwei Minuten hat ein Österreicher im Philips-Stadion tatsächlich den Ball berührt, der Held war Rechtsverteidiger Florian Klein. Die Niederländer konnten diesen Schnitt im Verlaufe der Partie natürlich nicht ganz halten, vielleicht sind sie deshalb in Südafrika auch nur Vize-Weltmeister geworden. Teamchef Dietmar Constantini ist natürlich kein Realitätsverweigerer, er wusste, dass sich in Eindhoven zwei Mannschaften treffen, "die nicht auf einer Augenhöhe sind".

Und so mischte er Beton, die Aufstellung war an Defensive kaum zu überbieten. Fürs Tor durfte er freilich nur einen Mann nominieren, Jürgen Macho. Und der hatte wie erwartet viel zu tun, zweimal, in der zehnten und in der 18. Minute, klärte er spektakulär vor Klaas Jan Huntelaar. Die Oranjes mussten einige Stars vorgeben, das war ziemlich egal und vermutlich kein Schaden für Österreich. Gerackert haben die Underdogs schon, aber sie waren selten in der Lage, Zweikämpfe auch nur zu erreichen.

Das Spiel war eine leichte Überforderung, immerhin hat Marko Arnautovic zweimal geferserlt und einmal 20 Meter drüber geschossen. Kapitän Christian Fuchs hatte große Schwierigkeiten mit Dirk Kuyt, die Innenverteidiger Emanuel Pogatetz und Sebastian Prödl wehrten sich tapfer. Vorne hungerte Stefan Maierhofer. Die Niederländer brauchten nicht ihre volle Kraft, waren leicht unterfordert. Kapitän Mark van Bommel verspürte nicht einmal Lust, einen Gegner zu treten, es gab dazu keine Notwendigkeit.

In der 28. Minute erzielte Wesley Sneijder, der sich vor jedem Spiel in ein Kämmerlein zurückzieht, den Rosenkranz auspackt und ein Gebet spricht, das höchst verdiente 1:0. Es war ein wunderbarer Treffer, nach einem Doppelpass mit Theo Janssen zog er von der Strafraumgrenze ab, via Latte landete der Ball im Netz. Vielleicht ist Macho einen Meter zu weit draußen gestanden, vielleicht aber auch nicht.

Sneijder ist eben ein großartiger Kicker und auf Gottes Gnade nicht angewiesen, wobei Beten nie Schaden kann. Bondscoach Bert van Marwijk war gnädig, er wechselte Sneijder zur Pause aus. 48. Minute: Flanke Erik Pieters, Kopfball Huntelaar zum 2:0. In der 71. Minute wurde es lustig. Klein schoss sich im Strafraum den Ball selbst an die Hand, der deutsche Schiedsrichter Felix Byrch entschied auf Elfmeter. Kuyt trat an, fetzte den Ball aus seiner Sicht flach in die linke Ecke, Byrch ließ wiederholen, ein Niederländer war zu früh in den Strafraum gerannt. Kuyt wiederholte sich selbst, fetzte flach in die linke Ecke - 3:0. 84. Minute: Auch Österreich wurde mit einem Elfer beglückt, nach einem Foul an Maierhofer trat Arnautovic an und verschönerte auf 1:3.

Laut Constantini zeichnet die österreichische Mannschaft der unbedingte Siegeswille aus. "Die sind hungrig." Ab und zu fehlt halt das Können, fehlt die Klasse, da kann der Wille baden gehen, da verhungert der österreichische Fußballer. Die niederländischen Kicker sind zu gierig gewesen. Der Ball rollt natürlich weiter, die EM-Qualifikation wird fortgesetzt. Am 25. März kommt Belgien nach Wien, vier Tage später wird in Istanbul gegen die Türkei gespielt. Natürlich mit voller Kraft.

"Wir haben eine recht ansehnliche Partie geliefert, haben versucht, frech nach vorne zu spielen", beteuerte Kapitän Fuchs, der für die EM-Quali "positiv gestimmt" bleibt. Arnautovic: "Das 1:3 ist relativ normal." Constantini: "Es war nicht davon auszugehen, dass man hier gewinn. Das Spiel hat seinen Zweck erfüllt." (Christian Hackl aus Eindhoven; DER STANDARD Printausgabe 10. Februar 2010)

Niederlande - Österreich 3:1 (1:0)
Eindhoven, Philips-Stadion, 33.000, SR Felix Brych (GER)

Tore:
1:0 (28.) Sneijder

2:0 (48.) Huntelaar

3:0 (71.) Kuyt (Elfmeter)

3:1 (84.) Arnautovic (Elfmeter)

Niederlande: Stekelenburg - Van der Wiel, Heitinga, Mathijsen (46. Wisgerhof), Pieters - Janssen (71. Strootman), Van Bommel - Kuyt (75. L. de Jong), Sneijder (46. Elia), Afellay - Huntelaar (73. Van Nistelrooy)

Österreich: Macho - Klein (73. Pehlivan), Prödl, Pogatetz, Fuchs - Junuzovic (62. Hoffer), Baumgartlinger, Schiemer, Alaba (84. Kavlak), Arnautovic - Maierhofer

Gelbe Karten: Keine bzw. Junuzovic

  • Huntelaar (L) und Kuyt haben ihre Freude.
    foto: epa/robin van lonkhuijsen

    Huntelaar (L) und Kuyt haben ihre Freude.

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