Gutachten belastet Ex-AUA-Chef

9. Februar 2011, 18:43
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Al Jaber hat den ehemaligen AUA-Chef Ötsch wegen arglistiger Täuschung angezeigt

Wien - Ein Gutachten des Sachverständigen Martin Geyer im Rahmen des Gerichtsstreits zwischen dem verhinderten Investor Scheich Mohamed Al Jaber mit der AUA (Austrian Airlines) belastet den einstigen AUA-Chef Alfred Ötsch. Das berichtet die "Presse" (Donnerstag). Der Sachverständige sollte klären, ob Ötsch über die AUA-Lage falsch informiert hat und ob die Airline damals schon insolvent war. Geyer ortet dem Bericht zufolge ein "krasses Missverhältnis" zwischen den Aussagen von Ötsch und der tatsächlichen Lage der Fluglinie Anfang 2008. Zahlungsunfähig sei die Fluglinie damals jedoch nicht gewesen.

Al Jaber hatte Anfang 2008 zugesagt, mit 150 Mio. Euro bei der AUA einzusteigen. Nach Unterzeichnung der Verträge sprang er ab, weil er sich über die Lage der Fluglinie falsch informiert sah. Al Jaber und AUA deckten einander mit Klagen ein, die Verfahren laufen noch.

Al Jaber hat den damaligen AUA-Chef Ötsch wegen arglistiger Täuschung angezeigt. Ötsch, der Anfang 2009 geschasst wurde, hatte im März 2008 erklärt, die AUA sei saniert und die größten Verlustbringer wären beseitigt. Fünf Wochen später präsentierte die AUA für das erste Quartal 2008 einen Verlust von 60,4 Mio. Euro.

Schlussfolgerungen

Geyer kommt laut "Presse" zum Schluss, dass die Ausführungen im Geschäftsbericht 2007 zur Lage der AUA bei der Veröffentlichung am 13. März 2008 "bereits als überholt anzusehen" gewesen seien. Schon Ende März 2008 hätte im Konzern bekannt sein müssen, dass im ersten Quartal mit zu hohen Budgeterwartungen gerechnet worden war. Spätestens Ende März/Anfang April hätte der Konzern "mit einem erheblichen negativen Periodenergebnis und erheblichen negativen Planabweichungen rechnen müssen." Geyers Schlussfolgerung: "Die Angaben von Ötsch, die in einigen Presseartikeln wiedergegeben wurden, stehen im krassen Missverhältnis zu den tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnissen der AUA. Tatsächlich korreliert die Außendarstellung der wirtschaftlichen Situation der AUA nur bedingt mit den tatsächlichen, auch intern bekannten Ergebnissen."

Zahlungsunfähig sei die AUA zwischen Frühjahr 2008 und Frühjahr 2009 jedoch nicht gewesen, heißt es in Geyers Expertise. Damit sei der mögliche Vorwurf der Krida und Konkursverschleppung vom Tisch. Nachsatz: Hätte die Fluglinie unter den gleichen Bedingungen weitergemacht, wäre die Zahlungsunfähigkeit und damit Insolvenz aber unausweichlich gewesen. (APA)

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