Hypo Kärnten feuert gesamte Führung in Slowenien

9. Februar 2011, 18:04
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    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Hypo-Alpe-Adria-Chef Gottwald Kranebitter hat "null Toleranz" bei ethisch fragwürdigen Geschäften. Ob den gefeuerten Managern Anzeigen oder Klagen seitens der Bank drohen, wollte die Hypo nicht beantworten.

Die notverstaatlichte Hypo Alpe Adria greift in Slowenien durch und schasst die Führung

Die Ende 2009 notverstaatlichte Hypo Alpe Adria hat überraschend die komplette Führungsmannschaft ihrer Bank- und Leasing-Tochter in Slowenien ausgetauscht. Begründet wurde der Schritt mit "unsauberen Geschäften" . Die Hypo will einen Neuanfang in Slowenien - nicht zuletzt, weil Ex-Mitarbeiter, die inzwischen als Beschuldigte geführt werden, bestens über aktuelle Vorkommnisse in der Bank informiert sind.

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Wien/Klagenfurt - "Wir haben Nulltoleranz was unsaubere Geschäfte und nicht ethische Geschäfte anbelangt", so die offizielle Stellungnahme der Hypo Alpe Adria Bank zum Hinauswurf der gesamten Führungsebene in Slowenien. Sowohl in der Bank als auch in der Leasing-Tochter wurden die Vorstände gefeuert. In der Hypo Slowenien hat nun der Salzburger Alexander Picker das Sagen, bei der Leasing der Grazer Danijel Novak. Picker erhält den Slowenen Matej Falatov zur Seite gestellt. Die slowenische Tochter hat übrigens drei Mio. Euro an Staatshilfe von Slowenien bekommen.

Über die Hintergründe für den Vorstandswechsel kann nur spekuliert werden: Möglicherweise geht es auch um massive Malversationen bei der Errichtung des Businesscenters "Rotonda" in Laibach im Jahr 2009. Das genehmigte Projekt soll von der Hypo-Leasing an die slowenische Baufirma Vegrad sehr günstig verkauft worden sein.

Die Vegrad errichtete das Businesscenter und verkaufte dieses danach angeblich extrem überteuert an die Hypo Leasing zurück. Die Hypo Leasing (oder die Bank) hat der Vegrad den Ankauf und die Errichtung des Projektes finanziert und danach zu einem völlig überhöhten Preis wieder abgekauft. Dabei sollen erhebliche Wertsteigerungen lukriert worden sein und unter anderem Provisionen an die Ex-Hypo-Vorstände Wolfgang Kulterer, Günter Striedinger sowie einen weiterer Mitarbeiter der Bank, geflossen sein. Für alle gilt die Unschuldsvermutung. Vegrad war für eine Stellungnahme vorerst nicht erreichbar.

Vergeblich gewarnt

Das Risk Management warnte zwar vor dem Geschäft, wurde aber offenbar umgangen, bzw. der negative Riskreport geschönt. Die zuständige Risk-Managerin, die das Projekt negativ beurteilt hatte, soll dabei massiv unter Druck gesetzt worden sein. Die durch den Deal entstandenen "Geldwertvorteile" sollen um die 30 Millionen Euro betragen haben. Die dubiosen Vorgänge rund um das Projekt "Rotonda" sind bereits Gegenstand einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, bestätigt deren Sprecher Helmut Jamnig.

Das Projekt "Rotonda" war übrigens nicht das einzige, das Vegrad gemeinsam mit der Hypo Alpe Adria errichtete. Die beim Bau der Hotelanlage "Adriatic Kempinski" in Istrien von Vegrad beauftragten kroatischen Subunternehmer beklagten, Vegrad sei ihnen Geld schuldig geblieben und erstatteten Anzeige. Vegrad war Miteigentümerin der Firma Skiper Rezidencija, die wiederum Investorin des "Kempinski"-Projekts war - da Skiper die Kreditraten nicht zahlt, versucht die Hypo nun die Anlage zu verkaufen. Die Hypo finanzierte das Projekt immerhin mit 242 Mio. Euro.

Der slowenische Privatier Miro Oblak behauptete in einem Interview im kroatischen Magazin Nacional, die Hypo Bank habe ihn aus dem Kempinski-Projekt gedrängt und Vegrad als Miteigentümer geholt. Kulterer wiederum beschuldigte Oblak, bei dem Projekt Geld abgezweigt zu haben.

Vegrad soll im Vorjahr in schwerste Turbulenzen geraten sein und bei der Hypo Alpe Adria rund 200 bis 300 Mio. Euro Verbindlichkeiten gehabt haben.

Vergangenheitsbewältigung

Unabhängig von der Entscheidung in Slowenien, überrascht der Schritt, sich von diversen Mitarbeitern zu trennen, Hypo-intern nicht. Damit werde ein klarer Schnitt zur Vergangenheit der Bank gezogen, heißt es. Das erscheint umso wichtiger, als sich aus diversen aktuellen Gerichtsakten und Abhörprotokollen ergibt, dass Ex-Mitarbeiter, die inzwischen als Beschuldigte geführt werden, bestens über aktuelle Vorkommnisse und Entscheidungen in der Hypo informiert sind.

Bei Einvernahmen von Verdächtigen aber auch von Zeugen aus der Bank, so heißt es, würden immer wieder Dokumente aus der Bank und bankinterne Korrespondenz zu Vorgängen nach der Notverstaatlichung Ende 2009 gefunden, die auf enge Kontakte zwischen Mitarbeitern und Beschuldigten und einem hohen Informationsgrad letzterer schließen ließen. Um- und Zustände, die übrigens auch aus der Hypo-Banktochter im liechtensteinischen Schaan (die dortige Alpe Adria Privatbank wird gerade liquidiert;) kolportiert werden - und die bisher keine Folgen zeitigten.

News zitierte indessen aus Abhörprotokollen in der Causa Hypo: Die Polizei hörte bei Gesprächen vom Ex-Vorstand der Hypo, Günter Striedinger, mit. Bei einem Telefonat mit dem Anwalt geht es um die kroatische Gesellschaft AB Maris, an der die Hypo früher Anteile gehalten hatte. Der Gesprächspartner habe am Telefon zu Striedinger gesagt: "Kohle da." Dessen Antwort: "Super, super, super." (stein, gra, cr, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.2.2011

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
1 2
Alpendollar
03
10.2.2011, 10:18
Hat aber lange gedauert

Bin gespannt wie hoch deren Abfertigung sein wird.

The Quick One
03
10.2.2011, 10:02
Warum nur Slowenien?

Gibt es in Österreich nicht auch noch ein paar schwarze Schafe? Wie lange gehört die Hypo schon der Republik? Was dauert da so lange bei der Aufarbeitung? Kann ja nicht sein........

naihoit
00
10.2.2011, 12:59
Gibt es in Österreich nicht auch noch ein paar schwarze Schafe?

Na, sichchaalichch giebt´s die, owa dennen wern ma doch nix tuan.
Mia suach´n di rot´n Schaaf, und wenn ma ans g´funddnt hobm, daunn san ma aus´n Schneida.

Johannes Kaspar
02
10.2.2011, 10:13
die gab es...

deshalb wurde sie ja immerhin auch notverstaatlicht....

lieber Realist als Träumer
02
10.2.2011, 09:20

Als Österreicher und Hypo-Kunde bin ich doppelt erleichtert zu sehen, dass jeder, der hier Dreck am Stecken hat, hochkarätig rausfliegt.

Vergangenheit liegen lassen - Fehler beheben - vernünftig arbeiten!
Genau das erwarte ich mir auch von einer verstaatlichten Bank!

frank rosner
22
10.2.2011, 08:06
toll - super leistung

den vorstand zu feuern - endlich mal tiefgreifende maßnahmen - brauchen da irgendwelche freunderl weider einen neuen job?

hdd
00
10.2.2011, 12:36
Umfärbeaktion

So funktionieren die Umfärbeaktionen .... wer war denn das, der den aktuellen Hypo-Chef "installiert" hat?

nur so zum nachdenken
00
10.2.2011, 08:02

"Das genehmigte Projekt soll von der Hypo-Leasing an die slowenische Baufirma Vegrad sehr günstig verkauft worden sein. Die Vegrad errichtete das Businesscenter und verkaufte dieses danach angeblich extrem überteuert an die Hypo Leasing zurück. Die Hypo Leasing (oder die Bank) hat der Vegrad den Ankauf und die Errichtung des Projektes finanziert und danach zu einem völlig überhöhten Preis wieder abgekauft.
Ned bös sein, aber sind das wirklich Wirtschaftsjournalisten?
Die Leasing verkauft ein Projekt an Baufirma. Baufirma errichtet das Projekt und verkauft es wieder an die Leasing. Und dann hat die Leasing oder die Bank das der Baufirma nochmals abgekauft.
Wirtschaftsjournalismus a la Standard (aber der Sport hat eh schon mehr Seiten).

Sand
00
10.2.2011, 09:41
Wieso schiessen Sie auf den Überbringer der Nachricht und nicht auf den Verursacher des Skandals: Die alte blauorange Hyposeilschaft in Kärnten?

nur so zum nachdenken
00
10.2.2011, 10:07

Es geht mir nicht um Malversationen oder nicht, das soll voll aufgearbeitet werden, aber seriös bitte.
Aber lesen Sie sich den Bericht nochmals genau durch: Wie soll das gehen, dass man so ein Projekt/Objekt zweimal zurückkauft???
Es geht mir um die journalistische Qualität bzw. auch Verständlichkeit!

vintage
00
10.2.2011, 06:09

Bei welcher Bank werden die jetzt anfangen??

hallo999
02
10.2.2011, 07:18
bei der bayern lb

Erich Theodor Kartmann
00
10.2.2011, 00:27

man kann für die armen kerle nur hoffen, dass die abfertigung stimmt ...

Erzbischof Dalmaticus Pipistrelli
00

Überraschung! :D

Fritz~
07
Das sind Schlagzeilen

...
die ich mir von einer Bank, die ich als Österreicher mitbesitze, so öfter erwarte.

Ja hier läuft was falsch - hier sind die Konsequenzen!

Wenn die sich selbst Bereicherer erstmal alle draußen sind kann die Bank wieder arbeiten.

Dass da Konsequenzen für die Verursacher folgen müssen, liegt zwar auf der Hand, jedoch in den Händen unserer Justiz.

mlzt
10
10.2.2011, 08:31

Die "sich selbst Bereicherer" sind schon reich! Jetzt dürfen die nächsten nachrücken!

Aguirre74
 
03
10.2.2011, 07:43

In den Händen unserer Justiz. Dann gibts genau Null Konsequenzen.

i bins die Marie
16

wundert das irgendwen, dass die Namen Striedinger und Kulterer hier wiedermal ganz groß auf der Kohle-kassier Seite stehen....

Vollkommen richtig einen Schlussstrich unter die Betrugsgeschäfte der Vergangenheit zu machen!

man of constant sorrow
11
Was für eine schöne Schlagzeile!

Und so untendenziös, so gerecht, sachlich, absolut vertretbar. Und alle Kärtner, und alle Österreicher wissen: So etwas schlimmes, das eine solche Maßnahme erfordern würde, könnte in ihrem Land niemals geschehen.
Das ist auch der Grund, warum in diesem schönen Land alle ihre Jobs behalten...

Anonymous Coward
11
10.2.2011, 01:50

Sie machen vermutlich auch aus einer schlechten Wettervorhersage für Slowenien eine "tendenziöse Berichterstattung" (weil's ja in Kärnten oft auch nicht besser ist), nicht wahr?

man of constant sorrow
00
10.2.2011, 10:14

Nein.

Zeitghost
47
Jawoll!!

Endlich wird durchgegriffen.

Da verwett ich mein ganzes Steuergeld, dass die richtig dreck am Stecken haben in Slowenien!

Will als österreichischer Steuerzahler auch keine schwindligen Slowenen bezahlen - deshalb mit Sicherheit ein richtiger Schritt!

RS69
 
32
10.2.2011, 00:27

Gute Ironie!

A la croate
61

Richtig wäre das wir als Steuerzahler und Sponsoren für diese Wahnsinnigen Banker die Notbremse ziehen und sie alle vor die Tür setzen.

Zeitghost
14

der wahre Vorschlag eines Fachmanns *ironie*

Wollen sie ALLE Banker die es gibt vor die Tür setzen??
Oder sollte man die Verbrecher und Systemschädiger einen nach den anderen zur Rechenschaft ziehen und dafür sorgen dass man der ganzen Branche wieder trauen kann?!
genau das passiert hier gerade - wer lesen kann ist klar im Vorteil.

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