Contra Bettelverbot

9. Februar 2011, 18:35
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Bettelverbote sind sinnlose Stadtbereinigung

Was haben Prostitution, Drogenkonsum, Abtreibung und Bettelei gemeinsam? Alles hat es schon immer gegeben, und alles wird es aller Voraussicht nach immer geben. Gleich, ob es staatlich verboten ist oder nicht. Aus genau diesem Grund sind Bettelverbote auch abzulehnen.

Die gerne angeführten Argumente der organisierten Gruppen und der Kinder, die gezwungen werden, um Almosen zu heischen, ziehen nicht. Denn das sind bitte schwere Delikte. Geht es um Nötigung oder Menschenhandel, müssen Exekutive und Justiz einschreiten.

In Wahrheit dreht es sich also darum, Menschen aus dem In- und Ausland, die nicht anders zu Geld kommen können oder wollen, aus dem Stadtbild zu vertreiben. Wahrscheinlich gemäß dem hübschen Grundsatz, dass es keine Probleme gibt, wenn man sie nur nicht mehr sieht.

Zumindest in Wien zeigen viele Polizisten wenig Begeisterung, dass sie auf ihren Rundgängen die Bettler verscheuchen müssen. Die kommen meist ohnehin wieder, und verhängte Verwaltungsstrafen werden aus naheliegenden Gründen nicht bezahlt. Und im schlimmsten Fall kommen die Bettler auf die Idee, dass mit Taschen- und Ladendiebstahl mehr Geld zu verdienen ist.

Statt Verbote zu beschließen, sollte sich die Politik daher darauf konzentrieren, die soziale Situation zu verbessern. Aber das ist halt anstrengender und langwieriger. (DER STANDARD Printausgabe, 10.2.2011)

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