Mohamed Al Jaber

9. Februar 2011, 20:28
9 Postings

Ein reicher Scheich, der nicht zahlen will

Er verspricht viel, ist sehr unzuverlässig, und seine Zahlungsfähigkeit ist, höflich formuliert, sehr eingeschränkt. So beschreiben ehemalige Geschäftspartner Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber, der Kneissl das versprochene Geld schuldig blieb. Die Tiroler Skifirma musste Konkurs anmelden.

Doch den Saudi-Bürger, der auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt und hier unter anderem Eigentümer der Wiener Ringstraßenhotels Grand Hotel und The Ring ist, plagen derzeit auch andere Sorgen. Ende Dezember des Vorjahres ist der 52-Jährige von einem ägyptischen Gericht zu zwei Jahren Haft - nicht rechtskräftig - verurteilt worden, sowie einer Geldstrafe von 264.000 Euro. Al Jaber werden Urkundenfälschung und Kursmanipulation vorgeworfen. In Ägypten ist Al Jaber in der Lebensmittelindustrie tätig. Als Aufsichtsratschef von Ajwa Food Industries soll er laut Anklage seine Position genützt haben, um durch falsche Informationen den Aktienkurs hochzutreiben.

In Österreich erlangte der Selfmademillionär einen größeren Bekanntheitsgrad, als er vor drei Jahren bei der AUA einsteigen wollte. 150 Millionen Euro wollte Al Jaber, der über Wohnsitze in Paris, London und Wien verfügt, in die defizitäre Airline investieren.

Der damalige AUA-Chef Alfred Ötsch und die Staatsholding ÖIAG waren begeistert. Doch dieser Zustand hielt nicht lange an, und seither trifft man einander vor Gericht. Al Jaber fühlte sich von der AUA ob der ihm präsentierten Geschäftszahlen getäuscht. Manche sagen, er hätte letztlich die Finanzierung des Deals nicht zustande gebracht.

Daneben prozessiert Al Jaber auch gegen die US-Hotelgruppe Starwood; es geht um eine zu geringe Anzahlung bei einem Milliarden-Dollar-Deal in Frankreich.

Die Hinhaltetaktik des dreifachen Vaters hat offenbar Methode: So wartet die Modul University in Wien, eine Privat-Uni der Wiener Wirtschaftskammer, seit langem auf Geld. Al Jaber, der zehn Prozent besitzt, hat Stipendien zugesagt. Der Tiroler Unternehmer und Kneissl-Vorbesitzer Fritz Unterberger wartet auf 900.000 Euro, der Fußballklub Wacker Innsbruck auf 156.000 Euro. Sie sind nicht die einzigen Kneissl-Gläubiger, die auf offenen Rechnungen sitzengeblieben sind. 2007 erwarb Al Jaber über die Volksbanken-Tochter Immo-Consult einen Betreibervertrag für das Hotel Schwarzenberg. Seit 2009 liegen die Baubewilligungen vor, seither geschah - nichts.  (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.2.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mohamed Al Jaber ließ Kneissl in Konkurs schlittern.

Share if you care.