Bundesbanker Weber wird wohl nicht Chef der EZB

9. Februar 2011, 18:07
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Berlin - Im Rennen um die Nachfolge von Claude Trichet, dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), lag er seit Monaten ganz vorne. Doch nun scheint der Chef der deutschen Bundesbank, Axel Weber, das Interesse daran verloren zu haben und eher den Chefsessel der Deutschen Bank im Auge zu haben.

Mehrere deutsche Medien berichten von einer vertraulichen Gesprächsrunde am Dienstagabend. Dort soll Weber erklärt haben, dass er nach Auslaufen seines Vertrages im April 2012 "nicht unbedingt eine zweite Amtszeit" bei der deutschen Bundesbank anstrebe. An deren Spitze steht der 53-Jährige seit dem Jahr 2004. Doch offenbar will Weber nicht verzichten, um zur EZB zu wechseln, wie Bundesbank-Kreise danach bestätigten.

Vielmehr könnte der Wirtschaftsprofessor den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, beerben. Ackermanns Vertrag läuft 2013 aus. Er hat bereits klar gemacht, dass er danach nicht mehr an der Spitze des größten deutschen Bankhauses stehen will. Auch ein früherer Abgang Ackermanns ist möglich.

Weber gilt als "Falke"

Die Spekulationen um Weber bremsten am Mittwoch zeitweilig den Euro, der auf ein Tagestief von 1,3609 Dollar fiel, sich dann im Laufe des Tages aber wieder auf 1,3644 Dollar erholte. Weber gilt als "Falke", als Verfechter einer strikten Geldpolitik für einen starken Euro. In den vergangenen Monaten hat er mehrmals kritisiert, dass die EZB Anleihen von hoch verschuldeten Euro-Ländern kauft. Seine Kritik an der EZB kam vor allem in Paris schlecht an. "Wenn er nicht an die EZB-Spitze aufrückt, nährt das Spekulationen, dass die Notenbank eine eher lockere Geldpolitik fahren könne", sagte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke zu Reuters.

EZB-Chef Trichet tritt am 31. Oktober ab. Als aussichtsreichster Nachfolger gilt jetzt, wo Weber offenbar aus dem Rennen ist, Mario Draghi, der Chef der Banca d'Italia. Im Gespräch ist auch Klaus Regling, der seit Juli 2010 in Luxemburg den EU-Hilfsfonds verwaltet. Ebenfalls genannt werden EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark und Yves Mersch, Gouverneur der Luxemburger Zentralbank. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.2.2011)

 

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    Axel Weber schmiedet Zukunftspläne.

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