Ägyptens Wirtschaft kommt die Krise teuer zu stehen

9. Februar 2011, 18:00
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Tourismusbranche besonders betroffen - Ausländische Konzerne agieren weiterhin zurückhaltend

Die Unruhen in Ägypten könnten die Volkswirtschaft des bevölkerungsreichen Landes noch lange Zeit schwächen.

"Die Krise kostet die ägyptische Wirtschaft mindestens 227 Millionen Euro täglich", heißt es in einem Bericht der französischen Großbank Credit Agricole. Die Bank senkte die Wachstumsprognosen für 2011 bereits von 5,3 auf 3,7 Prozent.

Zehntausende Touristen flüchteten vor den andauernden Protesten aus dem beliebten Urlaubsland - ein immenser wirtschaftlicher Schaden, macht der Tourismus satte zwölf Prozent des Bruttoinlandproduktes von Ägypten aus (siehe Grafik). Im vergangenen Jahr besuchten fast 15 Millionen Menschen das Land der Pharaonen, das bedeutete Einnahmen von rund 9,5 Milliarden Euro.

Wenig Freude mit den Rückholaktionen und Stornierungen hatten auch die Reiseveranstalter: Allein Tui machte zwischen 31 und 37 Millionen Euro Verlust mit den Massen-Rückholaktionen und Stornierungen seit Ausbruch der Proteste. Es ist fraglich, in welcher Geschwindigkeit sich die Tourismusbranche in Ägypten erholen wird; auch Winterurlauber zeigen sich verunsichert und weichen auf andere Destinationen, wie Spanien oder Italien, aus.

Die politische Instabilität Ägyptens wirkte sich zudem direkt auf die Betriebsamkeit und Investitionslust ausländischer Unternehmen aus. Viele internationale Konzerne setzten ihre Aktivitäten für Tage aus. Nur zögerlich gehen einzelne wieder ans Werk. Der deutsche Autohersteller BMW war einer der Ersten, die am Sonntag ihre Produktion hochfuhren. Bei den Konkurrenten Daimler und Nissan standen die Fließbänder am Mittwoch hingegen noch still.

Die rund 100 Mitarbeiter des deutschen Chemiekonzerns BASF nahmen ihre Arbeit wieder auf, ebenso möchte das Handelsunternehmen Metro seine Märkte in Ägypten bald wieder öffnen. Volkswagen hat seine Exporte nach Kairo ausgesetzt, die meisten der rund 70 Mitarbeiter von Thyssen-Krupp befänden sich immer noch im Ausland, so die Konzernsprecherin.

Ägyptens Export ist von der aktuellen Krise betroffen, im Jänner gingen die Ausfuhren um sechs Prozent zurück.
Nach einer Zwangspause von mehr als zwei Wochen soll am Sonntag die Kairoer Börse wieder öffnen. Sie war geschlossen worden, nachdem der Aktienmarkt an zwei Handelstagen einen Verlust von 8,8 Milliarden Euro erfuhr.

Die US-Regierung äußerte sich besorgt über die Folgen der Situation für die sich langsam erholende Weltwirtschaft. (AFP, juh, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.2.2011)

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