Greenlife

Nachhaltige Entwicklung braucht mehr Bildung

9. Februar 2011, 18:19
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    foto: ap/franka bruns

Ziel ist es, einen breiten gesellschaftlichen Lernprozess und Bewusstseinswandel in Gang zu setzen

Bildung ist der Hoffnungsträger für gesellschaftliche Entwicklung. Die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Konflikte in unserer Zeit verdeutlichen die Notwendigkeit eines Umdenkens. Allerdings reicht Wissen allein nicht aus, es braucht mehr...

Heute nimmt das Thema Nachhaltigkeit beinahe in jeder Zeitung einen Stammplatz ein. Klimawandel, Umweltverschmutzungen oder "Wachstumskrise" sind zum Mainstream-Diskurs erhoben worden, vor 10 Jahren noch kaum vorstellbar. Dennoch lässt sich kein breites Umschwenken in den Verhaltensmustern und globalen Entwicklungstrends erkennen.

Eine Studie der OECD zeigt, dass in Österreich die wirtschaftlichen Vorteile einer tertiären Ausbildung weiter zugenommen haben. So verdienten nach einer aktuellen OECD Studie Hochqualifizierte 2008 im Schnitt 60 Prozent mehr als Erwerbstätige, die nur über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. (www.oecd.org/de/bildungaufeinenblick)

Jedoch bedeutet höhere Bildung zusammen mit höherem Einkommen auch meist einen luxuriöseren Lebensstil. Selbst, wenn man annimmt, dass eine höhere Ausbildung für mehr Umweltengagement sorgt, ist dieser "Bildungs-Reboundeffekt" nicht zu vernachlässigen.

Ganzheitlicher Ansatz

Hier wird deutlich, dass nachhaltige Entwicklung komplex ist und Bildung für nachhaltige Entwicklung einen ganzheitlichen Ansatz erfordert.

Die UNESCO-Initiative "Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)" verbindet ehemals isolierte Bereiche wie Umweltbildung, Friedenserziehung, globales Lernen, Eine-Welt-Pädagogik, politische Bildung, Ethik, Philosophie, Reformpädagogik bis hin zu feministischen Bildungsansätzen, etc. unter einem gemeinsamen Dach und bietet einen ganzheitlichen Ansatz, Bildung zu verstehen.

Im November 2008 wurde die "Österreichische Strategie zur Bildung für nachhaltige Entwicklung" in den Ministerrat eingebracht und beschlossen. Mit dieser Strategie soll der Bewusstseinswandel in Richtung Nachhaltigkeit bei Lernenden und Lehrenden unterstützt und Vernetzungsmöglichkeiten für die AkteurInnen geboten werden.

Ziel der Österreichischen Strategie Bildung für nachhaltige Entwicklung ist es, einen breiten gesellschaftlichen Lernprozess und Bewusstseinswandel in Gang zu setzen, um aktuelle globale Herausforderungen auf der Bildungsebene für eine nachhaltige Entwicklung aktiv aufzugreifen: z.B. in den Gebieten des Klimaschutzes, der CO2- und Verkehrsreduktion, der Stärkung einer regionalen Lebensmittelproduktion, des fairen Handels und Konsums, nachhaltiger Wirtschaft, des sozialen Zusammenhaltes etc.

Zentraler Bestandteil der Initiativen ist die Bewusstseinsbildung und Identifikation mit dem Lebensraum. BNE ist daher nicht nur Wissensvermittlung, sondern handlungsorientiertes politisches Lernen. Ziel der Bildung für nachhaltige Entwicklung ist es, Lernenden Kompetenzen und Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben, die es ihnen ermöglichen, aktiv und eigenverantwortlich die Zukunft mit zu gestalten. Wesentlich ist, bereits angewandte pädagogische Prinzipien wie Interdisziplinarität, Wertorientiertheit, kulturelle Sensibilität, Problemlösungsorientiertheit, methodische Vielfalt, Partizipation und lokale Relevanz weiterzuentwickeln und weiter zu verbreiten. Auf Nachhaltigkeit.at finden Sie das vollständige Monatsthema und zahlreiche weitere Gastbeiträge.


Mehr zum Thema zivilgesellschaftliches Engagement im Internetportal

Logo: Nachhaltigkeit.at

Autor: Christian Lechner, Sustainable Europe Research Institue (SERI). Recherche und Aufbereitung im Auftrag des Lebensministeriums, Abteilung II/3 Nachhaltige Entwicklung und Umweltförderpolitik.

Direkt-Link zum Monatsthema 1/2011
(mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)

Zusätzlich zum Monatsthema kommen im Bereich Dialog einige ExpertInnen aus unterschiedlichen Organisationen zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung zu Wort.

Person des Monats ist Dr. Ute Stoltenberg, Universitätsprofessorin und Leiterin des Instituts für integrative Studien an der Leuphana Universität Lüneburg.

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11 Postings

Grundübel dürfte meiner Meinung nach auch die Verwirtschaftlichung des universitären Forschung sein. Aufwendig geforscht wird nur dort, wo sich Nachhaltigkeit im kommerziellen Erfolg niederschlägt.

nachhaltige entwicklung braucht das erkennen globaler ursachen wirkungsprinzip...

erst wenn ein kleinkind versteht, welche folgen der konsum eines mcburgers auf die umwelt und bevolkerungerungen (zb in südamerika) hat und welche regime (zb mubarak) dabei unterstützt werden, kann ein umdenken stattfinden.

Schöne Buzzwords,

keine Inhalte, keine Analysen. Nur Imperative. Nachhaltig "bessere" Lehrer als Allheilmittel.
Ich kenne Leute in .at, die bekommen seit Jahren keine Gelder mehr für Forschung in diesem Bereich...Warum?

Weil der Inhalt wohl eigentlich unbequem ist.

Ach was. Diese Statistiken, die in Bezug auf Nachhaltigkeit Industrie-, und Bildungspotenzial miteinander vergleichen sind doch ein alter Hut.

Das einzige im "grünen Bereich", dh. wenig Ausbeutung mit zugleich guter Bildung ist derzeit übrigens Kuba.

Bildung ist der Hoffnungsträger für gesellschaftliche Entwicklung

Bildung ist DER Hoffnungsträger für gesellschaftliche Entwicklung.
Mei Red'!

Tolle Erkenntnisse!

Die waren sicher schon prähistorischen Menschenrassen bekannt.

Schwurbel, schwurbel....

Sinnfreie Aneinanderreihung der üblichen Phrasen...

Manche Phrasen entstehen auf der Zunge, andere erst im Ohr, bzw. Empfängerhirn

Wer Botschaften nicht hören will nimmt eben nur die Oberfläche wahr und degradiert sie zu Phrasen.

die Wahrheit muss man eben immer und immer wieder herunterleiern damit sie sich irgendwann in den Köpfen der Menschen festsetzt.

Stimmt. Charles Kettering sagte mal: "In einer Fünftelsekunde kannst du eine Botschaft rund um die Welt senden. Aber es kann Jahre dauern, bis sie von der Außenseite eines Menschenschädels nach innen dringt."

Wir werden täglich mit Information über Weltprobleme überflutet, aber kapieren tun die meisten davon nix. Der naturwissenschaftliche Reduktionismus scheint uns zudem die Fähigkeit zum ganzheitlichen Denken genommen zu haben. Wir analysieren, messen, gliedern, fachsimpeln im "Insidervokabular" etc., aber verlieren dabei zunehmends die Übersicht über interdisziplinär gestreute reziproke Abhängigkeiten, die ein komplexes Feld aufspannen...

Gut, dass man hier endlich was tut!

Der Ansatz ist zu begrüßen. Wenn sich das weiter entwickelt, könnte es sein, dass wir in zwanzig Jahrzehnten brauchbare Politiker haben. Na mal sehen.

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