Nach Kostelic auch Janka abgereist

9. Februar 2011, 19:43
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Zahlreiche Topstars kämpfen mit gesundheitlichen Problemen - Kritik am Rennkalender

Garmisch-Partenkirchen - Nach Ivica Kostelic verzichtet mit Carlo Janka ein weiterer Top-Läufer auf einen WM-Start in den Disziplinen Super-Kombination und Abfahrt. Der Schweizer kämpft laut Angaben des nationalen Verbandes möglicherweise mit den Spätfolgen eines Virusinfekts. Nach dem zweiten Abfahrtstraining verließ der Gesamt-Weltcupsieger des Vorjahrs wortlos das Zielgelände und ist inzwischen in seine Heimat gereist, um sich dort auf den WM-Riesentorlauf vorzubereiten.

Im Rahmen der Bekanntgabe von Jankas Abreise informierte "Swiss Ski" etwas genauer über den Gesundheitszustand des 24-Jährigen. Bei Janka wurden im Dezember 2010 Veränderungen der Herzfrequenz festgestellt. Diese können zu einer Einschränkung der maximalen Leistungsfähigkeit und Erholungsfähigkeit führen. Die weiteren Abklärungen und Behandlungen werden am Ende der Saison fortgeführt, da keine gesundheitliche Gefährdung bestehe.

Zahlreiche Top-Läufer angeschlagen

Janka reiht sich damit in eine prominente Liste von Läufern und Läuferinnen ein, die mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Besonders die so genannten Allrounder bekommen die Folgen des dichten Rennkalender zu spüren. Bei den Damen erwischte es die beiden Topfavoritinnen Lindsey Vonn und Maria Riesch.

Vonn, nach einem Trainingssturz noch immer nicht ganz fit, verzichtete am Mittwoch auf das Abfahrtstraining und fuhr auch im zweiten Training nur mit angezogener Handbremse. Riesch muss bei ihrer Heim-WM aufgrund einer Virusgrippe gar um ein Antreten in den weiteren Bewerben fürchten und ließ das zweite Training aus. Das erste brach sie bereits nach wenigen Schwüngen wieder ab (aufgrund der FIS-Regelung mussten beide in zumindest einem Training starten, um für die Kombiabfahrt zugelassen zu werden).

"Wir arbeiten daran, dass sie in sämtlichen Wettbewerben teilnehmen kann." Man schaue von Stunde zu Stunde, von halbem Tag zu halbem Tag", sagte der deutsche Mannschaftsarzt Hannes Scherr am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Garmisch-Partenkirchen. "Maria hat ein großes Kämpferherz. Sie wird alles daran setzen, dass sie starten kann", so Scherr . Das Fieber ist von 39,8 auf 38 Grad gesunken, die Blutwerte waren in Ordnung. "Aber es sind nicht Blutwerte, die den Berg runterfahren, sondern es ist Maria", sagte der Arzt.

Kostelic kritisiert Rennkalender

Besonders der Weltcup-Gesamtführende Ivica Kostelic hatte nach dem WM-Super-G deutliche Worte gefunden. Der 31-Jährige forderte mindestens zehn Tage Pause um sich auf ein Großereignis vorzubereiten. Vor der WM in Garmisch hatte es bekanntlich keine Rennpause gegeben. Noch zwei Tage zuvor waren die Athleten in Zwiesel (Damen) bzw. Hinterstoder (Herren) im Einsatz.

Kostelic, der auch mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte, zog daraus seine Konsequenzen und verzichtet auf ein Antreten in Abfahrt und Super-Kombination. Insbesondere in der Kombination wäre Kostelic der absolute Topfavorit auf den Titel gewesen. Der Kroate will sich stattdessen in seiner Heimat auf das WM-Finish mit Riesentorlauf und Slalom bzw. auf die letzten Rennen im Weltcup vorbereiten.

Raich und Miller mit Fokus auf die WM

Andere Allrounder wie Benjamin Raich oder Bode Miller hingegen, haben ihren Fokus auf die WM gelegt und daher im Vorfeld Pausen eingelegt. Raich plagte sich mit einer Grippe und verzichtete deshalb auf die Weltcup-Rennen in Chamonix. Eine Kürzung des WM-Programms kommt für ihn nicht in frage: "Ich will die Super-Kombination fahren und etwas reißen. Nur weil einem etwas nicht passt oder man etwas riskieren muss, darf man nicht gleich zurückziehen." Dennoch zeigte er Verständnis für die Entscheidung von Kostelic: "Ich verstehe ihn, er muss auf seinen Körper aufpassen. Wenn du ein Programm wie er und dann noch so einen Super-G wie hier fährst, dann ist irgendwann Sense."

Romed Baumann gehört ebenfalls zu den Allroundern im Weltcup. Auch er kann sich mit dem dicht gedrängten Rennkalender nicht wirklich anfreunden: "Das ist schon ziemlich zäh. Die Regenerationsphasen verkürzen sich immer extremer. Zum Teil bleibt nicht einmal mehr Zeit zum Ausradeln"

Der Problematik bewusst ist man sich auch beim Weltverband FIS. Laut Damen-Renndirektor Atle Skaardal wird mit der Gestaltung des Rennkalenders durchaus versucht den Allroundern gerecht zu werden, aber man könne "niemals jeden zufriedenstellen". (APA/red, derStandard.at) 

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