"Wirtschaft gewinnt 2011 an Fahrt"

9. Februar 2011, 19:31
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US-Notenbankchef Ben Bernanke weist Inflationssorgen für die USA zurück, die Aussichten für den Arbeitsmarkt blieben trüb

Washington  - US-Notenbankchef Ben Bernanke hat erneut die Inflationssorgen amerikanischer Politiker zurückgewiesen. Stark steigende Preise gebe es derzeit in aufstrebenden Ländern wie China und Brasilien, wo das Wachstum und die Nachfrage groß seien, sagte Bernanke am Mittwoch bei einer Anhörung im US-Repräsentantenhaus. Dass aber auch die USA mit einer hohen Inflation rechnen müssten, dafür gebe es trotz steigender Rohstoffpreise keine Anzeichen.

"Die Inflation ist in den USA sehr, sehr gering", sagte Bernanke. Er reagierte auf Fragen republikanischer Abgeordneter, die ihr Unbehagen über die lockere Geldpolitik der Notenbank ausdrückten. Sie fürchten nach eigener Aussage, die Federal Reserve (Fed) konzentriere sich so sehr auf die Erholung der US-Wirtschaft, dass sie die Inflationsgefahren außer Acht lasse.

Es sollte "keinen Zweifel" geben, dass die Fed das Land vor starken Preissteigerungen beschützen werde, sagte Bernanke. Er betonte, die Inflationsrate habe 2010 gerade einmal 1,2 Prozent betragen - nach einem doppelt so hohen Wert im Vorjahr.

Die Fed hält seit Dezember an einem historisch niedrigen Leitzins zwischen 0,0 und 0,25 Prozent fest. Sie hatte diesen Zielkorridor als Reaktion auf die schwere Finanzkrise festgelegt. Die Märkte rechnen inzwischen wegen des schleppenden Aufschwungs frühestens 2012 mit einer Zinsanhebung.

Acht Millionen verlorene Stellen

Trotz zuletzt ermutigender Signale sieht US-Notenbankchef Ben Bernanke die Lage am US-Arbeitsmarkt noch immer kritisch. Zwar liefere der deutliche Rückgang der Arbeitslosenquote im Januar "einigen Grund zu Optimismus", sagte Bernanke am Mittwoch vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses in Washington. Die Situation verbessere sich aber nur langsam.

Von den mehr als acht Millionen in der Finanzkrise verlorenen Stellen habe die US-Wirtschaft erst rund eine Million wieder aufgebaut. Dies reiche aber gerade für die Studienabsolventen und andere Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt aus, nicht aber um die schon vorhandene große Lücke zu schließen", sagte Bernanke.

Konjunkturhilfen

Damit deutete Bernanke zugleich an, dass die Notenbank ihre Konjunkturhilfen vorerst wohl nicht zurückzufahren wird.

Einen Preisdruck gebe es nicht, verteidigte der Fed-Chef seinen Kurs vor skeptischen Abgeordneten. Die Inflation sei weiter zu niedrig. Das 600 Milliarden Dollar schwere Programm zum Ankauf von Staatsanleihen müsse aber bei jedem Treffen der Federal Reserve auf Basis der Wirtschaftsaussichten neu bewertet werden, sagte der Notenbankchef. Er bekräftigte, die außergewöhnlichen Maßnahmen sollten zurückgenommen werden, einige Zeit bevor der Arbeitsmarkt wieder normales Niveau ereiche, was vier bis fünf Jahre dauern könne. Er hoffe aber, dass dies auch schneller gehen könne.

Das Konjunktur-Programm ist im In- und Ausland umstritten. Republikanische Kongressabgeordnete werfen Bernanke vor, damit Inflationsgefahren zu schüren. Schwellenländer sehen darin einen Versuch der USA, den Dollar zugunsten von Wettbewerbsvorteilen im Welthandel zu schwächen. (APA)

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    Die US-Wirtschaft wird nach Einschätzung von Ben Bernanke im laufenden Jahr an Dynamik gewinnen.

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